Juliane Butterbach aus Saarwellingen erzählt von besonderer Freundschaft

Kostenpflichtiger Inhalt: Es begann 1963 : Außergewöhnliche (Brief-)Freundschaft

Obwohl die beiden Frauen auf zwei Kontinenten leben, sind sie seit Jahrzehnten in inniger Freundschaft verbunden – dank einer Lehrerin aus Paraguay. Juliane Butterbach aus Saarwellingen erzählt eine einzigartige Geschichte.

„Wenn ich Sara nicht kennengelernt hätte, wäre vieles sicher ganz anders verlaufen. Sie bereichert mein Leben sehr.“ Juliane Butterbach sitzt am großen Esstisch in ihrem Saarwellinger Elternhaus, in dem sie seit 2005 wohnt. Um sich herum hat sie Fotos verteilt. Farb- und Schwarzweiß-Bilder, neue und alte Aufnahmen. Sie strahlt.

Manchmal, wenn die 67-Jährige von all dem erzählt, was sie und ihre Freundin schon erlebt haben, werden die Augen feucht. Aber es sind keine Tränen der Traurigkeit, sondern der Rührung und Dankbarkeit. „Wenn es mal nicht gut lief, ging es mit ihrer Hilfe immer weiter.“ Gemeinsam erlebten die beiden Frauen schöne Stunden und auch Schicksalsschläge. „Jede gibt der anderen viel“, sagt Butterbach. Und das bestätigt auch die so Gelobte, Sara Cousineau, per E-Mail an die Redaktion: „Wir sind ganz eng verbunden. Wir sind einfach wie Schwestern.“

Solch eine enge, langjährige Freundschaft über Jahrzehnte ist an sich schon etwas Wertvolles. Aber nicht nur das: Juliane Butterbach und die fast gleich alte Sara Cousineau leben auch auf zwei verschiedenen Kontinenten. Immer schon. Dass sie sich überhaupt kennenlernten – Zufall? Schicksal? Auf alle Fälle: „Das ist eine Geschichte, die es bestimmt nicht zwei Mal gibt“, findet Juliane Butterbach.

Juliane Butterbach, die ehemalige Lehrerin Erna Reedekopp und Sara Cousineau (von links). Reedekopp lebt mittlerweile in Leopoldshöhe. Foto: Richard Cousineau

Und deswegen erzählt sie sie der SZ. Es begann 1960. Butterbach, die damals von allen „Karla“ genannt wurde, besuchte die zweite Klasse der Weyersbergschule im Saarbrücker Stadtteil Burbach, als sie eine junge neue Lehrerin aus Paraguay bekam: Erna Reedekopp. Zwei Jahre blieb die Pädagogin. „Wenn wir gut gelernt hatten, erzählte sie Geschichten für uns aus dem Urwald, wir waren sehr begeistert.“

Als die Lehrerin wieder zurückberufen wurde, formulierte Schülerin Karla einen Abschiedsbrief. Und erhielt etwas später Post von Sara aus Paraguay, die dort mit ihrer Deutsch sprechenden Familie lebte und ebenfalls Schülerin von Erna Reedekopp war. Die hatte in ihrer Klasse gefragt, wer eine Brieffreundschaft beginnen wolle. „Sie schrieb in witzigem Deutsch, schickte Bilder“, erinnert sich Juliane Butterbach an die ersten Kontakte.

„Wir haben immer ganz pünktlich geschrieben“, gibt Sara Cousineau zu Protokoll. Das blieb auch so, als sie als Teenager nach Kanada zog. Dort lebt sie heute noch. Aus den Mädchen wurden Frauen. Sara war die erste, die heiratete und Kinder bekam. Sie hat vier Kinder, Freundin Karla zwei. Dazu kommen mittlerweile 26 (Sara) beziehungsweise drei Enkel (Juliane). Beide sind zum zweiten Mal verheiratet.

Über all diese Zeit blieben sie immer in Kontakt. Doch erst nach dem Tod von Saras erstem Mann – sie war 36 – begannen die gegenseitigen Besuche und Unternehmungen. Mal mit ihren Lieben (auch die übrigen Familienmitglieder verstehen sich prima), mal allein. Und nicht nur in der eigenen Heimat, sondern auch in ganz anderen Gefilden.

Da ihre Geburtstage nur wenige Tage auseinander liegen, feierten sie oft gemeinsam: den 50. auf Mallorca, zum 55. Geburtstag ging es an die Niagara-Fälle – und bei diesem Besuch gab’s übrigens auch eine Haustrauung für Juliane Butterbach und ihren zweiten Mann im Cousineau’schen Haus. Cousineau ist Mennonitin.

Der 60. Geburtstag wurde in der Toskana zelebriert. Eine Erkrankung von Juliane Butterbach machte den Plänen zum 65. Geburtstag einen Strich durch die Rechnung. Aber auch da gab ihr die Freundin aus der Ferne Kraft: „Die ganze Gemeinde betete für mich.“ Längst geht es ihr wieder gut – und die Planungen für den gemeinsamen 70. Geburtstag laufen. Waren es früher Briefe und Telefonate, die die beiden verbanden, läuft nun die Kommunikation über WhatsApp und E-Mail.

Gerade haben sie sich wieder getroffen, in Saarwellingen. Und nicht nur da. Zur Saarschleife ging’s unter anderem, auf Rhein-Kreuzfahrt – und nach Leopoldshöhe (bei Bielefeld). Denn dort lebt die Frau, die einst die beiden „vermittelte“: die ehemalige Lehrerin, mittlerweile 85 Jahre alt. „Wir haben sie über Menschen in Bolivien und Paraguay ausfindig gemacht“, erzählt Juliane Butterbach. Und berichtet weiter, wie begeistert die Seniorin von dieser besonderen Verbindung ist: „Sie war total überwältigt, als sie hörte, dass wir beide immer noch befreundet sind.“ Den Abschiedsbrief habe sie immer noch in ihrem Album: „Sie bezeichnete es als Gnade, sowas zu erleben.“

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