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Wo einst ein Schloss gestanden haben soll

Ortsvorsteher Manfred Schwinn, Stellvertreter Peter Freichel und das Ehepaar Helga und Klaus Schäfer (von links) genießen die ruhige Saarwellinger Natur. Foto: Johannes A. Bodwing
Ortsvorsteher Manfred Schwinn, Stellvertreter Peter Freichel und das Ehepaar Helga und Klaus Schäfer (von links) genießen die ruhige Saarwellinger Natur. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarwellingen. Der Landkreis Saarlouis verfügt über viele schöne Aussichtspunkte. In einer Serie stellen wir einige davon vor. Heute: Blick von der Marienkapelle in Saarwellingen. Johannes A. Bodwing

Ein Wanderweg führt durch den lichten Buchenwald am östlichen Ortsrand von Saarwellingen . Links tauchen zwischen Baumstämmen Felder und Wiesen auf. Dann zweigt rechts ein kurzer Weg zur Marienkapelle ab.


Sie wird auch Schönstatt-Kapelle genannt. Denn sie steht im Zusammenhang mit der 1914 bei Koblenz gegründeten Schönstatt-Bewegung. Die will eine Kirche der Zukunft, die weiterhin Menschen zu Jesus Christus führt. Gerade im Ersten und Zweiten Weltkrieg fand diese Bewegung zahlreiche Anhänger. Das schmale Gebäude bei Saarwellingen wurde 1950 errichtet von Kriegsheimkehrern aus der heutigen Straße Zum Rotwäldchen, weiß Ortsvorsteher Manfred Schwinn. Deren Verlängerung führt zur Kapelle. An der verläuft auch der 11,2 Kilometer lange Saarwellinger Premium-Wanderweg "Mühlenbach-Schluchten-Tour".

Jährlich findet jeweils im Mai eine Lichterprozession zur Kapelle statt. Anwohner der Straße kümmern sich seit drei Generationen um diese Stätte. Darunter auch Helga und Klaus Schäfer. "Wo heute die Bank am Waldrand steht", sagen sie, "ist der eigentliche Aussichtspunkt".



Der Ortsrand von Saarwellingen ist in den vergangenen Jahrzehnten bis fast auf 400 Meter an die Kapelle herangewachsen. Trotzdem dominieren den Blick nach Westen überwiegend Wiesen, Felder und Wald. Saarwellingen liegt hinter einer Kuppe, nur Dächer und höhere Gebäude ragen darüber hinaus.

Im Südosten verläuft die Straße zum Nordschacht. "Im Volksmund heißt es", erzählt Schwinn, "dieser Weg sei der Weg zum alten Schlossberg. Und der Sage nach hat 100 Meter von hier ein Schloss gestanden." Nach Norden, in Richtung Hoxberg, habe die Burg derer von Heseberg gelegen.

Unübersehbar ist auch von der Marienkapelle aus das Polygon auf der Ensdorfer Halde. Etwas weiter nach rechts zieht sich der östliche Rand des Pariser Beckens am Horizont entlang. Darauf stehen heute Windräder bei Berviller und der Europasender bei Felsberg. Nach Norden hin erstreckt sich Wald von Siersburg bis zum nahe gelegenen Hoxberg. "Seit es die Schluchtentour gibt", stellte Klaus Schäfer fest, "setzen sich hier viel mehr Leute hin und machen Rast".