Patrik Lauer ist neuer Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Saarlouis

SPD-Kreisverband : Lauer führt nun den Kreisverband der SPD

Nach zehn Jahren an der Spitze der SPD im Kreis übergibt Reinhold Jost das Amt an Patrik Lauer – Gegenkandidaten gab es nicht.

„Das ist heute kein Abschied, das ist ein Wechsel“, sagte am Freitagabend in Hüttersdorf Jürgen Barke, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender. Denn zehn Jahre lang war Reinhold Jost an der Spitze des SPD-Kreisverbandes Saarlouis gewesen. Im Kulturhaus wählten die Delegierten nun Landrat Patrik Lauer zum Nachfolger.

Die Bedingungen für seine Amtszeit sind anspruchsvoll. Das machten die Betriebsratsvorsitzenden Markus Thal (Ford-Saarlouis) und Michael Fischer (Dillinger Hütte) auf dem ordentlichen Parteitag deutlich. Alleine bei Ford Saarlouis sind 1600 Arbeitsplätze weg. Jetzt gilt es, den Standort über 2024 hinaus zu sichern. Bei Saarstahl entfallen wohl bis Ende des Jahres rund 490 befristete Arbeitsplätze. Andere sollen gestrichen oder ausgelagert werden.

„Tobias Hans ist ein schwacher Ministerpräsident“, schwenkte der Generalsekretär der SPD Saar, Christian Petry, auf die Parteipolitik. Das habe die Umbildung des Kabinetts gezeigt. Dagegen mache die SPD einen guten Job und sei in Saarlouis „gut aufgestellt“. Der „beste Generalsekretär, den die SPD Saar bis dato hatte“, sagte Petry über Reinhold Jost. Und Patrik Lauer zeige, „dass er die Menschen erreicht und das in Wahlergebnisse ummünzen kann, mit einem guten Team“.

Den industriellen Kern des Saarlandes zu erhalten war einer der Kernpunkte beim Parteitag. Auch deshalb, betonte Jost im Rechenschaftsbericht, weil Unternehmen wie die Dillinger Hütte „eine der letzten Bastionen einer starken Mitbestimmung“ seien. Es gehe nicht nur um Kostenstellen, „es geht um Menschen“. Für die SPD forderte Jost endlich wieder mehr Selbstbewusstsein. Andere würden mit den Erfolgen der Partei hausieren gehen, wie bei Mindestlohn und Gute-Kita-Gesetz. Er schlug Patrik Lauer als neuen Vorsitzender des Kreisverbandes Saarlouis vor. Der trat ohne Gegenkandidat an.

„Dieser Parteitag bedeutet eine Zäsur“, sagte Lauer. Es gehe um neue Strukturen in der Parteiarbeit. Der Kreisverband müsse hin zu einem „aktiv operierenden Kreisverband“, als Dienstleister der Stadt- und Gemeindeverbände. Dazu gehöre eine bessere Vernetzung auf unterschiedlichen Ebenen. Außerdem müsse die Beteiligung der Basis stärker in den Vordergrund gerückt werden. Das politische Ehrenamt wolle er durch neue Strukturen im Kreisverband entlasten. Von einer „Service-Stelle Ortsverein“ sprach er und von spannender Debattenkultur. „Ich will, dass unsere Partei wieder Politik von unten nach oben macht.“ Sie solle wieder zu einer „stolzen und selbstbewussten Organisation werden. Mit mehr Bodenständigkeit und einem Stück Stallgeruch“.

Im neuen Vorstand werden zwölf von 13 Kommunen des Landkreises vertreten sein, kündigte Lauer an. 40 Prozent der Vorstandsmitglieder sind unter 40 Jahre alt und 40 Prozent weiblich. Die Kreis-SPD werde wieder „mutig Themen besetzen“, versprach er. Als „Taktgeber für große politische und gesellschaftliche Entwicklungen“ bis hinauf zur Bundesebene. Der industrielle Kern im Kreis Saarlouis sei „im Schulterschluss mit den Gewerkschaften“ zu erhalten. Unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte. Die SPD müsse hier ein „klares Signal für Innovation und Investition“ aussenden und wieder zur Fortschrittspartei werden. Den Vorsitz übernehme er nicht aus Karrieregründen, versicherte Lauer. Viel mehr wolle er sich nicht „mit dem schleichenden Niedergang dieser Partei abfinden“. „Ich will“, sagte Lauer, „dass wir ganz konkret diese Partei reformieren.“

Den alten Vorstand entlastete der Parteitag einstimmig. Als Stellvertreter wiedergewählt sind Petra Berg (Dillingen), Hakan Gündüz (Saarlouis) und Anne Yliniva-Hoffmann (Überherrn). Die Neuen unter ihnen sind Timo Ahr (Wadgassen) und Sandra Quinten (Schmelz). Zur Wahl von Lauer gaben alle 125 anwesenden Delegierten ihre Stimmen ab. Bei drei Enthaltungen und neun Nein wurde Lauer mit 113 Ja-Stimmen (90,4 Prozent) zum neuen Kreis-Chef gewählt.

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