Ballonstart: Heliumballon hebt in Hüttersdorf ab

Ballonstart : Heliumballon hebt in Hüttersdorf ab

Ein Ballon, beladen mit technischem Gerät, ist am Samstag mitten in Hüttersdorf gestartet. Eine Stunde fuhr er in großer Höhe und sendete Daten.

Countdown mitten im Dorf. Etwa 100 Zuschauer und ein Fernsehteam verfolgten am Samstag den Start eines Stratosphärenballons am Hüttersdorfer Pfadfinderheim. Ortsvorsteher Bernd Valentin zählte rückwärts von zehn auf null, danach hob der zuvor mit Helium befüllte Ballon samt technischer Nutzlast vom Boden ab. An Bord befanden sich zwei Kameras, ein kleines Funkrelais, Geräte für die Aufzeichnung von Temperatur, Feuchtigkeit und Luftschadstoffen. Weitere Technik an Bord übermittelte ständig die Flughöhe, Geschwindigkeit und Position des Ballons zum Kontrollzentrum im Pfadfinderheim.

Eine Stunde nach dem Start platzte der Ballon in einer Höhe von mehr als 28 000 Meter über der 85 Kilometer entfernten pfälzischen Ortsgemeinde Dannenfels im Donnersbergkreis. „Die am Fallschirm hängende Nutzlast trieb dann im Sinkflug noch über 70 Kilometer weiter über den Rhein bis südlich von Groß-Umstadt am Rande des Odenwaldes“, sagte Wolfgang Klein (DD1WKS).

Der 56-Jährige Funkamateur aus Hüttersdorf hatte das Ballonprojekt gemeinsam mit dem Albert-Schweitzer-Pfadfinderstamm organisiert und dies mit einem Budget von nur etwa 1500 Euro. Unterstützt wurde Klein von einem Helferteam aus dem Amateurfunk-Ortsverband Schwarzwälder Hochwald Q 21, dessen Vorsitzender er seit Jahren ist. Zudem engagierten sich weitere Technik-Spezialisten, wie beispielsweise der Frankenthaler August Gihr (DK5UG) und die örtlichen Pfadfinder.

Nach zirka zwei Stunden Flugzeit lokalisierte Ballonjäger Franz Macho (DJ7KL) die Nutzlast des Ballons in Hessen. Dort hing sie an einer 30 Meter hohen Pappel. „Um die Flugdaten komplett auswerten zu können, werden wir am Sonntag versuchen, das Equipment zu bergen, was nur mit einer Flugdrohne möglich sein dürfte“, sagte Klein. Auch Stephan Zimmermann (DL3CM), Lehrer am Lebacher Kepler-Gymnasium, hofft auf die Bergung: „Die gemeinsam mit Schülern für das Ballonprojekt gebaute Feinstaubmesseinrichtung würden wir natürlich gerne auswerten“.

Während der Mission funkten Lilith Pankonin (10), Zara Frischbier (8) und Finja Reichert (10) unter Anleitung von Thomas Cramaro (DH4VO) über die Relaisstation an Bord des Ballons. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Ballon in über 6000 Meter Höhe. „Echt cool von hier aus mit Leuten in Mainz, Frankfurt oder Düsseldorf zu sprechen“, freuten sich die Kinder. Schade nur, dass die Funkkommunikation über die Ballonstation bereits nach weniger als 30 Minuten dauerhaft ausfiel.

Mira Stein (vorne) trägt die technische Nutzlast des Ballons. Foto: Dieter Lorig

„Ein cooles Projekt“, meinte auch Fabian Wilhelm (10), der gemeinsam mit Simon Friedel (17), Nicolas Bernarding (17) und weiteren Pfadfindern fasziniert die Flugroute des Ballons samt Telemetriedaten auf einem Bildschirm verfolgte. Zudem gab es im Internet einen Livestream über die Ballonmission. „Über den eingerichteten Chat meldeten sich Funkamateure aus ganz Deutschland, die alles am eigenen PC mitverfolgten“, bestätigte Cramaro. „Die Ballonmission war ein hervorragendes Beispiel, junge Menschen für die faszinierende Welt der Technik und Naturwissenschaft praxisnah zu begeistern“, lobte Eugen Düpre, Landesvorsitzender der Funkamateure. Projektleiter Klein dankte allen Beteiligten.

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