| 20:30 Uhr

Tennis
„Ein bisschen was von Davis-Cup-Atmosphäre“

Das Schmelzer Team mit (hinten von links): Mathias Najfeld, Simon Laurent, Pascal Fichot, Jens Herrmann und Stefan Valentin sowie (vorne von links) David Siersdorfer, Marco Lamberti, Philipp Konz und Simon Bely.
Das Schmelzer Team mit (hinten von links): Mathias Najfeld, Simon Laurent, Pascal Fichot, Jens Herrmann und Stefan Valentin sowie (vorne von links) David Siersdorfer, Marco Lamberti, Philipp Konz und Simon Bely. FOTO: Hemmer
Schmelz. Schmerzmittel, Gänsehaut und ein Glanzpunkt trotz Niederlage: TC Schmelz verliert Aufstiegsspiel nur knapp. Von David Benedyczuk

Das Ganze habe „ein bisschen was von Davis-Cup-Atmosphäre“, findet Marco Lamberti angesichts des Zuschaueraufkommens am Samstag auf der Tennisanlage des TC Schmelz. „Der Tag war für alle ein Glanzpunkt. Von der Atmosphäre her der schönste Spieltag, den ich bisher erlebt habe – und ich spiele schon lang Tennis“, sagt die Nummer drei des gastgebenden Tennisclubs.


Lamberti spricht vom Aufstiegsspiel der Herren 30 zur Regionalliga Südwest gegen den TC Bad Homburg. Und der 36-Jährige tut das, obwohl die Partie unglücklich mit 4:5 verloren ging und der Traum vom Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse für den Oberligameister damit für dieses Mal geplatzt ist.

Es ist in erster Linie die begeisternde Unterstützung der mehr als 300 Zuschauer, die über den langen Tennis-Tag verteilt da waren, die Lamberti zu seinem positiven Resümee veranlasst: „Natürlich ist es enttäuschend, so knapp zu verlieren. Andererseits hatten wir nicht damit gerechnet, dass es so eng wird. Die Kulisse hat uns einen echten Schub gegeben.“



Das galt speziell für ihn selbst, denn im Match gegen Bad Homburgs Tobias Kiessling, das für Lamberti das erste nach einer Hüftzerrung war, bekam er im zweiten Satz der Hitzeschlacht Magenprobleme. Wohl wegen der Schmerzmittel, die der Schmelzer Clubtrainer zur Entzündungshemmung eingenommen hatte. Nach dem mit 6:3 gewonnenen ersten Satz geriet Lamberti im zweiten 2:5 in Rückstand – ehe er sich doch wieder aufrappelte. „Die Zuschauer haben dafür gesorgt. Das war Gänsehaut-Feeling pur.“

Er schaffte das Re-Break, es ging in den Tie-Break, in dem der Schmelzer 5:2 führte und beim 7:6 und 8:7 zwei Matchbälle besaß. Bei der ersten Chance hatte er Pech, dass sein Volley von der Netzkante ins eigene Feld prallte. Am Ende gewann Kiessling den Tie-Break mit 10:8 und den folgenden Match-Tie-Break mit 10:3. Nachdem David Siersdorfer (6:4, 6:4 gegen Guido Tröster) und Jens Herrmann (6:1, 6:3 gegen Thomas Vennemann) für eine Schmelzer 2:1-Führung nach der ersten Einzel-Runde gesorgt hatten, war Lambertis Partie einer von zwei Knackpunkten: Weil auch Christian Weber seine Chancen nicht nutzte und Andrey Ribalko nach acht vergebenen Satzbällen im zweiten Durchgang 3:6, 6:7 unterlag, hieß es vor den Doppeln 2:4 aus Schmelzer Sicht. Bad Homburg stellte für den fehlenden Punkt mit Ex-Profi Lars Pörschke und Daniel Jung ein Topduo auf, das mit dem 6:2, 6:1 über Lamberti („Mein Körper war da nur noch eine einzige Baustelle“) und Siersdorfer kurzen Prozess machte.

Die erste Schmelzer Enttäuschung sollte sich aber schnell legen. „Unser Ziel lautet jetzt, erneut die Meisterschaft zu holen, um es beim nächsten Mal vielleicht zu schaffen. Das Team bleibt so zusammen. Wir freuen uns schon auf die nächste Saison“, sagte TC-Sportwart Pascal Fichot. Er hält das aktuelle Herren-30-Team sogar für stark genug, um für den Fall der Fälle in der Regionalliga zu bestehen: „Der TC Rotenbühl spielt dort eine gute Rolle. Deren Spieler können wir vom Niveau her einordnen, daher wäre zumindest der Ligaverbleib für uns machbar.“

Nicht machbar war auf Bad Homburger Seite der Einsatz von Aljoscha Thron. Der Manager von Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber schaute im Laufe des Tages aber dennoch vorbei, um die Teamkollegen zu unterstützen – und verließ Schmelz mit dem Versprechen, für den dortigen Nachwuchs Autogrammkarten der dreifachen Grand-Slam-Gewinnerin und Ex-Weltranglistenersten zu besorgen.