Jazz: Jazz-Musiker bereiten den Fans ein Fest

Jazz : Jazz-Musiker bereiten den Fans ein Fest

Die Jazzwerkstatt hat am Mittwoch wieder alle Erwartungen übertroffen. Das letzte Dozentenkonzert folgt heute im Campus Nobel.

Der Kalauer „The Art of Blakey – A Tribute to the Jazz Messengers“ als Titel des zweiten Dozentenkonzertes der Jazzwerkstatt am Mittwoch sollte ein Späßchen sein. Es wurde ein großer Jazz­abend mit dem Schlagzeuger Art Blakey als Paten. Wie dieser mit seinen Messengers Ende der 50er-Jahre den Bebop mit Elementen aus Soul und Blues bereicherte, ist bis heute so lebendig, dass eine zeitgenössische Musik daraus wird, die weder gefällig noch provozierend ist.
Auf der Bühne der Werkshalle im Campus Nobel steht ein mehr oder weniger zufällig zusammengestelltes Ensemble. Die größten Erwartungen sind an Tony Lakatos geknüpft, der in diesem Jahr anstelle des so beliebten Johannes Müller Saxofon spielt und in den Workshops unterrichtet.

Er enttäuscht die Erwartungen nicht. Sein Spiel ist super sauber, nie auf Effekte aus; er lässt sich ein auf die Musik und die Mitspielenden. Da wirkt selbst eine Bebop-, oder mit Blick auf Blakey besser gesagt, Hardbop-typische komplizierte Harmonik wohl temperiert. Lakatos widersteht der Gefahr, welche die Virtuosität birgt, die er ohne Zweifel an den Tag legen könnte. Er nimmt sich auch als Boss zurück, lässt die anderen eigene Wege finden, leitet diese gelegentlich ein oder nimmt wie beiläufig die Anregungen auf.
Da stehen formidable Bopper auf der Bühne. Thilo Wagner, das Swing-Fundament der Saarwellinger Jazzwerkstatt, ist buchstäblich
schnell dabei, was immer angesagt ist; mal rasant, mal ganz, ganz leise.

Ebenso gut etabliert in Saarwellingen ist Davide Petrocca, der Bass für alle Fälle. Nicht nur beim grandiosen Duett mit dem Bassisten zieht der Schlagzeuger Enzo Zirilli, dem beim Blakey-Abend naturgemäß besondere Aufmerksamkeit gilt, verlässlich mit. Ihm gelingt es wie dem großen Vorbild, mehrere Rhythmen zusammen zu spielen. Beim Höhepunkt des Abends, dem Blues March von Benny Golson vor der Pause, schickt er, wie Blakey, sein Schlagzeugsolo voraus.

Saul Rubin mit seiner Gitarre ist keineswegs Sättigungsbeilage für den ohnehin fetten Sound, er liefert schöne Soli in Reihe ab. Der kanadische Trompeter Kevin Dean spielt sein Instrument stets vornehm-elegant. Er und Lakatos gehören eher der lyrischen Bläser-Fraktion an; und sie harmonieren wie ein Tanzpaar. Mit Jim Hart, Debütant in Saarwellingen, geschieht, was sich am ersten Abend andeutete: Er wird zum Publikumsliebling am Vibrafon.

Ähnlich viel Beifall ernten die beiden Sängerinnen. Barbara Bürkle verkörpert eher die Begeisterung, Brigitte Beraha eher die Vergeistigung. Diese singt mit analytischer Klarheit, jene mit expressiver Sinnenfreude. Beiden nimmt man ab, dass sie gerne singen; wenn sie es zusammen tun, kommen Gefühl und Kalkül zusammen, das passt.

Und so wurde dann das letzte Stück des Abends, der Jazzstandard Caravan, zu einem Fest für die Sängerinnen und alle Musiker – mit Jam-Charakter.

Überhaupt ähnelte der zweite Konzertteil dem All-Stars-Abend am Montag. Das erste Set jedoch war, mit einem Superlativ, den sich der Reporter verkneifen sollte, gesagt: Vielleicht das Beste in den 13 Jahren Jazzwerkstatt in Saarwellingen.

Aber es folgen noch klasse Konzerte: Am Freitag beschließt Gilad Atzmon mit seinem Oriental House Ensemble die Dozentenkonzerte. Am Samstag spielen die Combos, was sie während der Woche eingeübt haben – erstmals auch in der Werkhalle auf dem Campus Nobel. Und am Sonntagmorgen kann man noch spontan in den Workshop für
Jazzchor eintreten, der abends auftritt, bevor die Jailhouse Bigband und die Bigband Urknall zum Abschluss aufspielen.

Letztes Dozentenkonzert heute, Freitag, 19.30 Uhr, Saarwellingen, Campus Nobel. Mit Gilad Atzmon & the OHE playing the Music of John Coltrane mit Frank Harrison (Klavier), Yaron Stavi (Bass), Enzo Zirilli (Schlagzeug), als Gäste: Tali Atzmon (Gesang), Jim Hart (Vibraphon, Schlagzeug) und Saul Rubin (Gitarre)

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