„Bälle kann man nicht nur treten“

„Bälle kann man nicht nur treten“

Die TV Saarlouis Royals haben ein Schulprojekt aufgelegt. Die Profis gestalten dabei mehrere Sportstunden mit Schülern. Der Startschuss dafür ist in der Schwalbacher Jahnsporthalle gefallen.

50 Kinder laufen durcheinander. Einige tragen einen Basketball , manche stehen und halten einen Ball. Wieder andere krabbeln denen zwischen den Beinen durch. Mittendrin im scheinbaren Chaos laufen und spielen vier Mädels der Royals-Profimannschaft. Alle haben Spaß. Was aussieht wie ein heilloses Durcheinander ist das Spiel zum Aufwärmen. Fast 50 Kinder in einer Sporthalle sind für jeden Trainer eine Herausforderung. Dieser haben sich am Donnerstag vier Profi-Spielerinnen der Saarlouis Royals mit ihrem Coach Hermann Paar in der Schwalbacher Jahnsporthalle gestellt. Sie haben die Schüler von zwei fünften und sechsten Klassen der Johannes-Gutenberg-Schule in Schwalbach eingeladen, mit den Basketballprofis zu trainieren - dreimal pro Klassenstufe. Ein Modell, dass im wahrsten Wortsinn Schule machen soll. "Wir wollen nach und nach an alle Schulen gehen", erklärt Paar, der das Geschehen auf dem Feld vom Rand aus verfolgt. "Kinder und Bälle, das geht immer", lacht er. Mit dem Schulprogramm "Basketball " will der Verein Kindern den Spaß am Sport vermitteln - besonders natürlich am Basketball . "Was wir hier machen, ist prinzipiell auf Breite angelegt", erklärt Paar. Natürlich habe man aber auch Interesse an Nachwuchs. Die Jugendarbeit solle auf eine breitere Basis gestellt werden, deshalb suche man jetzt auch den Kontakt zu Schulen. Diese, betont Paar, seien da sehr offen. Auf dem Spielfeld tut sich derweil was. Monique Smalls, die immer zum Scherzen aufgelegte Kristi Mokube und Sandra Ngoie steigern die Schwierigkeit. Ihre Mannschaftskameradin Magaly Meynadier kommt aus Luxemburg. Weil sie die Einzige ist, die deutsch spricht, macht sie die Ansagen. Die Kinder treten in einen spielerischen Wettbewerb. Welches Zweierteam am schnellsten zehn Pässe wirft, gewinnt - alle anderen machen Liegestütze. Keiner klagt, keiner mault. Richtig anspruchsvoll wird es, als mehrere Teams gegeneinander antreten und mit dem Ball laufen sollen. Als Königsdisziplin muss der Ball während des Laufens zwischen den eigenen Beinen hindurchgegeben werden. Die Kinder haben sichtlich Spaß - das Trainerteam auch.

Konrektor Jürgen Wäsch ist begeistert: "Was besseres gibt es nicht." Er sei "unendlich froh", dass Profis mit seinen Schülern ein paar Sportstunden gestalten. Für die Kinder sei das eine tolle Erfahrung. "Natürlich wird da auch recherchiert, wer da zu Besuch ist", erzählt Wäsch. Das ein oder andere Selfie mit einer der Profi-Spielerinnen sei da schon an der Tagesordnung - und die machen bereitwillig mit. Wichtig sei es vor allem, die Kinder "von der Playstation" wegzuholen, erklärt der Pädagoge. Dass bei dem ein oder anderen dann auch noch ein schlummerndes Talent entdeckt werde, sei umso schöner.

Als die Trainingseinheit vorüber ist, werden die Profis belagert - fast so, als wollten die Schüler sie gar nicht gehen lassen. Das Team muss zum Training. Autogramme und Selfies, versprechen die Lehrer, können bei einem der nächsten beiden Termine ergattert werden. Zum Angebot der Royals gehört außerdem, dass sie nach jeder Trainingsrunde an einer Schule, Eltern und Kinder zu einem der Heimspiele einladen. Die Kinder der Johannes-Gutenberg-Schule dürften sich den 6. November, einen Sonntag, schon gemerkt haben. Dann nämlich tritt "ihr" Team um 15 Uhr zu Hause in der Saarlouiser Stadtgartenhalle gegen den TSV 1880 Wasserburg an.

Obwohl ein Wiedersehen mit den charmanten Trainerinnen garantiert ist, haben es doch einige Schüler geschafft. Schon ganz in der Nähe des Ausgangs steht Kristi Mokube von Schülern umringt und gibt Autogramme. Das einstündige Training mit fast 50 Kindern hat die teils in der Jugendarbeit erfahrenen Damen durchaus gefordert. Dass es ihnen trotzdem eine Freude war, steht außer Frage. Mokube lacht - und schreibt weiter.

Schulen, die am Programm "Basketball " der Saarlouis Royals teilnehmen wollen, können sich beim Verein melden.

Meinung:

Projekt mit Modell-Charakter

Von SZ-Redakteur Oliver Spettel

Nachwuchsarbeit ist für jeden Verein wichtig. Dass die Profi-Damen der Royals es auf sich nehmen, vor zwei täglichen Trainingseinheiten, den Kreis zu bereisen und Kindern Spaß am Spiel zu vermitteln, ist trotzdem alles andere als selbstverständlich. Wer sieht, welchen Spaß die Profisportlerinnen und Kinder zusammen haben, kann das Projekt nur gutheißen. Die Kinder werden die Trainingseinheiten wohl kaum vergessen. Ihre "Stars zum Anfassen" bei einem Heimspiel dann auch noch in Aktion sehen zu dürfen, ist ein echtes Sahnehäubchen. Alle Achtung, Royals!

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