Stolpersteine sollen "Menschen ein Gesicht geben"

Stolpersteine sollen "Menschen ein Gesicht geben"

Schmelz. 3200 Stolpersteine hat Gunter Demnig an 700 Orten in ganz Europa schon verlegt. Zehn weitere kommen nun hinzu. In Bettingen und Hüttersdorf werden die ersten am Samstag, 25. Februar, ab neun Uhr in der Lindenstraße verlegt. Damit soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden

Schmelz. 3200 Stolpersteine hat Gunter Demnig an 700 Orten in ganz Europa schon verlegt. Zehn weitere kommen nun hinzu. In Bettingen und Hüttersdorf werden die ersten am Samstag, 25. Februar, ab neun Uhr in der Lindenstraße verlegt. Damit soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Unter den Opfern war damals auch Margaretha Weber, der nach einem Unfall Bein und Brust amputiert wurde. Sie kam im Rahmen der Euthanasie auf die Liste der Nationalsozialisten. Durch ihr Handicap, so hieß es bei der Vorstellung, konnte sie keinen Schutzbunker bei Alarm aufsuchen. Sie wurde 1944 im Alter von 62 Jahren zusammen mit anderen Kranken aus den umliegenden Ortschaften in die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster "verlegt". Dort starb sie nach wenigen Wochen. Was geschah, ist bis heute nicht bekannt.Zwei weitere Steine sollen an Julius Georg Marx und seine Frau Paula erinnern. Sie betrieben ein Konfektionsgeschäft in der Lindenstraße. 1942 wurden sie in ein KZ deportiert. Was aus ihnen geworden ist, ist bis heute unbekannt. Der Familie Hanau, Bielenberg 2, sind vier Steine gewidmet. Bertha und Bernhard Hanau hatten vier Kinder. Frieda und Sibilla wurden beide nach Auschwitz deportiert und 1944 ermordet. Ihre Eltern wurden ebenfalls deportiert, ihr Schicksal ist aber unbekannt. In der Lindenstraße 4 wird der Familie Herz gedacht. Edmund Herz war ein begeisterter Feuerwehrmann. Er und seine beiden Söhne Walter und Otto Moritz wurden im Konzentrationslager umgebracht, seine Frau Juliane und Tochter Thea überlebten, weil sie sich in Luxemburg in einem Nonnenkloster verstecken konnten.

Das Projekt Stolpersteine haben Schüler der ERS Schmelz mit der Gemeinde und dem Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel bearbeitet. Schon seit Jahren, sagte Schulleiter Horst Schmitt, beschäftigen sich die Schüler mit Themen wie Gastarbeiter, Zwangsarbeiter oder der Geschichte der Juden in der Gemeinde. Viele Informationen lieferte ihnen der historische Verein, aber auch das Standesamt der Gemeinde half. Zeitzeugen werden in die Schule eingeladen, Gedenkstätten besucht. Die Projekte werden dokumentiert, Filme davon gedreht. Schmitt erklärte weiter, dass diese Projekte in das pädagogische Konzept der Schule mit eingebunden seien. Jugendliche werden durch solche Projekte für aktuelle Themen sensibilisiert, betonte Willi Porz vom St. Wendeler Adolf-Bender-Zentrum. Er stelle immer wieder fest, dass die Jugendlichen ernsthaft und sehr interessiert an diese Themen herangehen.

Jedes Jahr findet eine Gedenkfeier der Schule statt. In diesem Jahr besuchten Schüler die Gedenkstätte im Hüttersdorfer Wald. Foto: Schule.

Bürgermeister Armin Emanuel hob hervor, dass durch solche Projekte "Menschen ein Gesicht" gegeben werde. Das Projekt sei durch diese zehn Stolpersteine nicht abgeschlossen, weitere Fälle seien bekannt. Für die Kosten von 125 Euro pro Stolperstein wurden Paten gewonnen.

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