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Advent
Seit Anfang Dezember wird gebastelt, gebacken und dekoriert

Die traditionelle Weihnachtsfeier im Haus Sägemühle in Saarwellingen ist für die Bewohner immer einer der Höhepunkte in der Adventszeit.
Die traditionelle Weihnachtsfeier im Haus Sägemühle in Saarwellingen ist für die Bewohner immer einer der Höhepunkte in der Adventszeit. FOTO: Carolin Merkel
Saarwellingen. Die Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtungen der Lebenshilfe in Saarwellingen bereiten sich im Haus Sägemühle auf Weihnachten vor. Von Carolin Merkel

Für Weihnachtsmuffel dürfte die Vorweihnachtszeit in den Einrichtungen der Lebenshilfe in Saarwellingen zu einer wahren Herausforderung werden. Denn spätestens Anfang Dezember, erzählt Martha Langenfeld, Leiterin der Tagesförderstätte und des integrativen Kindergartens Saarwellingen, wird überall eifrig gebastelt, fleißig gebacken und mit Feuereifer dekoriert. In den Gruppen hängen Adventskalender, stehen Adventskränze und Tannenbäume, die Geschichte von Maria und Josef wird immer wieder gerne gehört. „Zu unserem Tagesablauf im Advent gehört natürlich auch, dass nur zu uns der einzig wahre Nikolaus kommt“, erzählt Langenfeld.



Advents- und Weihnachtsfeiern, mal im kleinen, mal im ganz großen Rahmen, so wie im Haus Sägemühle, verkürzen die Zeit bis zum Fest bei allen. Sowohl die Bewohner der beiden Häuser als auch die Besucher der Tagesförderstätte fiebern dieser Zeit ganz besonders entgegen, sagt sie.

Aber nicht nur in den Einrichtungen, betont Langenfeld, auch außerhalb feiert die Lebenshilfe kräftig Weihnachten. „Wir besuchen Weihnachtsmärkte und gehen in Kirchen. Gerade die älteren unserer behinderten Menschen kennen diese Erlebnisse oft noch aus ihrer Kindheit. Viele Eltern sind inzwischen in einem Alter, in dem sie einen solchen Ausflug nicht mehr schaffen würden“, erzählt Langenfeld.

Besonders freuen, verrät sie, werden sich die Eltern wieder über ein individuell gestaltetes Geschenk. „Jeder stellt sein Geschenk selbst her. Wir benutzen die unterschiedlichsten Materialien. Am Ende sind immer alle ganz aufgeregt, das Geschenk den Eltern zu überreichen“, sagt die Leiterin.

Für Weihnachten hat Langenfeld einen großen Wunsch: „Dass es unseren Behinderten gut geht und sie und ihre Familien von Krankheiten verschont bleiben“. Einige der Menschen, die ihr anvertraut sind, begleitet sie bereits seit 30 Jahren. „Da verschmelzen Beruf und Hobby“, erklärt sie.



Dem können sich die beiden Leiter der Wohnhäuser Sägemühle, Michael Bär, und Wohnhaus Wald, Jürgen Volk, nur anschließen. Für beide, das betonen sie, sind die Wohngruppen in den Häusern längst zu Zweitfamilien geworden, auch und gerade an Weihnachten. Im Haus Sägemühle wohnen derzeit 64 Menschen im Alter von 19 bis 76 Jahren, im Haus Wald sind es 24 Bewohner. Zusammen, sagt Volk, sind sie wie eine Familie, sehen sich als „Ersatzeltern“. Volk erzählt: „Wir leben mit den Menschen zusammen, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr und auch an Weihnachten“.

An Heiligabend, erzählt Bär, wird in den Gruppen gefeiert, nach dem Abendessen werden die Geschenke verteilt. „Dabei kann es, wie in einer „normalen“ Familie auch mal Enttäuschungen geben, doch auch das gehört dazu“, sagt er. Besonders stolz ist man bei der Lebenshilfe in Saarwellingen auf die Kooperation mit der Kaserne der Bundeswehr in Saarlouis. Immer pünktlich zu Nikolaus sind die behinderten Gäste eingeladen, gemeinsam mit den Soldaten zu feiern. Jeder Teilnehmer der Lebenshilfe erhält ein individuelles Geschenk. „Das ganze wird nicht von oben gesteuert, sondern passiert mit ganz viel Herz aus der Basis. Für mich ist das gelebte, graswurzelmäßige Inklusion“, sagt Volk abschließend.