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Neunjährige schenkt Haare

Alexandra Clemens hat die Aktion Haarespenden mithilfe der Fotos dokumentiert. Sie zeigen Charlotte mit ihrer vollen Haarpracht, wie die Haare zum Zopf geflochten werden, wie Friseurin Melanie Junker die Schere ansetzt und den Zopf abschneidet.
Alexandra Clemens hat die Aktion Haarespenden mithilfe der Fotos dokumentiert. Sie zeigen Charlotte mit ihrer vollen Haarpracht, wie die Haare zum Zopf geflochten werden, wie Friseurin Melanie Junker die Schere ansetzt und den Zopf abschneidet. FOTO: Clemens
Primsweiler. 45 Zentimeter lang, 145 Gramm schwer und etwa 130 Euro wert – Charlotte spendete ihre Haare, damit Krebskranke sich eine Echthaarperücke leisten können. Auf diese Idee kamen die Neunjährige und ihrer Mutter durch einen Fernsehbericht. Monika Kühn

Charlotte hatte langes, dunkles und dichtes Haar. Bis über den Popo fielen sie ihr. Die Neunjährige ist dieses Jahr zur Kommunion gegangen, da machten sich die langen Haare zum langen Kleid sehr gut, merkt Mutter Alexandra an. Doch jetzt sei es an der Zeit gewesen, die Haare etwas zu kürzen. Da sah Familie Clemens aus Primsweiler einen Bericht im Fernsehen. Darin hieß es, dass eine Frau ihrer Freundin ihre Haare gespendet hat. In Amerika verkaufen oft Menschen ihre Haare, aus denen Echthaarperücken für Krebskranke gemacht werden. "So was könnte ich auch machen", überlegte sich Charlotte. Ihre Mutter informierte sich, unter anderem auch bei der Stefan-Morsch-Stiftung. Im Internet fand sie unter haare-spenden.de eine Firma, die Haare ankauft, sie zu Echthaarperücken verarbeitet und diese dann zum "Kassentarif" an Krebskranke, auch an Kinder, verkauft. Charlotte bekommt kein Geld. Die Firma spendet den Wert ihrer Haare an Organisationen, die sich um Krebskranke kümmern. Sie bekommt nur einen Beleg.



Der Gang zum Friseur sei ihr nicht schwer gefallen, doch als sie nach dem Schnitt ihre Haare als Zopf in den Händen hielt, musste sie ein bisschen weinen. "Aber nur ein bisschen." "Ich bin stolz auf meine Schwester, dass sie so was gemacht hat." Bruder Jonas (14) freut sich mit Charlotte. Da der Haarschnitt in den Ferien war, wissen viele Mitschüler noch nichts von der Aktion. Die Neunjährige besucht die Johannes-Grundschule in Hüttersdorf und geht jetzt in die vierte Klasse. Ihre Freundin findet sogar, dass sie mit dem Bob noch besser aussehe. Das Geld für den Haarschnitt hat Friseurin Melanie Junker an die Stefan-Morsch-Stiftung gespendet.

In ihrer Freizeit spielt die Neunjährige gerne Fußball. Sie und ihr Bruder sind begeisterte Fans der Sportfreunde Hüttersdorf. Dort tritt sie jetzt auch der Leichtathletik-Abteilung bei.

Alexandra Clemens hat sich im Vorfeld im Internet über die Firmen, die so was anbieten, gelesen. "Man muss denen vertrauen, kontrollieren kann ich nicht, ob sie die Perücken auch günstiger verkaufen." Gespendete Haare müssen mindestens 25 Zentimeter lang sein, und nicht Dauerwellen-behandelt. Gefärbte Haare seien weniger wert. Das alles traf aber nicht auf die Haarpracht von Charlotte zu. 45 Zentimeter wurden bei ihr abgeschnitten. Der Zopf wog 145 Gramm und hat etwa einen Wert von 130 Euro.

Meinung:



Viele Arten von Hilfe möglich

Von SZ-Redakteurin Monika Kühn

Nicht alle jungen Mädchen sollten jetzt auf die Idee kommen, sich die Haare für einen guten Zweck abschneiden zu lassen. Charlotte und ihre Mutter wollen mit der Aktion zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, etwas Gutes zu tun, sich einzubringen. Statt in den Müll geworfen zu werden, können die Haare noch einem Menschen in Form einer Echthaarperücke sehr viel Freude machen und auch Lebensqualität zurückbringen.

Natürlich wissen die Clemens auch um das Risiko, dass sie Betrügern in die Hände fallen können. Doch sie haben sich sorgfältig informiert und Vertrauen in die Sache ist bei allen Spendenaktionen wichtig. Mit ihrer Aktion wollen sie Kreise ziehen und zeigen, dass vielfältige Arten von Hilfen möglich sind.

FOTO: Clemens
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So sieht Charlotte jetzt mit kürzerem Haar aus.
So sieht Charlotte jetzt mit kürzerem Haar aus. FOTO: Clemens