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Kabarettist Frank Sauer ist zu Gast in Saarwellingen

Kabarett : „Man kann ja auch fleißig entspannen“

Der Kabarettist Frank Sauer gastiert am Freitag im Alten Rathaus in Saarwellingen.

Das Paradoxe ist ihm nicht fremd, eher lieb. Er kann fleißig entspannen, Großstädtisches in der Provinz erleben, im Alltäglichen das Außerordentliche, und in der Schnelllebigkeit das Langsame entdecken. Frank Sauer ist studierter Literaturwissenschaftler, gelernter Schauspieler und Kabarettist, mit Preisen ausgezeichneter Kleinkünstler und gefragter Moderator, seit 30 Jahren auf großen und kleinen Bühnen der Republik unterwegs und in Blieskastel daheim. Seine Stärken sind sein Wortwitz, sein Gespür für Kuriositäten und seine Bühnenpräsenz. Eugen Roth und Heinz Erhardt, schätzt er so sehr, dass er ihnen ganze Tourprogramme gewidmet hat.

Jetzt kommt Frank Sauer nach Saarwellingen in den Kulturtreff Altes Rathaus. Auf dem Programm steht: „Mit Vollgas in die Sackgasse“. Das ist auch paradox (siehe oben), und Sauer macht in seinem Kabarett auf allerlei Ungereimtheiten aufmerksam. Dazu gehört angesichts der allenthalben beklagten Schnelllebigkeit inklusive Stress und Burn-out so etwas wie „Power-Relaxing mit Kompakt-Yoga bei meditativer Musik in fünffacher Geschwindigkeit“. Der „Fahrtenschreiber des Lebens“ weiß anscheinend mehr über uns als wir selber. Frank Sauer kündigt an: „Mit Vollgas in die Sackgasse ist ein Programm rund um alles, was zu schnell geht.“ Trotzdem – oder gerade deswegen – singt Sauer auch ein „ Loblied auf die Faulheit“.

Im Vorfeld auf seinen Auftritt hat Frank Sauer der Saarbrücker Zeitung sieben Fragen beantwortet.

Herr Sauer, Sie sind in Berlin und Stuttgart aufgewachsen, haben in
Siegen und Freiburg gelebt – Hat es mit Ihrem Beruf als Kabarettist zu tun, dass Sie im Saarland wohnen?

Sauer Das klingt jetzt zwar nach Schleimspur, aber ich bin tatsächlich wegen der Menschen hier ins Saarland gezogen. Ich finde die Saarländer ausgesprochen nett und sympathisch. Aber auch in manchen Bereichen recht schräg. Das ist eine wunderbare Mischung, die natürlich auch Steilvorlagen für Pointen hervorbringt. Das kommt einem Kabarettisten ziemlich entgegen.

Sie sind fleißig, mit mehreren Programmen unterwegs, und singen trotzdem ein Lob auf die Faulheit – Wie verträgt sich das?

Sauer Je mehr man sich energetisch am oberen Limit bewegt, umso dringlicher sollte man ab und zu auch das untere Limit ausloten. Man kann ja auch fleißig entspannen.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie dem Rentenalter näher kommen?

Sauer Ich lache es aus.

Was gibt Ihnen auf der Bühne Sicherheit und was macht Sie nervös?

Sauer Na ja, mit 30 Jahren Bühnenerfahrung steht man schon mit beiden Beinen auf den Brettern. Nervös – nicht nur auf der Bühne – macht mich eigentlich nur, wenn ich weiß: Es ist kein Schwenker im Haus.

Glauben Sie – mit Kurt Tucholsky –, dass Satire alles darf, oder worüber
würden Sie niemals Witze machen?

Sauer Es gibt kein Thema, das Satire nicht bearbeiten darf. Es kommt aber immer drauf an, wer das Ziel des satirischen Angriffs ist, was die Motivation des Angriffs ist und mit welcher Munition geschossen wird. Insofern gibt es moralische Grenzen, die übrigens auch Tucholsky beschrieben hat.

Haben Sie einen Tipp, wie man sich auch in schlechten Zeiten Humor
bewahren kann?

Sauer Man kann über die Absurditäten des Alltags und die allzu menschlichen Schwächen immer lachen – unabhängig davon, ob man die Zeiten als gut oder schlecht bewertet. Nur sollte man sie – und auch sich selbst – nicht zu ernst nehmen.

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Auftritt am 12. April in Saarwellingen?

Sauer Das Programm „Mit Vollgas in die Sackgasse“ dreht sich um alles, was zu schnell ist. Oder zu langsam. Und um die Sackgassen dieser Welt. Der Klimawandel ist die Sackgasse der Mobilität, die Volksmusik die Sackgasse des Intellekts, die Gewöhnung ist die Sackgasse der Ehe. Aber am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Humor eine ziemlich lustige Sache sein kann.

Frank Sauer „Mit Vollgas in die Sackgasse“ ist am Freitag, 12. April, 20 Uhr, im Kulturtreff Altes Rathaus Saarwellingen, Vorstadtstraße 77. Kartenvorbestellung: Infotheke Rathaus Saarwellingen, Telefon (0 68 38) 9 00 72 01, oder beim Kulturamt, Telefon (0 68 38) 9 00 72 82. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt acht Euro.