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Auf den Spuren der heimischen Kräuter

Auf den Spuren der heimischen Kräuter

Schmelz/Hüttersdorf. Mit Messer und Schere bewaffnet, ein Körbchen im Arm, so ging's auf Tour. Der Turn- und Leichtathletikverein Hüttersdorf hatte wieder zu einer Kräuterwanderung eingeladen. Und 18 Wanderer kamen. Jonathan war mit seinen 18 Monaten der Jüngste, da musste Mama Helene für ihn die "Arbeit" übernehmen"

Schmelz/Hüttersdorf. Mit Messer und Schere bewaffnet, ein Körbchen im Arm, so ging's auf Tour. Der Turn- und Leichtathletikverein Hüttersdorf hatte wieder zu einer Kräuterwanderung eingeladen. Und 18 Wanderer kamen. Jonathan war mit seinen 18 Monaten der Jüngste, da musste Mama Helene für ihn die "Arbeit" übernehmen". Selbst suchen, bestimmen und auch zubereiten, das konnte dagegen Tanja allein. Die Neunjährige war mit ihrer Tante Zita zur Kräuterwanderung gekommen und ganz begeistert bei der Sache. Start war die Erweiterte Realschule in Schmelz. Bereits am Rande des Schulhofes fand die Gruppe die ersten Unkräuter. Die Weiße Melde, auch Schießmehl genannt. Doch Kräuterexpertin Margit Both-Weber erklärte, dass davon nur die jungen Blätter schmecken. Sie werden als Gemüse oder Spinat zubereitet, gut für den Stoffwechsel. Dieses Schießmehl blühte schon. Es blieb unangetastet. Weiter ging's Richtung Feld. Doch auch vor einzelnen Vorgärten blieb die Kräuterexpertin immer wieder stehen. Die Gruppe staunte immer mehr, was allein auf einem Quadratmeter Wiese alles an Kräutern zu finden ist. Gänseblümchen und Veilchen kannten alle, bei der Schafsgarbe passten einige. Man kennt viele Pflanzen, weiß nur den Namen nicht und vor allem auch nicht, für was sie alles gut sind. Doch auch da hatte Margit Both-Weber einen ganz einfachen Rat. Sich langsam in die Materie einarbeiten, gleich, ob man Wild-, Heil- oder Würzkräuter sucht, die Pflanzen verändern ihr Aussehen, man muss die einzelnen Wachstumsphasen beobachten. Kräutersucher sollten sich auf ihre Nase verlassen und immer wieder an den Pflanzen riechen. Und wer sich nicht sicher ist, lieber die Pflanze stehen lassen, das ist bei den Kräutern genau so wie bei Pilzen.Was auch viele nicht wussten: Vom Löwenzahn kann man alles essen, von der Blüte bis zur Wurzel. Er hat im ausgewachsen Stadium nur mehr Bitterstoffe. Doch diese, so die Gesundheitsberaterin, sind besonders gesund. Zwischendurch auch noch ein paar Tipps. Die (Un)Kräuter können eingefroren, getrocknet, in Öl, Essig oder Salz eingelegt werden oder einfach als Würzstrauß für einen angenehmen Duft im Haus sorgen. Giftig ist der Hahnenfuß. Er wird im Volksmund oft als Butterblume bezeichnet. Ihn erkennt man an der Blattform. Ins Körbchen wanderten auf der gut einstündigen Wanderung nebenbei auch Malven, Brombeerblätter, Gundermann, Rotklee, Wilde Möhre, Brennnesseln, Taubnesseln, Wiesenkerbel, Hagebutten und Knoblauchrauke. Mit vollem Körbchen ging's später wieder zur Schule zurück. Dort erhielt jeder Teilnehmer eine Mappe mit Erklärungen zu den einzelnen Pflanzen. Und damit alle auch später nachlesen können, was sie gesammelt haben, wurden Teile der Pflanzen in dieses Herbarium eingeklebt. Dabei stand auch, wozu die Kräuter gut sind. In dem Heft waren auch einige Rezepte mit Wildkräutern aufgeführt. In Zweier-Gruppen eingeteilt, wurde in der Schulküche anschließend ein mehrere Gänge umfassendes Menü zubereitet. Aufgetischt wurden: Wildkräutersalat mit Senfsoße, Beinwellsuppe, Wildkräuter-Kartoffelsuppe, Wildkräuterbrötchen, Wildkräuterbutter, Hefeschnecken grün gefüllt, Brennnessel-Erbsenauflauf, Wildkräutertarte mit Minze, Gundermann-Kartoffelaufstrich und als Nachtisch Zitronencreme mit Kräutern. Es schmeckte allen. Danach machte sogar das Spülen noch Spaß.

Auf einen BlickRezept für eine Wildkräuter-Kartoffelsuppe:2 EL Weizen oder Dinkel fein mahlen und in einen Liter Wasser einrühren. Zwei Gemüsebrühwürfel hinzugeben. 600 g Kartoffeln putzen, in kleine Stücke schneiden, in die Brühe geben und alles 20 Minuten köcheln lassen. In der Zwischenzeit eine Stange Sellerie, eine Zwiebel, Wildkräuter (Wegerich, Brennnessel, Sauerampfer usw.) klein schneiden und in 40 g Butter andünsten mit 1 TL Curry, 1 TL Oregano, 1 TL Beifuß sowie Pfeffer und Kräutersalz abschmecken, mit Petersilie überstreut servieren.