Kostenpflichtiger Inhalt: Düngen : „Die meisten Böden im Kreis sind überdüngt“

Zum Düngen wurde im Kreis jahrzehntelang Thomasmehl von der Dillinger Hütte gebraucht. Jetzt sind die Böden voller Phosphat.

Die Entwicklung ist bedenklich: Ergebnisse von Bodenproben im Kreis Saarlouis, die in den vergangenen Jahren analysiert wurden, haben gezeigt, dass ein Großteil der Gärten im Saarland infolge zu starker Düngung überversorgt ist. Dies bestätigen sowohl der Vorsitzende des Kreisverbandes des Obst- und Gartenbauvereins Saarlouis, Peter Metzdorf, als auch der Vorsitzende des OGV Hüttersdorf-Primsweiler, Rudi Warken, gegenüber der SZ.

Wichtig ist daher zu wissen, wie der Boden beschaffen ist, um eine gezielte Düngung zu gewährleisten: „Speziell im Raum Schmelz weisen fast alle Bodenproben einen zu hohen Phosphorgehalt auf“, betont Warken. Er vermutet, genau wie Metzdorf, dass dies am sogenannten Thomasmehl von der Dillinger Hütte liegt, das viele Kleingärtner früher als kostengünstigen Dünger benutzten.

Peter Metzdorf Vorsitzender der Obst- und Gartenbauvereine im Kreis Saarlouis Foto: : Thomas Seeber. Foto: GMLR

Thomasmehl ist ein phosphatreiches Düngemittel, das früher häufig als Nebenprodukt der Eisen- und Stahlerzeugung hergestellt wurde: „Phosphor ist ein wichtiges Hauptnährelement für die Pflanzen, wirkt aber nur, wenn der Boden nicht übersäuert ist“, weiß Warken. Die Untersuchungen zeigen aber, dass der Phosphorgehalt im Boden oft um den Faktor zehn zu hoch ist, was bei den Pflanzen die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe blockiert: „Da kann man nur leider nicht viel tun, Phosphor hat eine Abbauzeit von Jahrzehnten, Gegenmaßnahmen gibt es keine.“ Bodenproben, die Warken vor einiger Zeit vom Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten in Speyer untersuchen ließ, zeigten einen Phosphatgehalt von 120 bei einem Normalwert von acht.

Warken rät jedem, nicht einfach zu düngen um des Düngens willen, sondern erst einmal analysieren zu lassen, ob überhaupt gedüngt werden muss. „Es kommt auf den PH-Wert an. Er gibt an, wie sauer oder alkalisch der Boden ist, ein Wert von 6,5 wäre gut.“ Bei einem niedrigeren Wert ist der Boden zu sauer, bei einem höheren ph-Wert ist er zu kalkhaltig. Zwar sind sowohl Kalk, als auch Phosphor wichtig für das Wachstum der Pflanzen und die Beschaffenheit der Böden, wenn ein Wert aber zu hoch ist, wird die Aufnahme von anderen Nährstoffen blockiert: „Deshalb ist eine Bodenanalyse so wichtig, sonst ergibt Düngen keinen Sinn, kann sogar schädlich sein“, bekräftigt Warken.

 Der Kreisvorsitzende Metzdorf rät zudem, lediglich mit einer dünnen Schicht organischem Material wie Kompost zu düngen: „Bio-Dünger ist noch die beste Lösung, da ist alles drin, was die Pflanzen brauchen“, sagt Metzdorf.

Der Landkreis Saarlouis fördert die Bodenanalysen, Partner ist der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine. Alle Gartenbesitzer können noch bis Donnerstag, 3. Oktober, bei dem jeweiligen Ortsvorsitzenden eine Bodenprobe aus ihrem Garten zwecks Untersuchung auf Nährstoffe abgeben. Die erste Probe kostet 15 Euro, weitere jeweils 18 Euro. Der Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten Speyer untersucht dann die Proben auf die einzelnen Nährstoffe. Die Gartenbesitzer erhalten einen Untersuchungsbericht, einen Düngungsvorschlag zur jährlichen mineralischen und organischen Düngung sowie eine Vorlage „Interpretation der Untersuchungsergebnisse“. Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums veranstaltet der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine am Sonntag, 6. Oktober, ab 11 Uhr einen Aktionstag in der Kultur- und Sporthalle Rehlingen. Dort können die Bodenproben ebenfalls eingereicht werden.

Der Garten des Vorsitzenden des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine, Peter Metzdorf: Mangold, Lauch und Erdbeeren gedeihen ebenso gut wie Blattsalat Grünkohl und Sonnenhut. Foto: Peter Metzdorf

So wird es gemacht: Spatentief an verschiedenen Stellen die Erde ausstechen, einen Esslöffel Erde entnehmen, in einen Gefrierbeutel abfüllen und mischen. Die Menge sollte 500 Gramm nicht überschreiten. Den Beutel mit einem Permanentmarkierer mit Daten beschriften: Absender mit Angabe der Nutzfläche (Gemüsegarten, Ziergarten Streuobstwiese, Kräutergarten, Hochbeet). Abgabe beim Vorsitzenden des OGV Hüttersdorf-Primsweiler, Rudi Warken, Am Lewen 8. Bei der Abgabe ist die Analyse auch zu bezahlen. Infos zu den Ortsvereinen unter www.kv-ogv-sls.de/vereine.html

Mehr von Saarbrücker Zeitung