Politiker bestürzt über langjährige Missbrauchsreihe in Saarwellingen

71-Jähriger in Untersuchungshaft : Empörung und Entsetzen über Missbrauch

Saarwellinger Politiker fordern Aufklärung. Eltern, deren Kinder den betroffenen Kindergarten besuchen, sollen jetzt informiert werden.

Der mutmaßliche Missbrauch mehrerer behinderter Kinder durch einen 71-jährigen Mann sorgt in Saarwellingen weiterhin für Empörung. Gemeinde und Einwohner zeigen sich bestürzt. Die genaue Anzahl betroffener Kinder ist zurzeit ungewiss. Nun meldete sich auch die Politik zu Wort. Der Saarwellinger-Ortsvorsteher Peter Freichel (SPD) reagierte betroffen und forderte eine lückenlose Aufklärung. Die Gemeinde, die sonst als Vorzeigeort in Sachen Kinder- und Jugendarbeit bekannt sei, würde durch „die Tat eines Einzelnen“ in ein negatives Licht gerückt. „Der Fall hat die Leute fassungslos gemacht“, sagte Freichel.

Auch der zweite Beigeordnete der Gemeinde, Frank Rolle (CDU), äußerte sich „empört und entsetzt“ über die Tat. Er forderte ebenfalls eine schnelle Aufarbeitung des Falls. „Wieso fällt sowas nicht auf?“, kritisierte Rolle.

Die Missbrauchsfälle sollen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen August 2016 und Juni 2019 ereignet haben. Aus Gründen des Verfahrensschutzes würden zurzeit jedoch keine weiteren Informationen bekannt gegeben werden, wie es hieß.

Von dem Missbrauch sollen mindestens zwei behinderte Kinder aus dem integrativen Kindergarten „Rappelkiste“ der Lebenshilfe betroffen gewesen sein. Diese seien aber schon 2016 und 2018 aus der Einrichtung ausgeschieden, sagte Uwe Nisius, der Geschäftsführer der Lebenshilfe im Kreis Saarlouis. Dabei betonte er, dass es sich bei dem Beschuldigten um einen Mitarbeiter eines externen Fahrdienstes handele. Im Umfeld des Kindergartens und auf den Fahrten dorthin soll es nach Nisius´ Aussagen zu keinen Übergriffen gekommen sein. Die integrative Ganztagseinrichtung der Lebenshilfe betreut vor allem Kinder mit geistiger Behinderung.

Anhand des der Polizei und Staatsanwaltschaft ausgehändigtem Materials würde nun geprüft, ob möglicherweise noch weitere Kinder der Einrichtung betroffen seien. „Nach unserem Kenntnisstand scheint dies bisher nicht der Fall zu sein“, sagte Nisius auf SZ-Anfrage.

Dennoch wolle man die Eltern nicht beunruhigen. Für diesen Freitag sei deswegen eine Informationsrunde geplant. „Wir wollen keine Ängste wachsen lassen“, so Nisius. Zudem stünde man mit dem Landesjugendamt in engem Kontakt, um den Fall „lückenlos zu behandeln“.

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