| 21:52 Uhr

Nicht angetreten
Lieber zum Konzert als zum Ausbildungsbetrieb

Schmelz. Kurz vor Start der neuen Ausbildungssaison herrschte frohe Stimmung beim Bauunternehmen Dittgen in Schmelz. Firmenchefin Renate Dittgen begrüßte die vielen neuen Auszubildenden in den verschiedenen Berufen. red

Traditionell waren hierzu die jungen Menschen ins Unternehmen eingeladen.


Schon hier, erklärte sie jetzt, waren zwei Auszubildende aber nicht erschienen, eine Entschuldigung lag nicht vor, man hoffte, dass die beiden am ersten Arbeitstag erscheinen würden, heißt es in einem Schreiben an die Saarbrücker Zeitung. Am ersten Arbeitstag wurde dann Gewissheit, was die Firmenleitung bereits vermutet hatte. Die beiden jungen Männer hatten ihre Lehrstelle nicht angetreten.

Eine Nachfrage bei den Erziehungsberechtigten verursachte bei Renate Dittgen Fassungslosigkeit. „Einem meiner Mitarbeiter wurde gesagt, die Jungs seien am Wochenende auf einem Konzert gewesen, wo sie sich jetzt aufhielten, sei nicht bekannt“, erzählt sie.



Aber nicht nur im Bereich der Straßenbauer erlebte Dittgen eine böse Überraschung, auch im kaufmännischen Bereich wurde sie enttäuscht. So hatte sich ein Auszubildender um eine Lehrstelle beworben, nach einem Auswahlverfahren die Zusage bekommen und den Ausbildungsvertrag unterzeichnet. Sowohl bei der Begrüßung als auch am ersten Arbeitstag war der junge Mann in der Firma gewesen. Doch dann folgte der nächste Schock für die Unternehmensführung. „In einer kurzen Mitteilung erklärte er, dass er ganz kurzfristig einen Studienplatz bekommen hat“, sagt Klaus Dahm von der Geschäftsführung. Dahm fragt sich nun ebenso wie die Chefin Renate Dittgen, was ein Ausbildungsvertrag bei der Jugend noch wert ist, ist besorgt darüber, dass es zukünftig immer schwieriger sein wird, verlässlich Nachwuchskräfte zu generieren. „Ich möchte mit diesen Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen, um den scheinbaren Missstand aufzuzeigen, vor allem aber auch, um zu erfahren, welche Erfahrungen andere Firmen mit Auszubildenden gemacht haben“, sagt Dittgen. Sie hofft nun, die Lücken bald schließen zu können.