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Jazz-Menü bietet aufregenden Querschnitt

Der Saarlouiser Pianist Claus Krisch spielte am Eröffnungsabend (linkes Foto) mit Davide Petrocca, Johannes Müller und Enzo Zirilli (von links). Rechtes Foto: Konspirativ (von links): Saul Rubin, Yaron Stavi und Gilad Atzmon. Fotos: Gerhard Alt
Der Saarlouiser Pianist Claus Krisch spielte am Eröffnungsabend (linkes Foto) mit Davide Petrocca, Johannes Müller und Enzo Zirilli (von links). Rechtes Foto: Konspirativ (von links): Saul Rubin, Yaron Stavi und Gilad Atzmon. Fotos: Gerhard Alt FOTO: Konspirativ (von links): Saul Rubin, Yaron Stavi und Gilad Atzmon. Fotos: Gerhard Alt
Saarwellingen. Das erste Konzert der „International Jazzwerkstatt“ hat Appetit gemacht: Auf den Unterricht für die 75 Teilnehmenden aus Deutschland, Großbritannien, Luxemburg, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Syrien und auf die Konzerte, die noch folgen. Gerhard Alt

Fest steht: Die 15 Dozenten der 12. International Jazzwerkstatt sind klasse Musiker, und die Backstein-Werks halle auf dem Campus in Saarwellingen ist ein einzigartiger Konzertsaal. Insofern haben die Besucher in der voll besetzten Halle gewusst, was sie am Montagabend erwartete - wenn auch nicht ganz. Denn gerade das zur Tradition gewordene Auftaktkonzert der "All Stars" birgt stets Unwägbarkeiten. Einige der Dozentinnen und Dozenten sind erstmals dabei, die Formationen spielten in ungewohnter Zusammensetzung, und die Halle war teilweise saniert worden.


Um mit dem letzten Punkt zu beginnen: Die Zwischendecke wurde entfernt, das Dach mit Metallplatten erneuert. Die Halle wirkt größer, offener, hat - auch noch in der Dämmerung - mehr Licht, aber auch mehr Hall. Letzteres konnte man offensichtlich durch eine sogar gegenüber manchem Konzert in den Vorjahren bessere Abmischung ausgleichen.

Maschine nimmt Fahrt auf



Wie zu erwarten, bot das Konzert eine Art "Menu Dégustation" - mehrere Gänge unterschiedlicher Art, nicht gerade von allem, aber von vielem etwas - Swing, Bebop, Samba, Balladen und Kabinettstückchen - jederzeit in hoher Qualität. Da sind keine Abstriche zu machen; von wegen "alles improvisiert", "aus dem Stegreif" oder so: Diese Künstler spielten sehr professionell und jederzeit echt, ungekünstelt und vor allem: gern.

Das merkte das Publikum und freute sich, wenn der Saxofonist Gilad Atzmon , seit drei Jahren künstlerischer Leiter des Festivals, ein Duett mit dem Pianisten Thilo Wagner begann und daraus ein sich stetig steigerndes mächtiges Bebop-Gebilde wurde. Wie im Western, wenn eine Dampflokomotive durch die Prärie fährt: Der Start ist noch behäbig, zeugt aber schon von einer Menge Energie. Dann nimmt die Maschine Fahrt auf, wird immer schneller, heißer, lauter, mächtiger, als gelte es, Banditen oder Indianern davon zu eilen.

Sängerinnen geben Kostprobe

Parallel läuft quasi eine Büffelherde mit, der der neue, viel beschäftigte Drummer Enzo Zirilli und der Percussionist Adriano Adewale akustisches Futter geben. Immer wieder schweift der Blick über den Horizont, begleitet von ruhigen Tönen, wie zum Luftholen oder Wasserauftanken, beispielsweise, wenn Kevin Dean die Trompete bläst. Die Kostproben der Sängerinnen Barbara Bürkle und (neu dabei) Brigitte Beraha haben neugierig gemacht, ebenso wie die beiden Gitarristen Saul Rubin und der neue, flotte Nicolas Meier sowie die Bassisten Yaron Stavi und Davide Petrocca.

Besonderen Anlass zum Fachsimpeln werden die Pianisten Claus Krisch, Thilo Wagner und (neu aus England dabei) John Turville und der Vergleich der Saxofonisten Atzmon und Johannes Müller geben - "All Stars", die gut miteinander können. Bildungsminister Ulrich Commerçon , erstmals Schirmherr, der sich erfreulich kurz fasste, befand treffend, dass der Jazz ein Muster für unsere Gesellschaft sein könne, weil sich in ihm individuelle Freiheit und Zusammenarbeit vereinten. Mit Gilad Atmon ließe sich hinzufügen, dass daraus nicht nur etwas Zweckmäßiges, sondern vor allem Schönes entsteht.

Das nächste Konzert ist am heutigen Mittwoch, 10. August, 19. 30 Uhr unter dem Titel "From Swing to Bop". Am Donnerstag ist "Guitar Night", am Freitag spielen "Atzmon und Gäste", am Samstag (als einzige Veranstaltung im Rathaushof) ist das Konzert der Teilnehmercombos, am Sonntag in der Werkshalle "Choir Big Band Meeting". Neu ist der Workshop-Tag für alle.

Erstmals sind am Abschluss-Sonntag der Jazzwerkstatt (14. August) offene Workshops. Barbara Bürkle leitet ab 10 Uhr den Ganztagesworkshop "Jazzchor" für Mitglieder von Chören (je nach Gruppe zwischen 35 und 20 Euro). Ein Schmankerl ist von 15 bis 16.30 Uhr "Improvisation for Everyone: All Instruments, All Levels & All Styles" geleitet von Gilad Atzmon (gestaffelt zwischen acht und 15 Euro). Angesprochen: Anfänger und Fortgeschrittene aus Musikvereinen oder Bigbands und Hobbymusikanten. Vormittags von 10.30 bis 11.30 Uhr: "Jazz with Kids", geleitet von Gilad Atzmon & Band für Kinder zwischen vier und neun Jahren (fünf Euro).

Die Kulturmanagerin Cornelia Rohe, Telefonnummer (0 68 38) 90 07-1 28 oder E-Mail kultur@saarwellingen.de, informiert und nimmt Anmeldungen entgegen.