| 21:29 Uhr

Die Geschichte der Schmelzer Lichtspiele
Als die Bilder das Laufen lernten

Der große Kinosaal im Kino Schmelzer Lichtspiele.
Der große Kinosaal im Kino Schmelzer Lichtspiele. FOTO: Sulamith Sallmann
Schmelz. Vor fast 100 Jahren begann in Schmelz die Ära der Lichtspiele. Bis heute ist das Kino bei den Gästen sehr beliebt.

Das Kino in Schmelz wurde im Jahr 1919 von den Urgroßeltern der heutigen Betreiber  Johann Müller und Barbara, geb. Brill erbaut und an Weihnachten 1919 eröffnet. Zunächst gab es nur den Stummfilm mit Musikbegleitung, entsprechend dem damaligen Stand der Technik natürlich in schwarz/weiß.


Der Komfort beschränkte sich auf rechts- und linksseitig angeordnete Logen, über kleine Stufen erreichbar, einen ungünstig angeordneten breiten Mittelgang (der die besten Plätze wegnahm) und entsetzlich harte einfache Klappstühle aus Holz mit viel zu schmalen Armlehnen rechts und links. Die ersten Reihen bestanden aus Holzbänken härtester Bauart, deren Latten auf dem Rücken des Besuchers nach der Vorstellung einen bleibenden Eindruck hinterließen. Diese Bänke waren allseits beliebt; mit 10 Besuchern besetzt, waren sie belegt, mit 15 wurden sie gemütlich und mit 20 Besuchern würde man heute wohl von Kuschelbänken reden, wenn der Sitzkomfort höher gewesen wäre.

Ende der 30er Jahre betrieben der Sohn Hans Müller mit Ehefrau Marga, geb. Kloid, das Filmtheater weiter. Tonfilm und Farbe waren zwischenzeitlich üblich, natürlich auch in Schmelz. Nach kurzer Zeit waren auch regelmäßige Vorstellungen mit anschließender Räumung des Saales eingeführt worden. Die Unsitte am Nachmittag ins Kino zu gehen, den Film gleich mehrfach anzusehen und am Abend dann erst danach nach Hause zu gehen, wurde mit Murren beendet.

Marga Müller, die Ehefrau des Betreibers, kannte sich aus in dem Geschäft. Sie stammte aus der gleichen Branche, einem „Hotel zur Post“ mit dazugehörigem Filmtheater in Warstein (Westfalen). Dies führte später auch zum Vertrieb von Warsteiner Bier im Saarland. Eine Nebenstelle betrieb man in Rüthen. Auch in Warstein wurde später ein zweiter Saal angebaut und die Namensgebung „Maxi“ und Mini“ geht auf dieses Kino zurück, welches aber heute leider nicht mehr existiert.

Den Krieg überstand man mit Hilfe absolut zuverlässiger Helfer für Technik und einer großen Anzahl von Kindern, da Hans Müller zu dieser Zeit mit einem Wehrmachts-Sanka (Sanitätsfahrzeug) erst in der Gardasee-Gegend und später an der Adria in Höhe Rimini herumkurvte. Mit einem späteren Schulrektor aus Urexweiler auf dem Beifahrersitz und einem dritten Freund teilte er die Kriegsgefangenschaftsjahre in Italien und schwärmte sein ganzes Leben lang von der Gastfreundschaft der Italiener.



Im Jahre 1956 wurde die Vergrößerung geplant und durchgeführt. Das Mauerwerk für diese Erweiterung war vor dem Krieg schon gebaut worden. Ein neues Dach wurde errichtet und komplett fertiggestellt. Der Eingangsbereich wurde in das bereits erbaute Wohnhaus verlegt.

1983 wurde das Mini im Hofraum mit einem eigenen Vorführraum mit Büro und zwei Garagen angebaut. Gleichzeitig wurde auch im großen Saal (Maxi) die Warmwasser-Heizung auf Luft-Heizung umgestellt.

Beide Säle wurden mit Materialien der Kategorie „schwer entflammbar“, Teppichböden an den Wänden und Fußböden, sowie Decken und Sesseln in der erforderlichen Brandklasse ausgestattet. Nach eingehender Überprüfung der zuständigen Gewerbeaufsicht wurde die Raucherlaubnis erteilt. Seither konnte man rauchen – bis 2008 das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat.

Bereits ein Jahr später (1984) wurden beide Säle mit Dolby-Surround-Tonanlagen ausgerüstet. Damit war man mit bei den ersten Kinos im Saarland, die diese Technik anboten. Eine Besonderheit sind die „unsichtbaren“ Raumklang-Lautsprecher, die in die Decken integriert wurden. Aber auch dann ruhte man sich nicht auf dem schon hohen technischen Standard aus, sondern rüstete wenige Jahre später beide Säle mit modernen Digitaltonsystemen, Dolby-Digital und DTS aus.