International Jazzwerkstatt Saarwellingen 2019

Jazz : Ein Fest für die Sinne auch der Puristen

In der alten Werkshalle auf dem Campus Nobel in Saarwellingen findet die „15. International Jazzwerkstatt“ statt. Regionale wie interna-tionale Jazzer und ihr Publikum treffen sich an einem Ort, der beinah ein bisschen verwunschen ist.

Ein Festival muss nicht puristisch sein, damit es so richtig was für Puristen ist. Schnörkelloser, guter internationaler Jazz in der alten Backsteinhalle von Nobel in Saarwellingen, das ist wahrhaft puristische Atmosphäre, da gibt es nur Töne und Schwingungen. Für Leute, die auf alles verzichten möchten, was Begriffe wie Event nahelegen. Aber auch Puristen werden die Augen nicht verschließen vor der hübschen Lage des alten Gebäudes direkt am künstlichen See. Und den Bildern von Gaetano Groß und Susanne Hamann. Und sie werden den übrigen Sinnen nicht vorenthalten, was der Biergarten hergibt, vegetarische und vegane Varianten inklusive. An sechs Tagen lädt die International Jazz Werkstatt in Saarwellingen ein, von Montag, 5. August, bis Sonntag, 11. August.

Es ist die 15. Veranstaltung dieser Art. Der Workshop für Jazzer ist gekoppelt mit einer hochkarätig besetzten öffentlichen Konzertreihe.

Montag, 5. August, 19.30 Uhr:

Es beginnt mit „Opening of International Jazzwerkstatt. All-Stars in Concert.“ Sprich: Eröffnung mit allen. Das Eröffnungskonzert gibt einen Einblick in das Können der Dozenten. Verschiedene Jazzstile sind an diesem Abend zu hören – Bebop, Latin, Modern, Swing. Auftritt auch für Gilad Atzmon, den mittlerweile in Athen lebenden israelischen Jazzer mit bitterbösem Humor, ein Stammgast in Saarwellingen.

Zu sehen und zu hören also: Ensembles mit Gilad Atzmon (Art Director, Saxophon); Adriano Adewale (Schlagzeug, Percussion); Barbara Bürkle (Gesang); Kevin Dean (Trompete); Ulrich Glaszmann (Bass); Frank Harrison (Piano); Jim Hart (Vibraphone, Schlagzeug); Claus Krisch (Piano); Tony Lakatos (Saxophon); Randolph Matthews (Gesang); Nicolas Meier (Gitarre); Johannes Müller (Saxophon); Davide Petrocca (Gitarre); Yaron Stavi (Bass); John Turville (Piano); Thilo Wagner (Piano); Enzo Zirilli (Schlagzeug).

 Der Einlass auf das Freigelände Campus erfolgt ab 18 Uhr.

Mittwoch, 7. August, 19.30 Uhr:

Three Tenors PLUS: Die Three Tenors mit Gilad Atzmon haben sich im letzten Jahr bei der International Jazzwerkstatt Saarwellingen als Experiment gegründet – und bereits in diesem Jahr haben sie eine erfolgreiche Europa-Tournee gemacht.

 „Dass Tenorsaxofone im freundlichen Wettstreit die Instrumente kreuzen, hat im Jazz eine lange Tradition. Bei dem swingenden Fight geht es nicht darum, die anderen Kombattanten mit technischen Kapriolen auszustechen, sondern um das Austauschen von musikalischen Argumenten, von Ausdrucksmitteln“, sagt die Saarwellinger Kultur-Managerin Cornelia Rohe. „Besonders interessant wird es, wenn jeder Saxofon-Kämpe einen anderen Hintergrund besitzt – das ist bei den „Three Tenors“ der Fall.“

Gilad Atzmon bringt unter anderem nahöstliche Prägungen mit, der bei der Bigband des Hessischen Rundfunks tätige Ungar Tony Lakatos gehört zu den „wandelbarsten und virtuosesten europäischen Saxofonisten überhaupt“ (Rohe), und der aus dem Saarland stammende Johannes Müller versteht sich darauf, Jazz-Tradition und Moderne in Einklang zu bringen. Mit ganz eigenen Mitteln würdigen die drei Asse, Atzmon, Lakatos und Müller, Vorbildern und Legenden wie John Coltrane, Sonny Rollins oder Dexter Gordon. Begleitet werden die drei vom Orient House Ensemble – Yaron Stavi, Frank Harrison und Enzo Zirilli, der Stammformation von Gilad Atzmon. Das Plus zu dieser ursprünglichen Besetzung setzt auch andere Schwerpunkte. Zunächst mit Thilo Wagner, „einem der meistgefragten Jazz-Pianisten Deutschlands“, der tief im Swing verankert ist, sagt Rohe. Gefolgt von dem Kanadier Kevin Dean an der Trompete mit seinem warmen, weichen Ton sowie Jim Hart am Vibraphon, die weitere Klangfarben in das Gesamtensemble bringen.

Donnerstag, 8. August, 19.30 Uhr From Bop to Beat: Dieser Abend gehört der Sängerin Barbara Bürkle und – zum ersten Mal dabei – dem Londoner Sänger Randolph Matthews. Barbara Bürkle gehört schon seit Jahren zum Saarwellinger Dozenten-Stammpersonal und betreut in diesem Jahr auch wieder den Tagesworkshop „Jazzchor“, der am 11. August stattfindet. Die preisgekrönte Stuttgarter Sängerin vereint absolute Intonations-Sicherheit und exzellentes Timing mit mitreißender Spielfreude und Spontaneität. Ihr musikalisches Spektrum reicht von Bossa Nova bis Gospel, von Blues bis Swing und von Bebop bis Pop.

Jazz, Soul, Weltmusik, Blues – all diese Schlagworte gelten für den aus London kommenden Sänger und Multi-Sänger Randolph Matthews. Seine Stimme setzt er mit seltener Empathie und verblüffender Virtuosität für eigene Songs ebenso ein wie für neu gestaltete Klassiker. Zurzeit erforscht er die Grundmuster der amerikanischen Musik und lässt sich dabei von Meistern wie Jimi Hendrix, Muddy Waters, Leadbelly oder Ali Farka Tourè inspirieren. In seinen Konzerten vermischt Randolph seine afro-karibischen Wurzeln mit dem British Sound und kreiert so einen eigenen Mix aus Blues, Soul, Beatbox, Jazz und ethnischen Klängen.

Ebenfalls zum ersten Mal Dozent bei der International Jazzwerkstatt ist der aus Saarlouis stammende und in Den Haag lebende Bassist Ulrich Glaszmann. Zusammen mit Jim Hart, Adriano Adevale, Kevin Dean, Nicolas Meier, Davide Petrocca und John Turville haben die beiden Sänger einen ganzen Pool an Spitzenmusikern, die sie begleiten werden.

Freitag, 9. August, 19.30 Uhr

All Blues from Gospels to Pop. An diesem Abend gestalten Gitarristen und Pianisten das Programm. Auch sie können aus einem großen Pool an Spitzenmusikern ihre jeweilige Begleitung auswählen. Nicolas Meier an der Gitarre ist ein Grenzgänger zwischen Worldmusic und Jazz, Davide Petrocca – in den Vorjahren als Bassist im Team – stellt diesmal sein Können an der Gitarre unter Beweis. Die Pianisten Frank Harrison und John Turville sind beide in London mit den verschiedenen Formationen unterwegs. Insofern wird nicht nur ein breites musikalisches Spektrum geboten, sondern auch die Besetzung wird häufiger variieren: von Solo über Duo bis hin zu Tentett-Besetzungen. Mit dabei sind: Nicolas Meier, Davide Petrocca (Gitarre); Frank Harrison, John Turville (Piano); accompanied by Barbara Bürkle, Randolph Matthews (Gesang); Thilo Wagner (Piano); Gilad Atzmon, Tony Lakatos, Johannes Müller (Saxophon); Claus Krisch (Piano); Ulrich Glaszmann, Yaron Stavi (Bass); Enzo Zirilli (Schlagzeug).

Samstag, 10. August, 19 Uhr

Das Abschlusskonzert: Fast eine Woche lang werden die Teilnehmer der Workshops von ihren Dozenten unterrichtet. Was sie sich als Combo in diesem Zeitraum erarbeitet haben, werden sie an diesem Abend zeigen. Die Combos werden jeweils von zwei Dozenten gecoacht – und es ist immer wieder überraschend, wie vielfältig die Ergebnisse dieser Arbeitsphase sind. Und noch etwas wird deutlich: Die Combos sind das Herzstück dieser Veranstaltung, hier begegnen sich die Dozenten und Schüler, hier will jeder zeigen, was er kann. Die Freude am Spiel, die Freude an der Musik springt meist als Funke auch auf das Publikum über. Eintritt frei

Sonntag, 11. August, 19 Uhr

Chor & Bigband-Meeting: Auch in diesem Jahr endet der Workshop mit dem Chor & Bigband-Meeting – zum Abschluss der Konzertreihe begegnen sich am Abend der von Bürkle geleitete Werkstattchor sowie zwei Bigbands der Region, die Jailhouse-Bigband und das Silent Explosion Orchestra. Eröffnet wird der Abend vom Werkstattchor, der die während des Tagesworkshops erarbeiteten Stücke vorstellt. Im Anschluss daran ist die Jailhouse-Bigband unter der Leitung von Alfred Hedrich zu hören. Die Bigband mit ihren rund 20 Musikern hat auch in diesem Jahr ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. So werden sowohl Jazzstandards, Werke aus den Bereichen Funk und Latin als auch Stücke aus der neuzeitlichen Bigband-Musik zu hören sein. Special Guest ist wieder der Leiter der International Jazzwerkstatt, Gilad Atzmon.

 Als zweite Formation haben die Organisatoren das Silent Explosion Orchestra gewonnen. Der saarländische Schlagzeuger Kevin Naßhan vereint mit seiner 2014 gegründeten Big Band „einige der talentiertesten jungen Jazzmusiker der südwestdeutschen Musikszene“, wie Organisatorin Cornelia Rohe sagt. Die Band fühlt sich dabei nicht nur der traditionellen Swingmusik verpflichtet, sondern überschreitet gerne auch die Grenzen zu anderen Genres. Das Konzert in Saarwellingen wird für die Musiker ein ganz besonderes werden, da viele Musiker selbst vor ihrem Studium regelmäßig Teilnehmer des Workshops waren. Außerdem fand das allererste öffentliche Konzert der Band im alten Rathaus in Saarwellingen statt.

Eintritt: Festivalpass 50 Euro; Einzelkarte 15 Euro. Tickets bei http://www.ticket-regional.de; Einlass auf das Campusgelände ab 18 Uhr, in die Halle erst nach dem Soundcheck. Campus Nobel, Werkshalle, Saarwellingen, Alfred Nobel Allee 64 (am See).

Am Mittwoch spielten die "Three Tenors" (von links): Gilad Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller. Foto: Gerhard Alt. Foto: Gerhard Alt
Barbara Bürkle, regelmäßig Dozentin bei der Jazzwerkstatt, bietet auch einen offenen Workshop für Chormitglieder an. Foto: Gemeinde Saarwellingen
Vermischt afro-karibische Wurzeln und British Sound: Randolph Matthews. Er ist am Donnerstag zu hören. Foto: Giulio_Giac/Giulio_Giaccconi
Einzigartig ist die Stimmung in der alten Nobel-Backsteinhalle, hier bei der Eröffnung 2018. Foto: Gemeinde

www.international.jazzwerkstatt.de

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