Regen vermischte sich mit Narrentränen

Regen vermischte sich mit Narrentränen

Regen und Sturmböen machten gestern den Narren das Leben schwer. Die Rosenmontagsumzüge fielen buchstäblich ins Wasser und dem Wind zum Opfer. Einige tapfere Gruppen gingen dennoch auf Tour.

Riesengaudi im Trockenen: In Piesbach zogen die Narren ganz einfach in die Halle um. Foto: Carolin Merkel. Foto: Carolin Merkel
Sturmfest und gut gelaunt waren die Faasendboozen gestern in Gerlfangen. Foto: Rolf Ruppenthal. Foto: Rolf Ruppenthal
Rosenmontag an der Garage: Familie Stein aus der Robert-Koch-Straße in Schmelz ließ sich trotz Ausfall des Rosenmontagsumzuges den Spaß an der Faasend nicht verderben. Kurzerhand wurde mit Freunden und Bekannten an der Bar in der Garage und davor gefeiert. Die närrischen Heerscharen begannen ihren „Umzug“ im Saal des Gasthauses Heinz in Schmelz-Außen. Foto: Fred Kiefer. Foto: Fred Kiefer
Dann halt Kneipentour durch Schwalbach: Die Narren ließen sich die Feuerlaune nicht verderben. Foto: Carolin Merkel. Foto: Carolin Merkel

Weder ausgefallen noch stattgefunden. Am verregneten Rosenmontag fanden die Saarwellinger Narren vielmehr eine improvisierte Lösung für ihren Umzug. "Der Umzuch ess abgesaat", ärgerten sich gegen 14 Uhr Mitglieder eines Karnevalsvereins. Das Aus für den Saarwellinger Traditionszug sei erst kurz nach Eins gekommen. Eine Gruppe prunkvoller Pharaonen und Pharaoninnen beklagte ebenfalls die kurzfristige Absage. "Mir senn jetz schonn ahngezoh onn fertich geschminkt." Wilde Tiere aus Afrika von der Bühnenvereinigung Saarwellingen zogen in Richtung Festzelt auf dem Rathausplatz. Sie seien die Einzigen, die die Strecke gegangen seien, erzählten sie. "Es waren Regen und Sturm gemeldet", begründete die offizielle Absage Thomas Nilius, Präsident der Gold-Blauen-Funken. Draußen schien da wie zum Hohn die Sonne vom blauen Himmel herab. Um 9.30 Uhr am Morgen sei noch beschlossen worden, dass der Umzug stattfinde, so Nilius. Danach hätten aber alle Musikvereine abgesagt, die großen Wagen, nicht mal einen Prunkwagen habe es noch gegeben. Dazu kamen Sicherheitsbedenken auf nassen Straßen. 1991 war zum letzten Mal der Saarwellinger Rosenmontagszug ausgefallen, damals wegen des Irakkrieges. Jetzt aber wollten sich die Faasendfreunde nicht grauen Wolken und Böen geschlagen geben. Gegen 14.30 Uhr trafen Frank I. und Claudia I. von den Gold-Blauen-Funken ein. Nach einem kräftigen Narrhallamarsch ging es mit den Rot-Weißen-Funken und tapferen Fußgruppen zur trotzigen Kurz-Parade über den Kreisel an der Wilhelmstraße. Sie erreichten das Zelt mit den nächsten Regenschauern, und dann ging die Party erst richtig los.

"Der Zug kommt - nicht", so hieß es gestern Nachmittag in Schwalbach. Bereits um neun Uhr am Morgen gab es von der IG Rosenmontag auf ihrer Homepage den folgenden Hinweis: "Da die Sicherheit der Teilnehmer und der Zuschauer im Vordergrund steht, müssen wir den für heute geplanten 44. Rosenmontagszug in Schwalbach-Griesborn auf Grund der aktuellen Wetterlage schweren Herzens absagen." Und dort, wo sonst die ersten Gudsjer und Schokoriegel durch die Luft fliegen, hatte sich eine bunte Clique Faasendbooze versammelt, wollte sich die Laune nicht verderben lassen. "Ich habe extra Urlaub genommen, habe mich schon auf den Umzug gefreut", sagte Sascha Noll aus Bous. Als gegen 14 Uhr die Sonne durch die Wolken blitzte, zeigten sich die Faasendbooze traurig, aber auch verärgert. "Das war echt total übertrieben, den Umzug heute früh abzusagen. Das hätte man auch viel kurzfristiger entscheiden können. Jetzt scheint die Sonne, und es ist nichts vom Sturm zu spüren", sagte Detlef Kepper aus Griesborn. Aber ganz aufs Feiern verzichten wollte er gestern nicht. Wir haben uns trotzdem verkleidet und machen dann eben eine extra lange Kneipentour", sagte er. Dem konnte sich auch Laura Bialek aus Schwalbach nur anschließen, "So richtig verstehen kann ich das auch nicht, dass der Umzug abgesagt wurde, aber dann starten wir hier am Schnawweleck unsere Tour halt zwei Stunden früher als sonst."

Gerlfangen, das "kleine gallische Dorf" hoch droben auf dem Gau trotzte am Rosenmontag Sturm und Regen . Als eine der ganz wenigen Kommunen im Saarland fand der Rosenmontagsumzug trotz aller Wetterwidrigkeiten statt, wenn auch in stark verkleinerter Form. Seit Wochen hatten Holger Staab mit den Mitarbeitern seines Sicherheits- und Service-Unternehmens gerödelt, um nach fünfjähriger Pause wieder einen Fastnachtsumzug auf die Beine zu stellen. Um 14. 11 Uhr, als der Zug eigentlich starten sollte, schien sogar die Sonne, aber es fehlten Zuschauer und Akteure. Nach und nach füllten sich jedoch die Lücken, auch wenn der erhoffte und eigentlich für den Veranstalter so dringend notwendige ganz große Ansturm ausblieb. Als sich der Zug dann mit rund 20-minütiger Verspätung in Bewegung setzte, gab es endlich mehr Zuschauer am Straßenrand als Akteure in den Wagen. Der nun aber wieder einsetzende Regen sorgte dann allerdings nur für ein kurzes halbstündiges karnevalistisches Strohfeuer, zumal es immer stärker schüttete und der Wind immer heftiger und auch kälter wurde. Das konnte die gute Stimmung bei den Akteuren nicht dämpfen. Nachdem die sieben, acht Festwagen ihre Ehrenrunde durchs Dorf absolviert hatten, stürmten Besucher und Akteure zum Teil pitschnass das geheizte Festzelt und die Nordgauhalle , um hier dann so richtig Fastnacht zu feiern.

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