Wenn der Schrottplatz für den Fotografen zur Schatzkammer wird

Wenn der Schrottplatz für den Fotografen zur Schatzkammer wird

Die Werkstattschau in Michelbach zeigt neben neuen Exponaten von Josef „Sepp“ Petry die Arbeiten des bundesweit bekannten Fotografen Mathias Krych. Erstmals stellt dieser seine „Schrottfotos“ aus: Mit Leidenschaft hält er Weggeworfenes fest.

Die Ausstellung in Michelbach will die Wegwerfgesellschaft aufrütteln und stellt die Frage: Was ist Schrott? Ist dies nur Abfall, Müll oder bestenfalls Recyclingmaterial zur Wiederverwendung? Die ausgestellten Arbeiten wollen bewusst machen, dass Schrott durchaus eine eigene Ästhetik und vielleicht auch eine eigene Seele hat. Und hier setzt der Künstler mit seiner ihm eigenen Betrachtungsweise an.

Für ihn ist ein Schrottplatz eine wahre Schatzkammer. Voll mit Materialien und Gegenständen, die eine eigene Geschichte haben und diese erzählen wollen. Um diese verborgenen Schätze zu erkennen, muss man über ein geschultes Auge verfügen.

Als Fotograf richtet Krych seinen Fokus auf die ästhetischen Anhäufungen und Reihungen der vielen Schrottteile, die sich häufig zu großen Hügeln auf derartigen Fundorten auftürmen. Er erkennt in dem gebogenen Rohr die Schlange, in dem Auspuff ein Körperteil, in dem gerollten Bandstahl die Schnecke. Seit mehr als 40 Jahren fotografiert Mathias Krych mit großer Leidenschaft und bereits als Kind hat er mit der Kamera in der Hand seine Umwelt bildnerisch erfasst.

Josef "Sepp" Petry zeigt in diesem Jahr neben einigen schon bekannten Objekten Werke aus einer neuen Serie "Schlossholz". Hierbei handelt es sich um mehr als 300 Jahre alte Mooreichenbohlen und Kiefernpfähle aus den Fundamenten, auf denen seinerzeit das Berliner Stadtschlosses errichtet wurde. Beim Baubeginn des neuen Stadtschlosses wurden diese 2013 geborgen und versteigert. Das sauerstoffarme Wasser, mit dem diese Hölzer bedeckt waren, verhinderte den Vermoderungsprozess und bewirkte so den Erhalt der Pfähle und Bohlen.

Die ausgestellten Arbeiten von Petry zeigen in Scheiben zersägte Mooreichen, die sich in verschiedene Metalle gerahmt darstellen. Er hat Objekte in "Domgold" gefasst und damit Teile des früheren Stadtschlosses mit Edelmetallen des benachbarten Deutschen Domes "wiedervereint". Beide Bauwerke standen sich bekanntlich über Jahrzehnte gegenüber.

Zur Ausstellung, die im alten Bauernhaus in Michelbach gezeigt wird, sind am morgigen Freitag, 14. August, ab 18 Uhr, alle Interessierten eingeladen. Am Samstag, 15., und am Sonntag, 16. August, ist die Ausstellung jeweils von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Beide Künstler sind dann anwesend.

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