Interview: Cornelia Rohe über International Jazzwerkstatt

Jazz-Festival : „Keiner rockt da was runter“

Zum 15. Mal treffen sich Jazzer aus vielen Ländern zur International Jazzwerkstatt in Saarwellingen.

Frau Rohe, 15 Jahre International Jazzwerkstatt in Saarwellingen, Sie als hauptamtliche Kulturmanagerin der Gemeinde organisieren das Festival, eine Woche Workshops für die Jazzer und öffentliche Konzerte. Wird’s nicht langsam langweilig?

Rohe Es ist nach wie vor meine Lieblingsveranstaltung. Es macht einfach Spaß und bringt für eine Woche internationales Flair nach Saarwellingen.

Welche Rolle spielt die Woche im Saarland?

Rohe Mittlerweile wird sie im ganzen Saarland wahrgenommen. Heute kommt etwa die Hälfte der Teilnehmer an den Workshops aus dem Saarland. Und dann gibt es Geschichten wie die des Silent Explosion Orchestra, das wir jetzt, beim 15. Workshop, im Konzert hören. Gut die Hälfte dieses saarländischen Ensembles hat mal in irgendeiner Form an den Workshops teilgenommen. Kevin Naßhan, der Leiter, kam als ganz junger Drummer in die Workshops, um zu lernen. Er kam sofort gut an. Ein gleichermaßen zurückhaltender wie kommunikativer Typ, sehr sympathisch. Eine andere Erfolgsgeschichte sind die Three Tenors, die Saxophonisten Gilad Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller, haben sich vergangenes Jahr bei der International Jazzwerkstatt Saarwellingen als Experiment gegründet – und schon in diesem Jahr haben sie eine erfolgreiche Europa-Tournee gemacht. Wir hören sie als ,Three Tenors plus’ auch dieses Jahr in Saarwellingen.

Wie hat sich das Interesse des Publikums für die Konzerte während der Workshop-Woche entwickelt?

Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Jedes Jahr haben die fünf Konzerte zusammengenommen um die 1000 bis 1200 Besucher. Was sich geändert hat: Die Leute kommen nicht mehr nur zum Eröffnungskonzert, das war und ist immer gut besucht. Das Publikum kommt verstärkter als in den Anfangsjahren zu den einzelnen Dozenten-Konzerten, die während der Woche stattfinden.

Haben Sie einen speziellen Tipp für Konzertbesucher in diesem Jahr?

Rohe Schwierig. Für einen Jazz-gewohnten Zuhörer ist sicher das Eröffnungskonzert ein Tipp. Bei den anderen drei Dozenten-Konzerten kann ich nie im Vorhinein sagen, wie es wird. Das ist immer unvorhersehbar. Die Drei Tenöre mit ihrer Spielfreude, zum Beispiel, die sich ja überhaupt erst auf einem der Jazz-Workshops in Saarwellingen gefunden haben. Es gibt immer wieder Höhepunkte mit Gänsehaut-Feeling – zum Beispiel gab es in einem Jahr an Klavier und Saxophon eine regelrechte Auseinandersetzung zwischen Gilad und Thilo im Duo. Das sind solche Momente, in denen jeder aus einer anderen Richtung kommt und sie beginnen, sich hochzuschaukeln. Insofern – man kann Glück haben und ist bei einem Highlight dabei, aber voraussagen kann man das nicht.

 Improvisation gehört zu diesen Konzerten? Abhängig vom Augenblick?

Rohe Ganz viel, ja. Als der Saxophonist Toni Lakatos zum ersten Mal dabei war und ankam, war er, sagen wir mal, nicht gerade angetan. Nach dem ersten Abend war er sowas von begeistert und sagte zu mir: Das ist irre, du legt da oben auf der Bühne was hin, die Leute spielen zusammen, es macht Spaß – und das auf einem dermaßen hohen Niveau, keiner rockt da was runter. Die Musiker proben vor diesen Konzerten auch nicht viel, vielleicht eine halbe Stunde. Sie spielen an, zeigen, wie ihr Part gemeint ist, und das war’s.

Wie finanziert sich der Workshop?

Die „Three Tenors“, die Saxophonisten (von links) Gilad Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller, fanden sich erstmals 2018 bei der International Jazzwerkstatt in Saarwellingen. Inzwischen touren sie erfolgreich durch Europa. Auch dieses Jahr sind sie in Saarwellingen zu sehen und zu hören. Foto: Künstler/Detlev Monter

Rohe Die Gemeinde legt schon drauf, um die 20 000 Euro. Das ist aber für eine Veranstaltung auf diesem Niveau nicht wirklich viel Geld. 6000 Euro gibt es von Sponsoren, und inzwischen nehmen wir etwa so viel Geld über den Eintritt ein wie über die Teilnahmegebühren, jeweils gut 12 000 Euro. Insgesamt liegen wir bei einem Kosten-Volumen von 50 000, 55 000 Euro. Das ist vergleichsweise wenig, es ist möglich, weil die Dozenten für ein geringes Entgelt kommen – und gerne kommen und wir von vielen Seiten wohlwollende logistische Unterstützung haben. Und all die ehrenamtlichen Helfer sollten wir an dieser Stelle auch einmal erwähnen!

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