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Seniorenpolitik
„Wir werden weniger und wir werden bunter“

Seit 25 Jahren Seniorenpolitik im Schwalbacher Rathaus: die Beauftragte für Generationen und Integration, Anja Wrona (frühere Seniorenmoderatorin) und der Vorsitzende des Seniorenrates, Friedbert Andre
Seit 25 Jahren Seniorenpolitik im Schwalbacher Rathaus: die Beauftragte für Generationen und Integration, Anja Wrona (frühere Seniorenmoderatorin) und der Vorsitzende des Seniorenrates, Friedbert Andre FOTO: Axel Künkeler
SCHWALBACH. Anja Wrona verantwortet seit 25 Jahren die Seniorenpolitik in der Gemeinde Schwalbach – Gute Zusammenarbeit mit dem Seniorenrat. Von Axel Künkeler

Bereits seit einem Vierteljahrhundert gibt es in der Gemeinde Schwalbach eine umfassende Seniorenpolitik. Mit der Einstellung einer Seniorenmoderatorin und der Bildung eines Seniorenrates fing es im Jahr 1993 an.


Anfang Januar 1993 trat Anja Wrona ihren Dienst in der Gemeindeverwaltung an. Die Position einer Seniorenmoderatorin war nicht unumstritten, viele Schwalbacher waren skeptisch. „Warum brauchen wir so etwas“, fragte etwa Josef Schommer, der damals als Pionier in der Schwalbacher Altenarbeit galt. Der Entschluss des Schwalbacher Gemeinderates sowie des damaligen Bürgermeisters Eberhard Blaß, damit den von Landrat Peter Winter (beide SPD) initiierten Altenplan des Landkreises umzusetzen, stand jedoch gegen alle Widerstände.

„Das kam damals aus der sozialdemokratischen Ecke“, erzählt der heutige CDU-Bürgermeister Hans-Joachim Neumeyer. Im Nachhinein sei jedoch „alles richtig“ gewesen, räumt er ein. Die Altenarbeit sei heute selbstverständlicher Teil der Sozialpolitik. Die Gemeinde Schwalbach sei dabei „professionell aufgestellt“, verfüge als eine von wenigen Kommunen im Kreis über eine hauptamtliche Mitarbeiterin für diese Tätigkeit. Dabei sei der Seniorenrat ein ganz wichtiger Ansprechpartner für die Belange der älteren Mitbürger.



Seit neun Jahren arbeitet der 76-jährige Friedbert Andre im 21-köpfigen Seniorenrat mit, ist seit 2014 dessen Vorsitzender. „Innerhalb des Rates haben wir eine sehr gute Gemeinschaft“, auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung funktioniere bestens, betont Andre. Aktuelles Thema zwischen dem Seniorenrat und der Gemeinde sei die Schaffung von bezahlbaren und Senioren-gerechten Wohnungen. Mit der Verwaltung und den Fraktionen sei man bereits in guten Gesprächen zur Umsetzung eines konkreten Projektes in Hülzweiler. Doch nicht nur die über 65-Jährigen hat Anja Wrona im Fokus ihrer Arbeit. In der gesamten Gesellschaft will sie das Bewusstsein schaffen, „dass das Alter nicht unverhofft kommt“. Die demografische Entwicklung mit einer steigenden Lebenserwartung und einer Zunahme des Anteils älterer Menschen stelle eine Herausforderung für jeden Einzelnen dar. In den ersten zehn Jahren ihrer Tätigkeit stand noch die „Gemeinwesen-orientierte Altenarbeit“ im Fokus. Dafür stehen beispielhaft die Gründung des Seniorenrats (1993) und der Arbeitsgemeinschaft Altenarbeit (1994) sowie der Hospiz-Gruppe Schwalbach (1998). Dazu kam ein Wegweiser für Senioren sowie Informationsveranstaltungen zur Stärkung der Selbsthilfe-Potenziale.

Ab dem Jahr 2003 lautete das Motto „Wir werden weniger und älter“. Der demografische Wandel bestimmte jetzt die Schwerpunkte der Arbeit. Die Stärkung der Medienkompetenz für die 50Plus-Generation (2003), die Bildung einer Gruppe von Lese-Patinnen (2005) sowie die Durchführung von Aktionstagen rückten in den Vordergrund der Arbeit von Anja Wrona. Seit 2005 hat sie acht Aktionstage zu unterschiedlichen Themen organisiert, zuletzt im Oktober zum „Leben mit Demenz“.

Durch die zunehmende Differenzierung der Gesellschaft wurde das Motto der Altenarbeit ab 2010 erweitert: „Wir werden weniger und älter und bunter.“ Über die klassische Altenarbeit hinaus werden seither Generationen-übergreifend Themen und Zielgruppen erreicht. Dafür stehen etwa die Projekte Sprachpatenschaften (2012), Interkulturelle Öffnung der Verwaltung (2014) und Virtuelles Mehrgenerationenhaus (2017) sowie die Gründung der Projektgruppe Migration (2012) und des Netzwerkes Flüchtlingshilfe Schwalbach (2015).

In all den Jahren sind Anja Wrona besonders ans Herz gewachsen der Seniorenrat, die Hospiz-Gruppe und die Lese-Patinnen und bei den Projekten sind ihr die Aktionstage und die Gruppe Migration besonders wichtig. In den 25 Jahren haben sich die Aufgaben und Schwerpunkte verändert. Aus der damals 28-jährigen Seniorenmoderatorin ist längst die erfahrene, ständig neue Herausforderungen aufspürende Verantwortliche für „Generationen und Integration“ geworden.

Die Zahl der über 60-Jährigen in der Gemeinde Schwalbach ist in den 25 Jahren von 4309 (1993) auf 5707 (2018) gestiegen, obwohl die Gesamtzahl der Bevölkerung von zirka 19 500 auf etwa 17 800 zurückging. Der Anteil der älteren Menschen in Schwalbach ist damit von einem knappen Viertel auf fast ein Drittel gestiegen.