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Saarwellingen: „Wir bringen das Ganze mal ins Rollen“

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarwellingen : „Wir bringen das Ganze mal ins Rollen“

HTW Saar stellte im Gemeinderat Tourismuskonzept für Saarwellingen vor: Die Natur punktet, anderswo hakt es.

„Es ist nicht so einfach, Saarwellingen zur Touristenhochburg zu machen“: Lächelnd hat dies Saarwellingens Bürgermeister Manfred Schwinn bei der jüngsten Sitzung des Saarwellinger Gemeinderates konstatiert. Dort wurde das Tourismuskonzept für die Gemeinde vorgestellt. Dabei, das war allen Anwesenden klar und wurde auch betont, geht es nicht darum, aus Saarwellingen einen unwiderstehlichen Magneten für Touristen aus Übersee und Co. zu machen. Sondern vielmehr darum, die Gemeinde generell bekannt und attraktiv für Gäste zu machen, Besucher nach Saarwellingen zu locken.

2018 wurde dazu die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar) von der Gemeinde kontaktiert mit dem „aus der Politik geäußerten Wunsch“, ein Tourismuskonzept zu erstellen. Es folgten Gespräche, Vorstellungen, Workshops und zahlreiche Befragungen, ehe Ende Oktober 2019 das „Freizeit- und Tourismuskonzept Saarwellingen“ von der HTW fertiggestellt war; nun wurde es im Rat präsentiert.

Marcus Bauer, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Tourismus und Kommunikation an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der HTW, brachte den Ratsmitgliedern stellvertretend für den verhinderten verantwortlichen Professor Achim Schröder ganz verschiedene Erkenntnisse mit, positive wie negative.

Zum Beispiel die: Echte Übernachtungstouristen in Saarwellingen zu finden, war gar nicht so einfach. Meist kommen die Besucher aus den Nachbargemeinden. Zu den Top-Attraktionen gehören laut Befragung vor allem der Tierpark, Wanderwege, Veranstaltungen und das Freibad. Als Stärken stellen die Wissenschaftler unter anderem die attraktive Landschaft/Natur, die vielen Veranstaltungen, die gute Erreichbarkeit, „einiges an Freizeitinfrastruktur“ wie Premiumwanderweg oder Schwimmbad, ein lebendiges Vereinsleben und die „positive Einstellung der Bevölkerung“ hervor.

Auf die Frage: „Was fehlt?“ kam bei der Befragung von Gästen und Bewohnern am häufigsten der Hinweis auf das gastronomische Angebot und Restaurants – ein Punkt, der später noch diskutiert wurde. Da bemängelte Peter Freichel (SPD), Ortsvorsteher von Saarwellingen: „Die Leute wollen Mittagstisch, aber es gibt keinen.“ Im Vortrag wurde das im Punkt Expertenbefragung so zusammengefasst: „Gastronomie ist vorhanden, problematisch sind mitunter aber Öffnungszeiten, Erreichbarkeit, Qualität und Wahrnehmbarkeit.“

Überhaupt, die Wahrnehmbarkeit: Bauer bemerkte, die Informationen für Gäste könnten besser aufbereitet sein, vieles sei uneinheitlich dargestellt. Es gebe keine „Leuchttürme“ und nur eine geringe (digitale) Sichtbarkeit der Angebote. Das sei aber in Zeiten von Smartphone und Co. wichtig. Außerdem würden die Angebote zu selten kombiniert. Bauer: „Nur wegen eines Premiumwanderweges kommt keiner ein verlängertes Wochenende.“ Er regte Pauschalen an, beispielsweise eine Wanderung mit Weinprobe und Shuttleservice oder Ähnliches; es gelte, Erlebnisse zu schaffen.

Und es gab noch weitere Empfehlungen. Etwa, die Angebote zu aktivem Naturtourismus zu pflegen und auszubauen, das Ortsbild zu verschönern, den Eventkalender zu fokussieren, Privatunterkünfte zu fördern, hier Synergien auszubauen und die Sichtbarkeit zu erhöhen. Und auch: Camper-Standorte zu schaffen. Hier hatte Bürgermeister Schwinn auch gleich die Frage an den Experten: „Haben Sie einen guten Platz für Wohnmobile gesehen?“ Auf dem weißen Blatt würde er zehn Plätze direkt neben dem Einkaufsmarkt installieren, sagte Bauer dazu schmunzelnd. Denn die Touristen wollten nah am Zentrum sein, dort ihr Bier trinken und dann zu Fuß zum Wohnmobil zurück – ein Argument gegen einen Standort am weiter weg gelegenen Freibad.

Das Konzept regte zu Diskussionen im Rat an. Es sei wichtig, dass „jemand von außen“ draufschaue, sagte SPD-Fraktionschef Stefan Kutscher. Der Linken-Vorsitzende Hans Kiechle beklagte, in Saarwellingen würden sogar Shisha-Bars geschlossen, die anderswo boomten. Und Michael Schneider, Grünen-Fraktionschef, stellte verschiedene Überlegungen an, wie man Bürger langfristig ansprechen könne.

Das Konzept, sagte Bürgermeister Manfred Schwinn später gegenüber der SZ, soll als „Denkanstoß“ dienen – und bei den anstehenden Haushaltsberatungen berücksichtigt werden. Er kündigte in der Sitzung auch eine öffentliche Veranstaltung an. „Wir bringen das Ganze mal ins Rollen.“