Für den Erhalt alter Techniken

Bohnental · In den fünf Dörfern des Bohnentales engagieren sich eine Reihe von Bürgern ehrenamtlich. Jetzt planen sie ein neues Projekt: den Bohnentaler Selbermacher. Dabei geht es darum, alte Handwerks- und Kulturtechniken für künftige Generationen zu bewahren.

Im Jahr 2004 wurde das interkommunale Bohnentalprojekt aus der Taufe gehoben und hat sich seither zu einem Erfolgsmodell entwickelt. So haben ehrenamtliche Helfer im vergangenen Jahr gleich mehrere Projekte umgesetzt, unter anderem die Wanderoase in der einstigen Scheuerner Grundschule. Dort können Wanderer und Urlauber jetzt kostengünstig übernachten.

Beim Bohnentaler Neujahrsempfang in Scheuern wurde nun eine neue Idee präsentiert: das Projekt "Bohnentaler Selbermacher". Wie der Soziologe Armin Kuphal von der Saar-Uni, der das Bohnental-Projekt wissenschaftlich unterstützt, erklärte, sollen dabei alte Kulturtechniken neu entdeckt und wieder belebt werden. "Vieles, was früher selbstverständlich war, ist leider untergegangen", so der Wissenschaftler. Als Beispiel führte er die Herstellung von Sauerkraut oder das Flechten von Körben an: "Früher waren solche Dinge gerade auf dem Land selbstverständlich. Heute wissen aber nur noch wenige, vor allem ältere Leute, über diese alten Kulturtechniken Bescheid." Aus diesem Grund wolle man im Bohnental eben solche Techniken bewahren und an die jüngere Generation weitergeben, ehe sie gänzlich aussterben. Dazu sollen noch in diesem Jahr Projekte anlaufen.
Das Miteinander fördern

Für Bürgermeister Hermann Josef Schmidt eine tolle Sache, die verdeutliche, dass das Bohnental-Projekt nun in einer weiteren wichtigen Phase angelangt sei: Nachdem man sich in den ersten Jahren der Infrastruktur gewidmet habe, beispielsweise durch den Bau von Schutzhütten, gehe es nun immer mehr darum, den Austausch und das Miteinander im Bohnental zu fördern. Die "Muske(l)tiere" seien in diesem Zusammenhang bereits ein tolles Projekt, das dank des ehrenamtlichen Engagements aller Beteiligten bestens funktioniere. Lob gab es für das Bohnental-Projekt von Saar-Umweltminister Reinhold Jost , der dieses als "gelebte Kultur" bezeichnete und ein Flurbereinigungsverfahren für das Bohnental ankündigte.
Über Grenzen hinweg

Auch Landrat Udo Recktenwald zollte den Menschen in den fünf Bohnental-Orten seinen Respekt. Das projektorientierte Handeln sei genau das, was man brauche. Aber nicht nur das: "Die Menschen haben hier ihr Geheischnis", formulierte der Landrat es auf "gut saarländisch". "Darum verdient dieses Vorbild höchste Anerkennung."

Dass die gute Zusammenarbeit über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg nicht nur innerhalb des Projektes bestens funktioniere, verdeutlichte der Schmelzer Bürgermeister Armin Emanuel am Beispiel der neuen Rettungswache, deren Bau noch in diesem Jahr in Neipel beginnt: Der gefundene Standort in der Gemeinde Tholey sei ideal, organisiert werde der Rettungsdienst vom DRK-Kreisverband Saarlouis. "Das Bohnental hat gute Aussichten", so Hermann Josef Schmidt , der sich insbesondere gespannt zeigte, was die "Bohnentaler Selbermacher" in diesem Jahr noch auf die Beine stellen werden.

"Damit das Ganze letztlich aber funktioniert, müssen die Menschen mitmachen. Wer Ideen hat oder sich aktiv einbringen möchte, kann sich direkt an die Ortsvorsteher wenden", so der Scheuerner Ortsvorsteher Dietmar Lauck.

Für Musik beim Neujahrsempfang sorgte der Musikverein Harmonie Scheuern.

Zum Thema:

HintergrundZum Bohnental gehören die Orte Lindscheid, Neipel, Scheuern und Überroth-Niederhofen aus der Gemeinde Tholey sowie der Schmelzer Ortsteil Dorf im Bohnental . Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels - heute leben im Bohnental noch rund 2800 Menschen, in 25 Jahren werden es rund 300 weniger - hatte das saarländische Umweltministerium auf Initiative von Hermann Josef Schmidt das Bohnental im Jahr 2004 zu einem interkommunalen Modellprojekt gemacht, um die fünf Orte als eine Einheit fit für die Zukunft zu machen. red