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Schüler rappen gegen Rassismus

Am Ende des Vormittags durften alle Schüler mit Rapper Drehmoment ihren eigenen Text einsingen. Foto: Carolin Merkel
Am Ende des Vormittags durften alle Schüler mit Rapper Drehmoment ihren eigenen Text einsingen. Foto: Carolin Merkel FOTO: Carolin Merkel
Saarwellingen. Gemeinsam hatten Saarwellinger Viertklässler abgestimmt: Um Diskriminierung soll es gehen. Promi-Rapper Drehmoment kam vorbei. Carolin Merkel

"Es gibt so viele komische Rassisten auf Erden, sie leben in Herden, sprechen alles nach, schimpfen und schlagen, das kann man nicht ertragen" - so lautete die erste Fassung von Jan, 14 Jahre und Förderschüler an der Waldschule in Saarwellingen. Stolz präsentierte er seine Notizen, angefangen von den Schlagworten bis hin zum fertigen Reim, erwies nicht nur er sich am Montag als sehr kreativer Kopf in seiner Klasse. Die Botschaft in seinem Vierzeiler ist klar, er will laut gegen Rassismus rappen.


Im Klassenrat hatten die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse über das Thema des vormittags abgestimmt. Rassismus und Diskriminierung, das war schnell klar, hierzu wollten die Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren einen Klassenrap aufnehmen. Mittendrin Ulrike Federspiel, pädagogische Fachkraft, die durch einen Zeitungsbericht auf das Angebot "Pop goes Grundschule" des Pop Rates Saarland aufmerksam geworden ist. "Ich habe Rapper Drehmoment einfach angeschrieben und gefragt, ob er auch an eine Förderschule kommen würde. Er hat sehr schnell geantwortet und heute ist er hier", freute sie sich. Viele Schüler, konnte sie beobachten, zeigten sich bereits am frühen Morgen, als es um das Sammeln erster Ideen ging, sehr kreativ und machten sich viele Gedanken über ihre Textpassage. "Bei uns wird Musik an der Schule groß geschrieben, das Thema Rap geistert schon seit Jahren durch die Schulgemeinschaft. Besonders toll finde ich es, wie der Rapper auf unsere Schüler eingeht", erklärte Federspiel. "Ich höre zu Hause sehr gerne Rap und habe schon die Tage gezählt, bis Drehmoment endlich zu uns kommt", erzählte der 14 Jahre alte Nico, der es, wie Jan, kaum erwarten konnte, endlich das Mikrofon in die Hand zu nehmen. Denn, das hatte der Rapper aus Saarlouis gleich zu Beginn versprochen, alle Schüler durften am Ende des arbeitsintensiven Vormittags ihren Vers einsingen, um so eine bleibende Erinnerung zu haben.

Um die Schüler zu motivieren und in den richtigen Rhythmus zu bringen, lief im Hintergrund der Beat. Plötzlich erhob ein Schüler seine Stimme und begann einen Freestyle. Von den Mitschülern und auch von Drehmoment, der als Markus Trennheuser im Jahr 1983 geboren wurde, gab es ein Respekt-Verneigungs-Schlachtruf. "Sicher muss ich hier an einigen Stellen ein wenig mehr helfen, aber gerade auch diese Schüler reflektieren sehr gut über sich selbst. Mit dem Rap schaffen wir es ganz einfach, die Sprachentwicklung zu fördern und der Rhythmus hilft dabei, dass sich die Schüler die Inhalte besser merken können", erläuterte Drehmoment.



Für die beiden Lehrkräfte und Schulleiterin Ute Krebs-Müller, die dem Projekt einen Besuch abstattete, verband der Vormittag Musik- und Deutschunterricht, für die Schüler bedeutete der Besuch von Drehmoment ein ganz besonderer Tag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.