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Wie man mit Pappmaché Illusionen erzeugt

Kunst : Wie man mit Pappmaché Illusionen erzeugt

Wie eine Werkstatt für Stahlkünstler wirkte das Atelier von Mario Andruet am Sonntagmittag. In rostig braunen Farbtönen hingen Körper und Gesichter dreidimensional an den Wänden des Hofes hinter dem Haus in der Bilsdorfer Straße 28. Aber was auf den ersten Blick nach schwergewichtigen Werken aussieht, besteht in Wirklichkeit aus Pappmaché.

Der Rost ist aufgemalt. Aus solchen Materialien erschaffen Künstlerinnen und Künstler in Andruets Atelier die Illusion von menschlichen Reliefs, bizarren Landschaften und Fantasiegebilden.

„Das Atelier gibt es seit etwa sieben Jahren“, sagte Mario Andruet bei einer Pause mit Kaffee und Kuchen unter dem alten Kirschbaum im üppigen Garten. Derzeit seien es bis zu 13 Teilnehmende, die konstant mitmachten. Wegen der Ferienzeit war diesmal nur eine Handvoll von ihnen gekommen. „Jeder macht sein eigenes Ding“, stellte Bärbel dar, die seit rund vier Jahren dabei ist. Aktuell formt sie einen Strauß mit Kapseln von Mohnblumen. Für eine einzige davon brauchte sie anfangs acht bis neun Stunden. „Mittlerweile schaffe ich das schon in drei“, sagte sie und lachte. Denn diese Mohnkapseln sind aus dünnem rostigem Draht geformt. Den biegt sie über einer kleinen Blechdose halbrund. Gleich unter dieser Stelle folgt mithilfe eines Astes eine kleinere Rundung. Der Stiel besteht aus verdrillten Kupferdrähten. Mehrere dieser drahtigen Mohnkapseln bilden später einen Strauß. Der wiederum kommt in die Mitte zweier großformatiger Bilder. Eines davon mit übereinander liegenden Rechtecken in warmen Rottönen, das andere wie ein Spiegelbild in kühlen Blautönen. „Ich mag’s lieber kompliziert als einfach“, merkte sie lächelnd an. Locker ging es zu. Denn nicht die Konkurrenz um die beste Idee und Ausführung bestimmt die Runde. Im Vordergrund stehe der Spaß an der eigenen Kreativität, sagte Bärbel. Und die wartet oftmals nur auf den passenden Auslöser, um aufzuwachen. „Von mir aus“, sagte Hans aus Trier, „wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich künstlerisch zu betätigen. Ich kam über die Elke dazu und bin relativ neu dabei. So ein bis eineinhalb Jahre.“ Elke gehört nahezu von Anfang an dazu.

Eines seiner Werke ist ein Radfahrer, der sich ein steiles Gebirge hinauf kämpft. „Das ist in Anlehnung an eine Alpenüberquerung“, erklärte Hans. Aber der Radler zieht eine Weltkugel hinter sich her, was dem Bild eine besondere Note verleiht. Diese Idee kam von Mario Andruet. Andruet zeichnet seit der Kinderzeit und entwickelt sein Talent kontinuierlich fort. Seine nachdenklich machenden Gemälde haben die Krisen der Welt zum Thema und sind häufig fotorealistisch ausgestaltet. Bei vielen der Werke geht es ihm auch darum, „so wenige Sachen zu kaufen, wie möglich“. Dann kommen Materialien zum Einsatz, die schon jahrelang im Keller liegen, in Rumpelkammern oder auf Dachböden. Alte Zeitungen werden im Mixer zu Papierbrei. Damit entsteht die Grundmasse für Bilder oder filigrane Formen. Beispielsweise ein überdimensionaler täuschend echt aussehender Reißverschluss, der den Blick auf eine Szene öffnet.

Aus Motoren alter Waschmaschinen wickelte Andruet den Kupferdraht ab, der zu Mohnkapseln geformt wird. Eine alte Kuchenunterlage bildet das Gehirn eines Roboterkopfes, und Werkzeuge geben Skulpturen ausgefallene Formen. So steckt eine alte Zange in Elkes Gartenskulptur, zwischen Drähten ragt ein Korkenzieher hervor. Geduld gehöre dazu, bestätigte Elke. „Am Anfang hat mir das zu lange gedauert, bis die Papiermasse trocken war und man weitermachen konnte.“ Aber dann kam der Spaß am Formen und Gestalten. Außerdem sei man meist mit mehreren Arbeiten parallel beschäftigt.

Mit seiner langjährigen Erfahrung schärft Andruet den Blick für die Details. So wurde ein aus Draht geformter Blumenstrauß mit einer Lampe versehen. Die scheint von unten durch das filigrane Gebilde. „Dann sieht man die Blüte an der Decke“, erklärte er.

Einmal im Monat treffen sich die Künstler in Andruets Atelier. Bei gutem Wetter im Hof, anderenfalls im Haus, wo fertige Gemälde und Skulpturen wie in einer Ausstellung auf die Betrachter warten.

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