Theater : 140 Jahre im Zeichen des Theaters

Theater : 140 Jahre im Zeichen des Theaters

Die Volksbühne Hülzweiler feiert in diesem Jahr ihren 140. Geburtstag. Im Sommer spielt sie Pippi Langstrumpf.

„Auch nach 140 Jahren haben wir die Lust am Theaterspielen nicht verloren. Sich in andere Welten, fremde Personen und Zeiten hineinzuversetzen, dazu in ausgefallenen Kostümen vor großer Kulisse für ein Publikum zu spielen, das ist die Faszination, der wir uns nicht entziehen können“, schwärmt Hans Georg Bock, Vorsitzender der Volksbühne Hülzweiler. Viele Jahre als Schauspieler, seit 2013 zudem als Vorsitzender, setzt sich Bock dafür ein, dass die Erfolgsgeschichte des Vereins, der seinen Ursprung im Jahr 1879 hat, fortgeschrieben wird. Natürlich, erklärt er, ist bei einem Jubiläum der Blick in die Vergangenheit wichtig. „Aber mir ist auch der Blick in die Zukunft von großer Bedeutung. Und da bin ich sehr optimistisch. Wir haben es geschafft, Nachwuchs zu sichern“, sagt er.

Ein Teil des Nachwuchses, die Jugendgruppe wird am Festkommers am Sonntag einen kleinen Einblick in ihre Schauspielkunst gewähren. Organisiert wird die Veranstaltung vom Festausschuss, der sich gleich nach der Spielzeit auf der Freilichtbühne gegründet hat. Stefan Wilhelm, Hannelore Diedrich, Dorothea Roik und Hubert Haupts haben in vielen Stunden eine Festschrift und ein Programm zum Festkommers zusammengetragen, das sich sehen lassen kann. Hubert Haupts, aktuell Vorsitzender des Verbands Saarländischer Amateurtheater, war selbst viele Jahre Vorsitzender des Vereins und hat die Volksbühne nach über 30 Jahren in die Hände seines Nachfolgers gelegt. Insgesamt blickt der Verein seit 1954 auf sechs Vorsitzende zurück. Das zeigt die Kontinuität der Vereinsarbeit. Aber auch bei den Spielleitern gab es seit 1927 lediglich vier Vorgänger vor den aktuellen Regisseuren Gisela Haupts und Michael Schwed. Beide sind seit 1998 mit der Leitung betraut - Gisela Haupts sorgt im Saal für viele humorvolle Momente, Schwed schafft mit dem Ensemble auf der Freilichtbühne unvergessliche Theaterstunden.

Schriftlich belegt, erzählt die Chronik, ist, dass im Jahr 1879 der Theaterverein „Thalia“ von einem wandernden Komödianten namens Dollwet“ ins Leben gerufen wurde. „Somit ist der Verein, der von da an bis ins Jahr 1935 aktiv war, der älteste saarländische Theaterverein“, erklärt Bock. Nach dem Krieg nahm der Verein seine Spieltätigkeit wieder auf, feierte unter den Vorsitz von Franz Knauber im Mai 1949 seinen 70. Geburtstag.

Aber nicht nur der Theaterverein „Thalia“ feierte in Hülzweiler Erfolge, auch der zweite Theaterverein, im Jahr 1919 unter dem Namen „Veritas“ gegründet, hatte regen Zuspruch. In diesem Verein wurden unter anderem Operetten und große Volksstücke aufgeführt, später kamen Klassiker hinzu. Um diese noch wirkungsvoller aufführen zu können, haben Männer und Frauen von „Veritas“ die Freilichtbühne im Hülzweiler Wald geschaffen. Im Jahr 1928 gab es drei Aufführungen.

Die Freilichtbühne feierte im vergangenen Jahr ihren 90. Geburtstag. Mühsam war der Wiederaufbau der Bühnenanlage nach dem Krieg. Es wurde eine „Arbeitsgemeinschaft Freilichtbühne“ geschaffen, beide Vereine zogen an einem Strang, 1950 feierte man mit „Die Jungfrau von Orleans“ Wiedereröffnung. Zu den beiden Vereinen gesellte sich schließlich noch die „Spielschar der katholischen Jugend“. Im Jahr 1954 schlossen sich alle drei unter dem Vereinsnahmen „Volksbühne Hülzweiler“ zusammen. Aber auch die Volksbühne blieb nicht von Höhen und Tiefen verschont. In den 1960er Jahren brachen die Besucherzahlen ein, es wurde nur noch sporadisch Theater gespielt. Ende der 1970er Jahre übernahm Hubert Haupts den Vorsitz, eine kleine Gruppe Jugendlicher schaffte es, das Theaterspiel in Hülzweiler neu zu beleben.

In den vergangenen Jahren erfreut sich die Freilichtbühne großer Beliebtheit, Stücke wie „Ein Sommernachtstraum, „Im weißen Rössl“ oder „Der gestiefelte Kater“ haben an zahlreichen Nachmittagen und Abenden das Publikum verzaubert. Auch das Stück für die kommende Spielzeit steht bereits, die Probenarbeit ist angelaufen. Für die Akteure auf und hinter der Bühne wartet in den kommenden Wochen wieder viel Arbeit. Doch, das betont Bock: „Wir machen das sehr gerne, denn wir alle sind von der Faszination Theater gepackt – so wie die Gründungsväter vor 140 Jahren“, sagt er abschließend.

Die Jungfrau von Orleans. Foto: Uli Linn
Im vorigen Jahr führte das Ensemble Robin Hood auf der Freilichtbühne auf. Foto: Carolin Merkel

www.volksbuehne-huelzweiler.de

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