1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Schmelz

Offenes Ohr für Windkraft-Kritiker

Offenes Ohr für Windkraft-Kritiker

Lärm, Brandschutz und Naherholung – all dies sind Aspekte, die die „Interessengemeinschaft für vernünftige Windenergie“ (IG) kritisch sieht. Über 200 Bürger in Schmelz hörten Sprechern der IG am Mittwochabend zu.

Vermisst bei der Veranstaltung "Windenergie in Schmelz" wurde Bürgermeister Armin Emanuel. Er war von der "Interessengemeinschaft für vernünftige Windenergie der Gemeinden Beckingen, Nalbach und Schmelz" (IG) eingeladen, ließ sich aber entschuldigen. Werner Kockler, der durch den Abend führte, hätte ihn sich an seiner Seite gewünscht, denn das Thema sollte von allen Seiten beleuchtet werden. In dieser Besetzung war die Fraktion der Befürworter des Windparks Primsbogen nicht vertreten.

Kockler gab zu Beginn einen kurzen Überblick über den Windpark Primsbogen. Von den geplanten Anlagen sollen nur noch die beiden im Hüttersdorfer Wald gebaut werden. Beckingen will in Bezug auf die Höhe der Windräder, die bei Düppenweiler gebaut werden sollten, neu beraten. Nalbach hat vorläufig den Bau bei Piesbach auf Eis gelegt. Im Hüttersdorfer Wald sind zwei Windkraftanlagen im Genehmigungsverfahren. Eine im Bereich der Sodixhütte, eine östlich der Höfe mit einer Höhe von jeweils 230 Metern.

Martin Verlage von der Bundesinitiative "Vernunftkraft" zeigte in einer Fotomontage die Größenverhältnisse auf: 230 Meter in Relation zum Kölner Dom mit 157 Metern Höhe. Für den Bau eines Windrades müsse die Fläche von 1,5 Fußballfeldern gerodet werden, sagte Verlage, aus seiner Sicht zu viel. Und er kritisierte den Lärm der notwendigen Lkw-Transporte.

Kockler kritisierte die "Geheimhaltungspflicht". "Warum soll der Bürger nicht wissen, was in den Verträgen steht?", fragte er. Fehlende Speicherkapazität und Stromexporte ins Ausland bei Überproduktion sind für ihn ebenfalls Argumente gegen die geplanten Anlagen.

Gesundheitliche Auswirkungen besprach die Ärztin Dr. Ramona Kiefer. Schattenwurf und Blinklichter seien optische Beeinträchtigungen. Problematisch sah sie die Schallwellen. Beim Infraschall gebe es kein körpereigenes Warnsystem. Der Mensch merke die Schwingungen nicht. Aber "Schwindel durch Infraschall" sei bei den Krankenkassen bereits Thema.

Mehrere Redner beklagten zu geringe Abstände zu den Wohngebieten. Die "10H-Regelung" - der Abstand zu Häusern muss zehnmal größer sein als die Höhe des Windrades - gelte in Bayern. Warum nicht auch im Saarland? Sind die Menschen hier unempfindlicher?, fragte einer.

Armin Lauer sagte, wenn Anlagen höher würden, nähme auch der Lärm zu. Dies sei besonders für Wohngebiete wichtig. Er riet er betroffenen Bürgern, schriftlich beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz Einspruch zu erheben. Weitere Probleme sehen Sprecher der IG bei Bränden und nötigen Sicherheitsabständen, Beeinträchtigung der Naherholung oder auch drohender Wertminderung von Grundstücken und Häusern in der Nähe der Anlagen.