Titel von Doppelausstellung in Saarwellingen lautet "Grenzerkundungen"

Kunstausstellung : Von Pluralität von Weltanschauungen

„Grenzerkundungen“ mit gebogenem Eisendraht und großen Gemälden: Regina Zapp und Margot Zündorf Breuer laden im Kulturtreff Altes Rat- haus Saarwellingen zum Betrachten und Nachdenken aus ver- schiedenen Perspektiven ein.

Nur sachlich zu berichten, was zurzeit im Alten Rathaus zu sehen ist, wird der Ausstellung „Grenzerkundungen“ von Regina Zapp und Margot Zündorf Breuer nicht gerecht. Ihre Werke laden dazu ein, selbst neue Sicht- und Denkweisen auszuprobieren. Die Objekte und Gemälde sind so arrangiert, dass sich beim Flanieren durch die Räume immer wieder neue, und zwar nicht nur formale Verbindungen erkennen lassen.

Die Ausstellung ist eine Einladung, diesen schwer beschreibbaren Zusammenhängen nachzuspüren und eigene Grenzerkundungen zu unternehmen: über den ersten Blick und die üblichen Ansichten hinaus. Im besten Fall ereignet sich dann, was beim Jazz „Groove“ genannt wird – eine eigentümliche Harmonie. „Geplant ist nichts“, erklären die Künstlerinnen. Mit dieser Aussage scheint nicht nur das Entstehen dieser Ausstellung charakterisiert zu sein.

Margot Zündorf Breuer wurde 1960 in Rheine geboren, studierte Kommunikationsdesign und Malerei in Münster, lebte zehn Jahre mit ihrer Familie in Finnland (wo sie nach eigenen Worten die reduzierte Form kennenlernte), lebt und arbeitet in Mainz. Regina Zapp wurde 1961 in Duisburg geboren, ist gelernte Holz- und Steinbildhauerin mit Meistertitel. Sie kennen sich seit der Internatszeit am Bodensee. Anlässlich der Ausstellung „Terror trifft Kunst“ 2015 im Abteihof Wadgassen, an der sie mit anderen beteiligt waren, intensivierte sich der Kontakt.

„Wir haben einfach festgestellt, dass Margots Bilder und meine Objekte zusammenpassen, dabei hatten wir sie vorher nie zusammengestellt“, sagt Zapp und beschreibt damit zugleich, wie diese Ausstellung schrittweise genau die Gestalt annahm, die dem großen Publikum am Freitagabend präsentiert wurde.

Zapp biegt Eisendraht zu „Zeichnungen im Raum“ und erkundet dabei die Grenzen des Schwerpunktes ihrer Drahtgebilde. Je nach Blickwinkel ändern sich ihre Gestalt und der sie umgebende Raum. Alles fließt, die Wirkung hängt von der Perspektive ab. Zapp hat aber nach den Schattenlinien der Drähte einige Holz- und Linolschnitte gefertigt, die nun als Momentaufnahmen neben den Objekten hängen. In anderen Plastiken ordnet Zapp die Eisenstäbe nach der Blindenschrift und führt so vor Augen, dass es verschiedene Lesarten der Welt gibt. Und Membrane aus Papier scheinen einige Konstruktionen zusammenzuhalten, der Hörsinn spielt also auch eine Rolle fürs Weltbild.

Für eine Pluralität der möglichen Perspektiven und Weltanschauungen stehen auch die teils großformatigen Gemälde in Acryl, Ölkreide und Öl auf Holz, Leinwand oder Pappe von Zündorf Breuer. Sie sind gegenstandslos, abstrahieren nicht nach der realen Welt. Meistens handelt es sich um dicke, wie Sedimente aufgetragene Farbschichten, welche die Künstlerin mechanisch mit der Spitze eines umgedrehten Pinsels oder anderen Werkzeugen bearbeitet. Außerdem zeichnet sie in die nasse Farbe Linien. Wie gut diese Bilder zu Zapps Drahtobjekten passen, und woran das liegen mag, ob es nicht doch Absprachen zwischen den Künstlerinnen gab oder vielleicht doch eine Art universeller Harmonie wirksam ist, darüber wurde während der Vernissage laut und still nachgedacht.

Geöffnet bis 24. November dienstags bis sonntags von 18 bis 22 Uhr.

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