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So aufregend kann nutzlos sein

Die aktuellen Objekte von Martin Goerg sind Objekte – und sonst nichts. Foto: Hartmann Jenal
Die aktuellen Objekte von Martin Goerg sind Objekte – und sonst nichts. Foto: Hartmann Jenal FOTO: Hartmann Jenal
Saarwellingen. Zwischen nutzlos und alltagstauglich pendeln die Objekte in der aktuellen Ausstellung im Keramikgarten „GrünBlau“ in Saarwellingen. Der Besucher findet sich ebenso bewundernd wie versonnen lächelnd wieder. Johannes Werres

Ein Lächeln ist manchmal wirklich ein Lächeln und kein hintergründiges Grinsen, das könnte als eine Botschaft über der Gebrauchskeramik von Maria Meyer und Ute Matschke stehen, die im Keramikgarten "GrünBlau" 2016 von Nikolaus Gierend in Saarwellingen zu sehen sind. Wieder stellen vier anerkannte Künstler aus, drei davon Keramiker. Meyer formt, Matschke malt die kleinen Botschaften: Freu dich, und vermute nichts Böses hinter allem, was dich anlächelt. Es sind Teekannen, Becher, Tassen Teller, Platten, die ein Lächeln herausrufen. Mit Igeln, Hasen, Schafen, Kühen. In ein paar Gefäße haben sie Topfblumen gestellt, damit nehmen sie den Betrachter in eine versonnene Welt hinein. Die beiden Frauen arbeiten in Höhr-Grenzhausen.



Im Mittelpunkt der Gartenausstellung stehen Objekte eines Keramikers aus Höhr-Grenzhausen, Martin Goerg. Er ist in vielen Museen vertreten, oft ausgezeichnet worden. In Saarwellingen zeigt er, wie er sagt, überhaupt zum ersten Mal in großer Ausstellung, ganz eigenständige Objekte. Goerg verweigert jede Möglichkeit, sie nutzbar zu machen, etwa als Vase. In der Gestalt kommen viele am ehesten den Bonbongläsern mit den großen runden Öffnungen nahe, die früher in jedem Lebensmittelladen standen. Aber das ist wohl Zufall. Goerg dreht sie nicht auf der Scheibe, sondern baut sie auf. Zunächst bis auf halbe Höhe, dann folgt immer ein Knick und es geht weiter. Eine runde Öffnung, die sich oft wie nach oben streckt, gehört dazu. "Towards", entgegen, heißen manche Objekte - zu Recht.

An der strengen Form ist nichts zufällig. Goerg benutzt den Ton des Kannebäckerlandes, wie die Region um Höhr-Grenzhausen heißt. Daraus wurden hier einst die grau-blauen Töpfe für Schmalz oder Sauerkraut hergestellt, behandelt mit Steinzeugsalzbrand. Den nutzt auch Goerg, freilich modifiziert. So arbeitet er auch mit Porzellan-Engoben Beim Trocknen bilden sich eigentümliche Risse, und das Salz in der Glasur bestimmt selbst, wie die Oberfläche am Ende aussieht. Goerg: "Beeinflussen kann ich das nur ein bisschen, weil ich aus Erfahrung weiß, wie der Ofen an welcher Stelle brennt".

Goergs Objekte bieten den Arbeiten von Gastgeber Nikolaus Gierend Paroli, die wie in allen vorangegangenen Ausstellungen einen starken Pol bilden. Gierend zeigt seine Gefäße, seine wenigen aus Ton geschnittenen Objekte. Neu sind Vasen, die an Kerzenhalter erinnern, an denen Wachs herunter gelaufen ist.

Den nicht keramischen Part in der Ausstellung bilden sympathische, ganz unaufgeregte Objekte aus Weide. Geschaffen hat sich Monika Nickel. Kleine Fische, große Schwingen, die auf Eisenstangen stehen und im Garten zuhause sein können.



Geöffnet samstags und sonntags bis 11. September einschließlich von 15 bis 19 Uhr. In den Herrgärten 3, Saarwellingen , Telefon (0 68 38) 30 03.