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Jazz
Was macht ein klasse Jazzer im Unterricht?

Ralf Rothkegel auf dem Weg zur Jam Session an der Werkhalle auf dem Campus Nobel.
Ralf Rothkegel auf dem Weg zur Jam Session an der Werkhalle auf dem Campus Nobel. FOTO: Gerhard Alt
SAArwelllingen. Der gestandene Jazzer Ralf Rothkegel ist Teilnehmer an der International Jazzwerkstatt. Es gibt immer noch etwas besser zu machen, ist sich Richter und Saxofonist „Jugde“ Ralf Rothkegel (77) sicher. Von Gerhard Alt

Wer Ralf Rothkegel kennt, wundert sich: „Was machst Du denn da?“ Denn „Dr. Ralf Rothkegel ist ein deutscher Jurist und Jazzmusiker. Von 1990 bis 2006 wirkte er als Bundesrichter am Bundesverwaltungsgericht. Er ist mit zahlreichen Veröffentlichungen zum
Sozialhilfe- und zum Asylrecht bekannt geworden.“ So steht es im Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Die sich wundern, wissen darüber hinaus, dass Rothkegel zum Urgestein der saarländischen Jazzszene gehört. Als er in den 70er und 80er Jahren Richter (daher rührt sein Künstlername „Judge“) im Saarland war, waren Claus Krisch und seine Brüder Dizzy und Thomas, Heiner Franz und Hans Mittermüller seine Weggefährten; ihre Band hieß Brainstream, ihre Bühne Gießkanne.


Rothkegel sagt: „Ich nehme an der Jazzwerkstatt teil vor allem wegen
der Verbindungen zu alten Freunden, die seit Jahrzehnten bestehen und
gewachsen sind: Tony Lakatos, Thilo Wagner und natürlich Claus Krisch.“ Wohl gemerkt: Der 77-jährige Jazzer, der seit 1960 Klarinette und seit 1972 Saxofon spielt, mit Größen wie Dieter Ilg, Wolfgang Köhler, Dusko Guykovich, Thilo Wagner und Peter Herboltzheimer auftrat, ist nicht etwa als Dozent in Saarwellingen, sondern reiht sich in die Schar der 72 Teilnehmer an den Workshops ein.

„Es ist interessant, sich hier tagtäglich mit seinem Instrument zu beschäftigen und andere Musiker zu hören. Da merkt man – bei sich und
den anderen –, was noch besser sein könnte“, erklärt Rothkegel. Die
Frage, was bei ihm denn noch besser sein könnte, beantwortet er: „Das sind beinahe Banalitäten. Es geht darum, wie man die Dinge so geregelt kriegt, dass man sich vorstellen könnte, sich selbst gerne zuzuhören. Dazu gehört aber auch, zu erleben, dass die größten Musiker sich auch immer noch weiter entwickeln. Dieser Prozess ist ja nie abgeschlossen auf der nach oben offenen Richter-Skala“, schmunzelt der Judge.



Außerdem habe er sich gefreut, im Workshop hier in Saarwellingen einen Juristenkollegen aus Kärnten getroffen zu haben. Die Atmosphäre sei „sehr angenehm und familiär“. „Von Seiten der Dozenten wird man mit Liebenswürdigkeit dort abgeholt, wo man glaubt, sich zu befinden. Bei
mir müssen sie sich dann etwas einfallen lassen. Ich bekomme aber viele Streicheleinheiten, das ist schon wahr.“

Am Samstag begleitet Rothkegel mit seinem Saxofon die Combo der
Sängerinnen – ein Mann ist auch dabei. Dann treten in der Werkhalle auf dem Campus Nobel ab 19 Uhr (bei freiem Eintritt) die Combos auf, die über die Woche gebildet und von den Dozenten gecoacht wurden. Am Sonntag gibt es dort um 19 Uhr noch ein Konzert mit dem Werkstattchor von Cleveland Watkiss und der Jailhouse Bigband unter Alfred Hedrich sowie Urknall von Ernst Urmetzer.