Die Bettinger Mühle in Schmelz wurde erstmals 1246 erwähnt

Bettinger Mühle : Harte Arbeit und Romantik unter einem Dach

Die Bettinger Mühle in Schmelz ist zum ersten Mal im Jahr 1246 urkundlich erwähnt. Das Mühlrad ist heute noch in Betrieb.

Die Romantik spielt sich in den Köpfen der Menschen ab, in Liedern und Geschichten. Im Alltag hingegen war das Müllerhandwerk ein hartes Geschäft. Das zeigt heute noch ein Rundgang durch die Bettinger Mühle in Schmelz.

Die eigentliche Mühle liegt hinter Ställen, Gesindehaus, Scheune und Wohngebäude. Sozusagen im Keller fließt das Wasser für den Antrieb des Mühlrades. Darüber liegen zwei Stockwerke mit unterschiedlichsten Vorrichtungen, um aus grobem Getreide feines Mehl zu mahlen. Das Wasser für den Antrieb wird über den Mühlenkanal zugeführt. Der wurde 1732 gebaut und ist heute um die vier Meter breit. Er beginnt etwa 100 Meter nördlich als Abzweigung von der Prims. In diesen Kanal sind Schieber eingelassen. Darüber ist der Durchfluss regulierbar. Eine weitere Regulierung der Wassermenge ist am Zulauf im Mühlengebäude möglich. Zwischen Mühlenkanal und Prims liegt die Mühleninsel, rund 500 Meter lang und 250 Meter breit. Große Teile werden landwirtschaftlich genutzt. Eine mühlennahe Wiese dient für Veranstaltungen. Dort befindet sich eine weit ausladende Linde, unter der allein 2018 40 Paare getraut wurden.

Im Gesindehaus ist ein Trauzimmer eingerichtet, die große Scheune nebenan wurde für Feierlichkeiten hergerichtet. Die alte Scheune ist originalgetreu wieder aufgebaut. „An den Steinlagen kann man noch die einzelnen Phasen erkennen, und dass sie auch mal abgebrannt war“, sagte Karl Heinz Staudt, stellvertretender Vorsitzender des Mühlenvereins. „Bis etwa 2022 ist jedes Wochenende ausgebucht. Für Geburtstage, Trauungen und andere Feste.“

Zum kulturellen Programm der Bettinger Mühle gehören unter anderem Konzerte, Lesungen, Open-Air-Veranstaltungen sowie ein Kunsthandwerkermarkt und ein Bauernmarkt. Der heutige Zustand der Gebäude ist dem Verein zur Erhaltung der Bettinger Mühle zu verdanken. Dessen erster Vorsitzender, Elmar Schmitt, realisierte damit die Idee eines Kulturzentrums. Nach einem Pachtvertrag mit der Besitzerin begann 1994 die umfassende Restaurierung der Mühle. Dabei waren Hunderte von Praktikantinnen und Praktikanten im Einsatz. Die konnten so größtenteils in den 1. Arbeitsmarkt eingegliedert werden.

Wer die Bettinger Mühle besucht, steht zuerst auf einem großen Vorplatz vor einem stattlichen Gebäude. „Das wurde um 1900 herum gebaut“, sagte Staudt. „Errichtet von einem Bergwerksdirektor, der hat aber nie hier gewohnt.“ Linker Hand erstrecken sich die ehemaligen Ställe. Heute ist dort das Büro des Vereins, ein Schulungs- und Proberaum für den Musikverein und die Geschäftsstelle des Landesverbandes der Obst- und Gartenbauvereine. Zur Straße hin liegt dessen bäuerlicher Lehr- und Schaugarten. Im Gebäude ist auch das alte Backhaus. Der Ofen wurde nach mehr als 100 Jahren originalgetreu wieder aufgebaut. Er schafft 40 Sauerteig-Brote in einem Rutsch. Acht Tonnen gelber Sand liegen darauf, berichtete Staudt. „Damit die Wärme im Ofen bleibt.“ Hinter den ehemaligen Ställen verlief der Zugang zur eigentlichen Mühle über eine Rampe. „Dort haben die Bauern ihr Getreide angeliefert“, wusste Staudt. „Das wurde gewogen, aber sie bekamen dafür kein Geld, sondern Coupons. Damit konnten sie dann bei Bäckern, die Mehl aus der Mühle verwendeten, Brot bekommen.“

Die erste urkundliche Erwähnung der Bettinger Mühle stammt von 1246. 1735 war sie erstmals als Genossenschaft aufgeführt, in die Bauern 110 Reichstaler investierten. Ab 1800 führten die Mennonitenfamilien Schertz, Oesch und Nafziger die Mühle. An sie erinnert heute ein kleines Museum mit Alltagskleidung, Stammbäumen und Gegenständen. Letzter Müller war Wilhelm Guth, der 1978 aus Altersgründen aufhörte. Das ursprüngliche Mühlrad mit 30 Holzbrettern als Schaufeln war nach 1978 verfallen und wurde aus alten Teilen wieder aufgebaut. Es hat einen Durchmesser von 4,30 Meter und ist 1,70 Meter breit. Heute ist es außer Betrieb. Einen Raum daneben dreht sich das neue Mühlrad mit 32 Eisenschaufeln, einem Durchmesser von 4,5 Metern und 2,5 Meter Breite. Beide Räder sind unterschlächtig, ihre Schaufeln tauchen in das antreibende Wasser ein. „Das neue Mühlrad hat sechs Umdrehungen pro Minute“, erklärte Staudt. Über ein Getriebe ist ein Generator mit 1100 Umdrehungen angeschlossen. Das liefert seit 1998 etwa zehn kWh Strom. „Wir versorgen die Mühle damit und können noch Strom ins Netz stellen.“

Über das Mühlrad wurde früher alles betrieben. Breite Antriebsbänder übertragen die Kraft unter anderem auf kastenförmige Schüttelsiebe und den Transport von Getreide mittels Becherwerk über zwei Etagen. Sie drehten auch den Mühlstein. „Der ist aus Kalkstein aus der Champagne gemacht“, sagte Staudt. Eigentlich sind es zwei Mühlsteine, von denen sich nur der obere dreht. Die Durchmesser sind je 1,3 Meter und die Dicke 35 Zentimeter. Alle acht bis zehn Tage mussten Rillen neu eingehauen werden. Die Stationen der Mehlerzeugung gingen vom Reinigen des Korns über Zerquetschen, Bürsten, Sieben bis zum Abfüllen in Leinensäcke. „An den Geräuschen erkannte der Müller, ob alles rund lief“, erklärte Karl Heinz Staudt.

Alle Serienteile finden sich im Internet:

Ein Blick ins Trauzimmer der Mühle, das gleich neben dem Mennonitenmuseum liegt. Nebenan liegt die Scheune, die für Feierlichkeiten hergerichtet ist. Foto: Bodwing
Vom Mühlstein über Quetschen des Getreides bis zum Abfüllen von Schrot und anderen Bestandteilen in Säcke erfolgte alles mittels Energie aus Wasserkraft. Foto: Bodwing
Karl Heinz Staudt zeigt die großen Zahnräder zur Übertragung der Mühlradbewegung. Foto: Bodwing
Das alte Mühlrad mit 30 Holzbrettern als Schaufeln wurde aus alten Teilen wieder aufgebaut. Foto: Bodwing
Der restaurierte Ofen schafft 40 Brote in einem Rutsch. Foto: Bodwing

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