| 20:13 Uhr

Altes Rathaus Saarwellingen
Zack, buff: Ein vergnüglicher Abend

 Frank Sauer, vielseitig in Gestik und Mimik
Frank Sauer, vielseitig in Gestik und Mimik FOTO: Alt / Picasa
SAARWELLINGEN. Der Kabarettist Frank Sauer hat im Alten Rathaus dem Publikum ein unterhaltsames Programm geboten.

„Der kann Kabarett. So muss lustig.“ Das ist Reduz-Sprech. Wenn der die Redaktionen erreicht, meint Frank Sauer, könnte das der Anfang eines Berichts über seinen Auftritt im Alten Rathaus sein. Der Kabarettist beobachtet Reduktionen unserer Sprache. Satzteile fehlen, Kommunikation mit Abkürzungen grassiert. Sauer gibt nicht den Oberlehrer, eher den Spießumdreher. Einen notorischen Handywischer und Lauttelefonierer im Wartezimmer schlägt er mit den eigenen Waffen, indem er sich gleichfalls laut telefonierend über ihn lustig macht. In solchen Szenen ist Sauer am stärksten. Obwohl Solist, bringt er ganze Sketches auf die Bühne, übernimmt mit weitem mimischen und gestischem Repertoire selbst alle Rollen, spricht oft zungenbrecherisch schnell und parodiert lächerliche Zeitgenossen, die alle im Publikum aus dem Alltag kennen. Man müsse nur mal aufmerksam durchs Kaufhaus gehen. Und schon entsteht eine neue Szene: „Er und sie kaufen für ihn eine Hose. Wunderbar.“


Zu den gravierendsten aktuellen Veränderungen gehört laut Sauers Befund die Schnelllebigkeit. „Mit Vollgas in die Sackgasse“ heißt sein Programm, das er jetzt vor zwei Dutzend Zuhörern gegeben hat – inklusive solch merkenswerter Sätze wie „Wer später bremst, ist länger schnell“.

Sauer ist ein gescheiter, nicht komplizierter Kabarettist, ein lustiger, nicht flapsiger Komödiant, ein veritabel reimender Rapper, auch mal ein schnulziger Schlagersänger, schließlich ein scharfer, nie zynischer Kritiker. Kritik hat ja mit Unterscheiden zu tun. Sauer erkennt Ungereimtheiten, unterscheidet zwischen den erwarteten Segnungen der Technik und ihren tatsächlichen Folgen. Die ach so bequemen Vereinfachungen für den Einkauf im Supermarkt bewirken: „Die wissen vor mir, was ich brauche.“ Skeptisch ist er gegenüber politisch korrekter Sprache. „Der Neonazi hat’s auch nicht leicht. Ich möchte keiner sein.“ Schneemann oder Schneefrau zu sagen, sei auch problematisch, also: „Wasserperson mit Kristallisationshintergrund.“ Mit Ironie geht Sauer zurückhaltend um. Dass sich kaum einer traut Ausländer oder Flüchtlinge zu sagen, kommentiert er: „Wir müssen sie nicht anders benennen, sondern anders behandeln.“



Richtig weh tut Sauer keinem, aber die Seitenhiebe auf gestylte Fußballer oder Comedyshows sitzen. Nachdenklich stimmt seine Beobachtung, dass ein 14-tägiger Urlaub mit vollem Programm einem wie vier Tage vorkommt, „das macht den Urlaub so teuer“. Apropos Geschwindigkeit: „Wer warten muss, bekommt Zeit geschenkt. Aber was machen die: Handy raus und wischen. Unter uns gesagt: Solche Leute dürfen wählen.“

Das Private ist das Politische, hieß es mal. Um es mit Sauer – „zack, buff, fertig“ – zu sagen: Ein vergnüglicher Abend. Das Publikum lachte, meist schmunzelnd, nie Schenkel klopfend.

Gut, dass die Saarlandklischees vom Anfang eine kurze Episode blieben. Übrigens, in der witzigen Story über seinen Saarland-Einbürgerungstest in Blieskastel berichtete Sauer, dass die prüfenden Ratsherren statt Halskrausen (wie auf den Bildern der flandrischen Alten Meister) „Kringel Lyoner“ getragen hätten. Mit Verlaub, „Ringel Lyoner“ muss es heißen.

(gal)