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Müllers Heimspiel in der Primshalle

Müllers Heimspiel in der Primshalle

Schmelz. Eine "8" oder eine "9" vor dem Komma? Um 12.28 Uhr ist die Frage beantwortet: Peter Müller erhält genau 94,08 Prozent der Delegiertenstimmen. Stehende Ovationen am Samstag in der Schmelzer Primshalle für den alten und neuen Parteichef

Schmelz. Eine "8" oder eine "9" vor dem Komma? Um 12.28 Uhr ist die Frage beantwortet: Peter Müller erhält genau 94,08 Prozent der Delegiertenstimmen. Stehende Ovationen am Samstag in der Schmelzer Primshalle für den alten und neuen Parteichef. Mehr Applaus gibt es nur am Ende des Parteitages für den politischen Shooting Star der Bundesregierung, Verteidigungsminister zu Guttenberg, der als Gastredner neugierige Blicke und offene Ohren bei den rund 300 Delegierten findet. "Ich freue mich unheimlich über das großartige Ergebnis", bedankt sich der Ministerpräsident nach seiner Wiederwahl artig beim Parteivolk. Er weiß: Die Messlatte war hoch angesetzt. Zuletzt stärkten ihm im Vorwahljahr 2008 beachtliche 98,5 Prozent den Rücken. Nur einer freut sich an diesem Tag insgeheim über ein noch besseres Ergebnis: Generalsekretär Roland Theis mit 98,6 Prozent.Zuvor hat Müller in einer knapp eineinhalbstündigen, landespolitischen Tour d'Horizon die Leistungen der Jamaika-Allianz hervorgehoben. "Wir dürfen dieses Land nicht den Roten überlassen", warnt er die Skeptiker in den eigenen Reihen. Müller spricht vom "Aufsteigerland", zu dem in den vergangenen zehn Jahren die CDU das Saarland gemacht habe. Ja, die Arbeitsergebnisse der Jamaika-Koalition seien besser als die öffentliche Wahrnehmung. Und die Union werde künftig im Bündnis mehr eigenes Profil zeigen, für mehr "eigene Identität sorgen". Das Tohuwabohu bei den Saar-Liberalen nennt Müller "Turbulenzen im Innern eines Koalitionspartners". Sein Appell an die FDP: "Besinnt euch. Klärt die Dinge." Fraktionschef Klaus Meiser legt später nach: Es werde höchste Zeit, dass "die FDP das unerträgliche öffentliche Theater beendet". Die Grünen hätten der CDU manch "schmerzhafte Entscheidung abgefordert". Doch 5,9 Prozent bei der Wahl seien nicht "der Nabel der Welt". "Wir werden nicht zulassen, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt." Müller verteidigt die Sparbeschlüsse der Landesregierung, bei denen allerdings gelte: "Starke Schultern tragen mehr als schwache." Er weiß, dass das Abrücken von der generellen Beitragsfreiheit fürs dritte Kindergartenjahr selbst die eigene Partei im Nerv trifft. Er kündigt deshalb eine soziale Staffelung der Beiträge an. Die Richtschnur: Eine Familie, verheiratet, mit zwei Kindern und einem Nettoeinkommen von bis zu 2500 Euro wird auch künftig beitragsfrei bleiben. Der CDU-Vormann nimmt in seiner engagierten Rede, die am Ende mit zweiminütigen stehenden Ovationen bedacht wird, die Opposition scharf ins Visier. "Es wird skandalisiert, weil sie in der Sache nichts zu bieten hat." Ohne Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine beim Namen zu nennen, bezeichnet er ihn als "Denunzianten" und "schlimmen Ehrabschneider". Anlass der Schelte sind Lafontaines feste Formel zur "Jamaika-Korruption" und seine Angriffe auf den FDP-Politiker Hartmut Ostermann. Am Nachmittag sorgt Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) für bundespolitischen Glamour auf der Parteitagsbühne. Er spricht über die Notwendigkeit der Bundeswehrreform und die Aussetzung der Wehrpflicht. Kein Wort über die Zukunft der saarländischen Bundeswehr-Standorte. Nur der Hinweis auf die hierzulande "enge Bindung zwischen Bundeswehr und der Bevölkerung". Dennoch: Das Parteivolk lauscht gespannt. Viel Applaus für den 38-jährigen Ausnahme-Politiker. Noch einige Autogramme und Handy-Fotos für die Fans: Nach einer knappen Stunde ist Guttenbergs Ausflug in die Provinz beendet. Die Halle gehört wieder Peter Müller und seinen 94,08 Prozent.

Auf einen BlickBei der Vorstandswahl wurden als stellvertretende Vorsitzende bestätigt: Peter Altmaier (319 von 348 Stimmen), Daniela Schlegel-Friedrich (315), Annegret Kramp-Karrenbauer (314), Peter Jacoby (311) und Klaus Meiser (308 Stimmen). gp