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Schmelzer Kino gibt es seit 100 Jahren
Film zeigt 100 Jahre Schmelzer Kino

Christoph Leyendecker führt das erste Interview mit Anneli Müller.
Christoph Leyendecker führt das erste Interview mit Anneli Müller. FOTO: Sulamith Sallmann
Schmelz. 100 Jahre Lichtspiele Schmelz (1919 bis 2019). Ein Schmelzer dreht einen FIlm darüber. Eine Liebeserklärung an das kleine große Kino. Von Astrid Dörr

Wenn Christoph Leyendecker erzählt, fühlt man sich tatsächlich zurückversetzt in die gute alte Zeit. Dabei ist er gerade mal selbst erst 46 Jahre alt. Aber seine Kindheitserinnerungen an das Schmelzer Kino sind noch so präsent, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass das Kino im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird.


Anlass für den gebürtigen Schmelzer, etwas für die Schmelzer Lichtspiele zu tun, „weil das Kino auch etwas für mich gemacht hat“. Und was könnte das sein? „Ich möchte diesem Sehnsuchtsort meiner Kindheit etwas zurückgeben und plane anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Kinos einen Dokumentarfilm über eben dieses zu produzieren.“ Eine etwas nicht ganz alltägliche Art, einem Filmtheater zu gratulieren. Finden Sie nicht auch? „Eigentlich nicht“, findet Christoph Leyendecker, der 1972 in Saarbrücken geboren wurde und mit acht Jahren nach Schmelz gezogen ist. Seine Mutter ist Französin und sehr cinephil, und so wurde er schon früh an das Thema herangeführt. ,,Sobald es mir möglich war, verbrachte ich die Sonntagnachmittage im Kino, vorzugsweise in den Schmelzer Lichtspielen. Die Liebe für das Kino führte dazu, dass ich ein Regelstudium an der Filmhochschule (IAD) in Belgien absolvierte. Danach wanderte ich nach Berlin aus.“ Dort arbeitet er als Videokünstler und Regisseur. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auch in der Arbeit mit Jugendlichen im Rahmen seiner Arbeit für die Stiftung Lichtburg.

Vor etwa eineinhalb Jahren hat er erste Gespräche geführt, die ihn nun nach Schmelz brachten, um erste Interviews zu organisieren. Natürlich war die Familie Müller, Anneli Müller, Tochter Margit Müller und ihr Cousin Gerd Müller, die das Kino betreiben, von der Idee begeistert. Und so wurde bereits im Herbst 2017 der erste Trailer gedreht, den man sich auch anschauen kann (siehe Link unten). Im Frühjahr bekam er bereits die ersten Reaktionen auf den Trailer. ,,Ich möchte nicht nur mit den Betreibern, also der Familie Müller, reden, nein, mich interessieren die Menschen, die Erinnerungen und eine enge Bindung an das Kino haben.“



Das kleine Team, drei bis vier Leute, macht die Interviews, Recherche, Bildmaterial, Grafikdesign und Produktion,. Die Idee ist, den Film im Kino übers Kino zu zeigen. Geplant ist, bis im Frühjahr oder spätestens Mitte 2019, fertig zu sein, damit der Film an Weihnachten 2019 (da ist der eigentliche Geburtstag) gezeigt werden kann.

Und so erstaunt es nicht, dass das erste Interview mit der 76-jährigen Anneli Müller gemacht wird. „Sie saß schon an der Kasse, als ich ins Kino ging“, erinnert er sich heute, als sei es gestern gewesen. Weitere Interviews folgen mit seiner Familie natürlich, mit der Familie Müller und Menschen aus Schmelz. Interessant findet er auch, dass sich eine junge Dame gemeldet hat, die im Projektionsraum gearbeitet hat, die er gerne befragt beziehungsweise die aus dem Nähkästchen plaudern darf, schließlich hat sich in Sachen Technik einiges getan. Das Ziel des Films ist übrigens zu zeigen, was Kino heute überhaupt noch bedeutet. Er soll nicht länger als 90 Minuten werden. > Seite C 3