Hülzweiler Plötzlich gibt’s sogar in der Probe Applaus

Hülzweiler · Nach langen Monaten dürfen Chöre endlich wieder zusammen proben – unter Einschränkungen, aber immerhin. Für den Chor „Jung und sing“ war die jüngste Probe aber aus doppeltem Grund eine ganz besondere.

 Eigentlich hatte der Chor „Jung und sing“ aus Hülzweiler am Wochenende seinen 30. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert feiern wollen. Da das nicht möglich war, sang er sein geplantes Programm kurzerhand in der Probe durch. Applaus gab es dennoch. 
  Foto: Alexandra Broeren

Eigentlich hatte der Chor „Jung und sing“ aus Hülzweiler am Wochenende seinen 30. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert feiern wollen. Da das nicht möglich war, sang er sein geplantes Programm kurzerhand in der Probe durch. Applaus gab es dennoch. Foto: Alexandra Broeren

Foto: Alexandra Broeren

Bereits zweimal hat der Hülzweiler Chor „Jung und sing“ gemeinsam und live geprobt. Und zwar draußen, auf dem Hülzweiler Marktplatz auf den Stufen am Lochbach. Dass am vergangenen Freitag nun die Hygiene- und Schutzregeln zum zweiten Mal gelockert wurden und die Sänger und Sängerinnen jetzt dem Abstand zueinander verringern konnten, kam ihnen gerade recht. Denn nachdem das für Samstag geplante große Jubiläumskonzert zum 30. Geburtstag von „Jung und sing“ ausfallen musste, hatte der Chor beschlossen, an diesem Abend eine Extra-Probe anzusetzen, um das gesamte geplante Konzertprogramm durchzusingen. „Nur für uns“, sagte Chorleiter Uli Linn.

„Wir haben durch die gesamte Coronazeit hindurch jede Woche geprobt. Teilweise als reines Online-Meeting, teilweise draußen im letzten Sommer, teilweise aber auch hybrid, das heißt fünf Leute live mit viel Abstand im Saal, die anderen haben sich online dazugesellt“, erklärt Linn. Der Chor hat es auf diese Weise sogar geschafft, einige neue Stücke aus der aktuellen Popliteratur, beispielsweise Alice Coopers „Schools out for Summer“ einzustudieren. Jetzt gelte es allerdings, den Klangausgleich zu schaffen und einen guten Groove hineinzubringen. „Um uns wieder konzertreif zu machen, müssen wir schon noch einiges tun“, sagt Linn: „Unser Hauptaugenmerk liegt jetzt darauf, am Chorklang zu arbeiten und sich auf die Mitsänger einzustellen.“

Während wir uns mit Linn unterhalten, kontrolliert Monika Ersfeld die Corona-Tests der Sängerinnen und Sänger, die sich dann zusätzlich noch in der Luca-App registrieren. „Wir wollen das Risiko soweit wie möglich dezimieren“, sagt sie. Bis zum Beginn der Probe ist außerdem eine Maske Vorschrift. Beim Singen darf sie abgenommen werden. „Man gewöhnt sich an den Wahnsinn“, sagt Koordinatorin Monika Ersfeld.

Die Probe muss außerdem angemeldet werden und ein Hygienekonzept vorgelegt werden. Die Verordnung bedürfe allerdings der Überarbeitung, sagt Linn. „Es sind einige Widersprüche drin.“ Und: „Wenn mir jemand vor etwas mehr als einem Jahr erzählt hätte, dass wir mit dem Impfpass zur Probe kommen, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“ Jedenfalls, sagt Ersfeld, habe sie vor 14 Tagen vor der ersten Probe vor Ungeduld regelrecht gebrannt.

„Ich bin eine von denjenigen, die die Zoom-Proben verweigert hat, denn das macht mich höchstens depressiv“, sagt Altistin Bettina, die allerdings ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie habe zwar zu Hause schon für sich alleine die Stücke eingeübt, „aber die fehlenden Proben merke ich stimmlich schon massiv. Ich bin gespannt, wie es heute wird, denn zwei Stunden am Stück zu singen, ist schon eine Belastung.“

Und: „Uns ist es wichtig, dass Kultur und Gesang nicht hinter Dingen wie dem Fußball zurücksteht.“

Anita Lindeke gibt zu „Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie das wird, wenn wir wieder näher zusammenstehen dürfen. Das Singen gewinnt eine ganz andere Qualität, wen man jemanden aus seiner eigenen Stimmlage in der Nähe hat.“ Alex Schöneberger sagt, die Aussicht auf die Probe am Abend habe ihm den ganzen Tag versüßt: „So lebendig wie jetzt, habe ich mich eine ganze Zeit lang nicht mehr gefühlt“, sagt er. Genauso ginge es ihm auch, bestätigt Sohn Fabrice, der gemeinsam mit seinem Vater im Chor singt.

Karina Kluge-Freichel, Vorsitzende des Chorwerks Hülzweiler, macht allen Sängern und Sängerinnen Mut: „Ganz ehrlich, bei der ersten Probe nach sieben Monaten habe ich gedacht: ‚Auweia‘. Aber mit dem Singen ist es ähnlich wie mit dem Sprachenlernen. Wenn man seine Fähigkeiten eine Zeit lang nicht nutzt, dann sind sie zwar etwas verschüttet, aber es kommt schnell wieder.“

Und damit hat sie recht. Denn nach einigen Lockerungsübungen für die Stimme wurde gleich der erste Song von der Handvoll Passanten, die durch die Probe angelockt worden waren, mit Applaus belohnt.

Jung und Sing“ ist einer der drei Chöre des Chorwerks Hülzweiler. Derzeit singen zwischen 25 und 30 Sängerinnen und Sänger mit, und die kommen aus dem ganzen Saarland. Die Sänger stammen aus allen Altersgruppen, von 16 bis über 60 Jahren. Geprobt wird immer mittwochs um 18 Uhr, bei schönem Wetter am Lochbach. Kontakt: koordination@jungsing.de.

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