„Bin noch am Leben“

In vielen Briefen, Fotos und Zeichnungen hat Josef Schmitt in seinem Buch die Erfahrungen seines Vaters im Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Dieser war im Einsatz an der Ostfront, unter anderem bei den Schlachten um Charkow und in Stalingrad.

"Bin noch am Leben" ist der Titel eines außergewöhnlichen Buches von den Ursprüngen einer Familie, deren zeitlicher Einordnung in die saarländische Vor- und Nachkriegsgeschichte, vor allem aber vom Überleben eines saarländischen Wehrmachtsgefreiten im Zweiten Weltkrieg.

Josef Schmitt, dessen Großeltern Johann Schmitt in Bettingen und Maria Merten in Außen geboren wurden, hat mit besonderer Akribie das Buch, das seinen Vater Joseph in den Mittelpunkt stellt, verfasst. Mehr als 400 der über 700 Feldpostbriefe seines Vaters hat Josef Schmitt übernommen und mit Fotos, Zeichnungen und Tabellen zu dieser lesens- und nachdenkungswerten Dokumentation gestaltet. Leider sind fast alle Antwortbriefe von Josefs Mutter Susanna, einer geborenen Reuter aus Bildstock, verschollen.

Joseph Schmitt, dessen Eltern wegen der Bergmannstätigkeit des Vaters lange in Bildstock lebten, wollte ursprünglich Priester werden. Nach dem Abitur 1932 in Bonn studierte er von 1933 bis 1936 an der philosophisch-theologischen Hochschule Hennef-Geistungen, trat dann aber aus dem Orden aus. Er wurde später Industriekaufmann beim Neunkircher Eisenwerk.

1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen. 1941 kam er zur 79. Infanteriedivision nach Nancy. Später erfolgte dann der Einsatz an der Ostfront, unter anderem bei den Schlachten um Charkow und in Stalingrad, wo er verwundet wurde. In seinen Feldpostbriefen schrieb der Gefreite Joseph Schmitt über den kriegerischen Alltag, das Überleben der Menschen in den zerstörten russischen Dörfern, aber auch über menschliches Miteinander, selbst erschüttert und traumatisiert durch den Tod seines Kameraden, der in seinen Armen starb. Die persönlichen Nachrichten über die schrecklichen Ereignisse an der Front mit den weiten Steppen, verlassenen Dörfern, Schmutz und Dreck und den vielen Gräueln, die er wegen der strengen Briefzensur nur andeuten konnte, sind immer Thema. Joseph Schmitt bleibt mit seinem Grundtenor "Bin noch am Leben" trotzdem optimistisch.

Mit Fotos und Skizzen hielt er viele Details fest. Als sein Sohn Josef Schmitt Jahrzehnte nach dem Ende des II. Weltkrieges ehemalige Stätten des früheren Fronteinsatzes seines Vaters in Russland und der Ukraine besuchte, fotografierte er viele Veränderungen, die zum Teil im Buch dargestellt sind. Nach mehreren Verwundungen konnte Joseph Schmitt im Dezember 1945 in seine saarländische Heimat zurückkehren. Er starb 1985.

"Bin noch am Leben" kostet 29 Euro. Es ist im Selbstverlag erschienen und kann in der Buchhandlung Pieper in Saarlouis gekauft werden.