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Runder Abend mit unaufgeregten Jazz-Profis

Runder Abend mit unaufgeregten Jazz-Profis

Die elfte „International Jazzwerkstatt“ hat mit einem Dozenten-Konzert in der alten Fabrikhalle auf dem Campus Nobel in Saarwellingen begonnen. Das Publikum erlebte Vielfalt und Qualität gleichermaßen.

"Wir haben nur zwölf Töne, was sollen wir machen!", ruft Gilad Atzmon , der künstlerische Leiter, als das Publikum lautstark eine weitere Zugabe fordert. Dann gibt er den Musikern auf der Bühne - zum Finale des Eröffnungsabends sind es sage und schreibe elf der 15 Dozenten der "International Jazzwerkstatt" - ein Stichwort: "My Funny Valentine". Künstler dieses Formats haben den Song im Gepäck wie andere Leute den Pass. Sie legen los, ungeprobt, doch jederzeit koordiniert. Die Zuhörer in der nicht komplett besetzten Backsteinhalle auf dem Campus Nobel sind Zeugen eines geglückten Experiments mit einer so nie wieder auftretenden Quasi-Bigband. Besonders schön die spontanen Duette der Bassisten Yaron Stavi und Davide Petrocca, der Saxofonisten Atzmon und Johannes Müller , des Sängers Pete Churchill und der Sängerin Sylwia Bialas.

Die Szene ist exemplarisch für den Abend, vielleicht für das ganze Festival. Da sind Standards aus dem American Songbook neben avanciertem Bebop zu hören, eine norwegische Volksweise neben Kompositionen von Atzmon und Müller, stets von mal expressiven, mal lyrischen Improvisationen begleitet. Die Vielfalt kennzeichnet das Eröffnungskonzert nicht allein. Die unaufgeregte Professionalität der Akteure in wechselnder Besetzung, ihr motiviertes und inspiriertes Spiel und die hohe Qualität desselben machen den Abend rund.

Herausragend das impressionistische Piano-Solo von Frank Harrison. Und was als leichte Fingerübung beginnt, macht Gilad Atzmon im Duett mit Harrison zu einem Kabinettstück.

Schon gewissermaßen traditionell hervorzuheben sind der Charme der alten Halle und die darin trefflich ausgestellten Gemälde von Roland Schmitt. Bürgermeister Michael Philippi ist voll des Lobes für das Organisationsteam von Conni Rohe und die Sponsoren, deren Zahl gewachsen ist. Apropos Zahl: Die 15er-Reihe ist merkwürdig wirksam: Laut Philippi unterrichten 15 Dozenten aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Kanada 45 Schüler. Von denen kommen 30 aus Deutschland, davon 15 aus dem Saarland und 15 aus Großbritannien, Syrien, Spanien, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz. Doch hier geht es nicht um Zahlenmystik, hier geht es um Kunst und gute Gefühle. Es hat jedenfalls gut angefangen. Und es wird bestimmt gut weiter gehen.

Am Montag gibt Atzmon mit seinem Oriental House Ensemble ein Konzert mit dem für ihn typischen anspielungsreichen Titel "The Whistle Blower". Am Dienstag bringen die Dozenten Stücke aus dem Amerikan Songbook zu Gehör. Am Mittwoch wird zum Piano-Festival geladen - womöglich der entdeckungsreichste Abend. Am Donnerstag spielen die Workshop-Teilnehmer im Rathaushof. Am Freitag gibt's das Chor- und Bigband-Meeting. "Each day is valentine's day" (jeder Tag ist Valentinstag), der letzte Vers im letzten Song des ersten Abends: ein Versprechen, wenn nicht für Verliebte, dann für Jazz-Liebhaber.