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Primsweilerstraße
„Unser Haus wackelt über 200 Mal am Tag“

Bewohner der Primsweilerstraße machen auf die für sie unzumutbare Verkehrssituation vor ihren Häusern aufmerksam.
Bewohner der Primsweilerstraße machen auf die für sie unzumutbare Verkehrssituation vor ihren Häusern aufmerksam. FOTO: Dieter Lorig
Hüttersdorf. Hüttersdorfer Anwohner haben Raserei satt. Petition fordert von der Gemeinde Schmelz, die Verkehrssituation zu entschärfen. Von Dieter Lorig

Rasende Lkw, zugeparkte Rad- und Gehwege, ständiger Verkehrslärm und permanentes Häuserwackeln: Den Bewohnern der Primsweilerstraße reicht es. 130 von ihnen haben sich kürzlich mit einer Petition an die Gemeinde Schmelz gewandt und fordern eine Entschärfung der gefährlichen sowie unzumutbaren Verkehrssituation vor ihren Haustüren auf der L 143. „Die Gemeinde muss unverzüglich handeln, da es um eine konkrete Gefahr geht für die öffentliche Sicherheit, verursacht durch überhöhte Geschwindigkeiten von Verkehrsteilnehmern“, heißt es in der Petition. Durch die tägliche Raserei von Auto- und Lkw-Fahrern sei besonders die Sicherheit der Kinder beim Überqueren der Straße selbst auf dem Zebrastreifen massiv gefährdet. Ständig behindert werden die Bewohner der Primsweilerstraße aber auch durch Autos, die trotz Parkverbots immer wieder vorschriftswidrig auf dem Geh- und Radweg in unmittelbarer Nähe ihrer Grundstücksausfahrten abgestellt werden. „Das Rausfahren von unseren Grundstücken auf die Straße ist lebensgefährlich“, erzählen Ulrich Müller, Felizitas Jungmann und Heiderose Schmidt übereinstimmend. „Die Probleme sind seit Jahren bekannt, und obwohl wir die zuständigen Behörden regelmäßig darauf hingewiesen haben, ist bis heute keine nachhaltige Besserung eingetreten“, klagt Franz-Josef Steimer. Er hat vor Kurzem die SZ auf die unzumutbare Verkehrssituation hingewiesen und erhofft sich durch eine Veröffentlichung in der Zeitung, dass endlich für Abhilfe gesorgt wird.


Zuletzt versuchten die Anwohner mit spontanen Protestaktionen am Straßenrand unter Nutzung von Transparenten und Schildern auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Wir fordern regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen oder noch besser die dauerhafte Installierung eines Radarblitzgerätes“, sagt Steimer. Zudem müsse die Gemeinde endlich den ruhenden Verkehr kontrollieren und vorschriftswidrig parkende Autofahrer sanktionieren. „Unsere Lebensqualität ist durch den starken Verkehr vor allem aber durch rasende Lkw sehr beeinträchtigt“, klagt Ulrike Steimer. Das 1936 erbaute Haus ihrer Familie steht weniger als zehn Meter von der Straße entfernt, auf der am Tag schon mal über 12 000 Fahrzeuge unterwegs sind, bestätigt die Gemeindeverwaltung. „Immer wenn ein Lkw vorbeifährt, wackelt unser Wohnzimmer“, bestätigt Franz-Josef Steimer.

Ähnlich ergeht es dessen Nachbar Martin Valentin, der auf der anderen Straßenseite wohnt: „Unser Haus wackelt über 200 Mal am Tag, dabei verrutschen Dachziegeln und es entstehen immer mehr Risse am Gebäude“. An Weihnachten seien durch die Erschütterungen sogar schon Kugeln vom Christbaum gefallen. Der pensionierte Bergmann hat Angst um sein Haus. „Es geht um unsere Existenz“, klagt Valentin. Er fühle sich an die Zeit der vielen bergbaubedingten Beben vor über zehn Jahren erinnert. „Die damals durch den Bergbau verursachten Risse an meiner Hausfront werden nun immer größer“, sagt Ernst-Josef Feld. „Durchfahrende Lkw bringen bei uns die Fensterscheiben immer wieder zum Wackeln“, erzählt Madlin Wilhelm und bei Diane Kricheldorf wackelt ständig der Fußboden.



Volles Verständnis hat Ortsvorsteher Bernd Valentin für die missliche Situation der Bewohner in der Primsweilerstraße. „Ich unterstütze die berechtigte Petition dieser Bürger in vollem Umfang“, sagt Valentin und appelliert an die zuständigen Behörden, für Abhilfe zu sorgen. „Die von den Anliegern vertretende Position ist mehr als verständlich“, teilt Bürgermeister Armin Emanuel auf Nachfrage mit. Die Gemeinde Schmelz strebe an, den ruhenden und fließenden Verkehr zukünftig interkommunal durch die Stadt Lebach kontrollieren zu lassen. Sollte dieses Projekt nicht zustande kommen, müsse Schmelz neues Personal zur Überwachung des ruhenden Verkehrs einstellen. „Nur durch das Verhängen von Bußgeldern ist eine Verhaltensänderung bei den Verkehrsteilnehmern zu erreichen“, sagt Emanuel. Zudem werde er die Gewerbetreibenden in der Primsweilerstraße nochmals darauf hinweisen, für genügend Parkplätze zu sorgen und im amtlichen Nachrichtenblatt erneut dazu aufrufen, nicht auf Rad- und Gehwegen zu parken.