Moderne Technik im nostalgischen Kino

Schmelz · Das Kino Schmelzer Lichtspiele sollte nach Renovierungsarbeiten am 1. April wieder öffnen. Allerdings musste der Termin nach einem Brand verschoben werden (wir berichteten). Am kommenden Mittwoch, 24. Juni, ist es nun aber soweit.

 Blick in den großen Kinosaal mit Balkon. Foto: Müller

Blick in den großen Kinosaal mit Balkon. Foto: Müller

Foto: Müller

Die Schmelzer Lichtspiele mit ihren zwei Kinosälen, Maxi und Mini, wurden seit November renoviert. Mittels digitaler Umrüstung und 3D-Optik wurde das Kino auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Dies sei notwenig, erklären die Betreiber Hans Gerhard Müller und Margit Müller, weil neue Filme nur noch digital produziert werden und es somit keine analogen Kopien mehr gebe. Damit das Kino auch künftig am Markt bestehen kann, sei eine Investition in die Digitalisierung alternativlos. Damit diese Investition nicht nur nachhaltig ist, sondern darüber hinaus auch auf dem neuesten Stand der Technik sein soll, haben sich die Betreiber für 4K-Projektoren mit 3D-HFR-Technik entschieden. Dies bietet eine sichtbar bessere Bildqualität und eine entspannte Betrachtung von 3D-Filmen. Für den Sound in beiden Sälen wurde eine digitale Tonanlage installiert.

Wer das Kino zum ersten Mal betritt, staunt nicht schlecht: Denn die breiten französischen Sessel mit extra großer Beinfreiheit sehen nicht nur gemütlich aus. Hier lässt es sich auch bei langen Filmen gut aushalten. Das Maxi, das einzige Kino im Saarland, welches noch über einen separaten Balkon verfügt, bietet Platz für 200 Besucher, davon 52 auf dem Balkon . Hier gibt es im Saal und auf dem Balkon eine eigene Kinobar. Während des Films ist die Snackbar im Foyer besetzt. Das Mini hat 72 Sitzplätze.

Außer der neuen Technik wird noch ein Hublift eingebaut, da der Zugang ins Kino nur über drei Stufen zugänglich ist. Dies wird dann für Rollstuhlfahrer problemlos möglich. Beide Säle und die Toiletten waren bisher bereits barrierefrei vom Foyer aus erreichbar.

Zudem wurde das Foyer umgestaltet, um den Besuchern eine größere Auswahl an Snacks und Getränken bieten zu können.

Erbaut wurde das Kino 1919, zu Stummfilmzeiten, von Johann und Barbara Müller, den Urgroßeltern der heutigen Betreiber. Das Kino hieß schon Schmelzer Lichtspiele, als es die Ortschaft Schmelz noch gar nicht gab. Sie entstand erst 1937 durch den Zusammenschluss der beiden Orte Außen und Bettingen. Ausschlaggebend für den Namen "Schmelzer Lichtspiele" war der Standort in Außen, in dessen Nähe früher eine Eisenschmelze stand, die dann auch namensgebend für die Gemeinde war.

Mitte der 30er Jahre führte Hans Müller , Sohn der Gründer, mit Ehefrau Marga das Kino weiter. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte die Vergrößerung des Saales und den Anbau des Wohnhauses. Als Ende der 60er Jahre das Fernsehen in den Haushalten Einzug hielt, durchlebte das Kino schwere Zeiten. Es hatte über 500 Sitzplätze, ein ausverkaufter Saal war nicht mehr zu erreichen. In den 70er Jahren führte der jüngste Sohn von Marga und Hans, Ernst Müller, das Kino. 1983 wurde das Haus um einen zweiten Saal, das Mini mit 72 Sitzplätzen, erweitert. Im Zuge dieses Umbaus wurden beide Säle sowie die Toiletten barrierefrei errichtet. Nach dem Tod von Ernst Müller 2002 führten die Schwestern Marlis und Anneli das Kino bis zum Ende des Jahres 2014. Die jetzigen Betreiber, Margit Müller, Tochter von Anneli, und Hans Gerhard Müller , Sohn von Hans Wilhelm, gehören zur 4. Generation. Sie sind sozusagen im Kino "groß geworden". Damit sind die Schmelzer Lichtspiele das älteste, noch im Spielbetrieb befindliche Kino im Saarland und gehört bundesweit zu den wenigen Kinos, die noch im Besitz der Gründerfamilie sind und von ihr betrieben werden.

schmelzer-lichtspiele.de

Meinung:

Hauch von Nostalgie erhalten

Von SZ-RedakteurinAstrid Dörr

Es muss nicht immer alles Neue auch supermodern sein. Wie man im Kino der Schmelzer Lichtspiele sieht. Die breiten Plüschsessel verbreiten einen Hauch von Nostalgie. Nicht jedermanns Sache, mag sein. Aber gemütlich und gut sitzt man in den Sesseln. Und vor allem mit genug Beinfreiheit. Die größeren Personen unter uns wissen das zu schätzen. Und welches Kino verfügt noch über einen Balkon ? Ja, die Empore heißt Balkon , was vor allem die Jüngeren nicht mehr wissen. Wahnsinn, eine gute Sicht auf die Leinwand ist garantiert.

Dass die wirtschaftliche Situation nicht einfach ist, lässt sich nachvollziehen. Die Konkurrenz ist groß, und die Anforderungen steigen.

Umso wichtiger ist es da, trotz der finanziellen Lage, die bestehende Nostalgie mit modernster Technik zu vereinen. Und nicht nur die Jugend mit aktuellen Filmen ins Kino zu locken, sondern auch die Senioren (Stichwort Seniorenkino) fürs Kino zu begeistern.

Zum Thema:

Auf einen BlickZum Start am 24. Juni wird es um 20 Uhr eine Sneak-Preview mit Sektempfang geben. Bei einer Sneak-Preview handelt es sich um eine Überraschungspremiere mit einem aktuellen Film vor dessen offiziellem Bundesstart. Dabei darf der Filmtitel vor Beginn der Vorstellung nicht bekannt gegeben werden. ab

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