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In Saarwellingen droht eine Kostenexplosion

Der hintere Teil des Geländes in der Schloßstraße müsste mit einer Stützmauer abgefangen werden. Diese soll jetzt deutlich teurer werden, als in den Planungen angenommen. Foto: Thomas Seeber
Der hintere Teil des Geländes in der Schloßstraße müsste mit einer Stützmauer abgefangen werden. Diese soll jetzt deutlich teurer werden, als in den Planungen angenommen. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Saarwellingen. Das Feuerwehrgerätehaus in Saarwellingen könnte deutlich teurer werden. Die Freien Wähler machen das jetzt öffentlich und liefern einen Lösungsvorschlag. Oliver Spettel

Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Saarwellingen steht in der Gemeinde ganz oben auf der Agenda. Eigentlich hätte es nach der erfolgten Ausschreibung bald losgehen sollen. Eigentlich. Im Moment, so lässt es eine Pressemitteilung der Freien Wählergemeinschaft jedenfalls vermuten, scheint es zu knirschen. Die kalkulierten Kosten drohen angeblich, aus dem Ruder zu laufen.


Ursprünglich habe man sich auf einen Kostenrahmen von rund 2,5 Millionen Euro verständigt, bestätigte FWG-Sprecher Hubert Masloh im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwischenzeitlich gab es Steigerungen. Dass laut FWG-Veröffentlichung jetzt mit fast 3,8 Millionen Euro gerechnet werden muss, liegt vor allem wohl an einer notwendigen Stützmauer, mit der Anliegergrundstücke abgesichert werden sollen. Das günstigste Angebot nach Ausschreibungsschluss habe bei rund 600 000 Euro gelegen. Kalkuliert waren laut FWG gerade mal 60 000 - ein Zehntel.

Der Aufsichtsrat der zuständigen Saarwellinger kommunalen Entwicklungs- und Vermögensmanagementgesellschaft (KEV) hat wegen dieser Kostensteigerung laut FWG in nicht-öffentlicher Sitzung die Rücknahme der Ausschreibung beschlossen. Da, wie Masloh berichtet, unter Umständen mit Schadensersatzansprüchen des Ausschreibungsgewinners zu rechnen sei, wolle der KEV-Vorstand den Rücknahmebeschluss in einer Sitzung am 9. Februar wohl wieder rückgängig machen.



Beschlüsse oder Zahlen wollte Saarwellingens Bürgermeister Manfred Schwinn auf Anfrage unserer Zeitung vorerst nicht bestätigen. Zahlen in diesem Zusammenhang gehörten derzeit noch nicht in die Öffentlichkeit.

Schwinn verweist darauf, dass es sich bei den Ausführungen der FWG um Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen handele. Deshalb sehe er einen Verstoß gegen die KEV-Geschäftsordnung - Paragraf elf ist mit "Verschwiegenheitspflicht" überschrieben.

"Im Moment sind wir in der Beratung, wie wir es machen", bestätigt Schwinn. Die Verwaltung werde Lösungsvorschläge erarbeiten und diese dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorlegen.

Einen Vorschlag haben die Freien Wähler bei ihrem Gang in die Öffentlichkeit gleich mitgeliefert. Sie haben sich nach eigenem Bekunden die Situation im Ort angeschaut und dann mit realistischen Zahlen gerechnet. Sie schlagen vor, die Neubaupläne in der Schloßstraße zu verwerfen. Stattdessen könnte auf dem bereiteten Baugrund ein lange benötigtes, neues Haus für Vereine entstehen. Wegen der kleineren Dimensionen eines solchen Baus würde die teure Stützmauer entfallen können. Einen geeigneten Standort für die Saarwellinger Feuerwehr sieht die FWG nicht weit entfernt. In ihrem Vorschlag fasst sie das Gelände der alten Kappelschule ins Auge. "Genau an dieser Stelle kann das neue Gerätehaus praktisch 1:1 nach der bisherigen Planung errichtet werden", heißt es. Dazu gebe es dort mehr nutzbare Freifläche. Die Kosten für eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Schulgebäudes schätzt die FWG auf mehr als 1,5 Millionen Euro, die Kosten für einen Abriss nur auf etwa ein Drittel dieser Summe.

Die Freien Wähler kommen zu dem Schluss, dass diese Variante in jedem Fall günstiger wäre, als die bisherigen Pläne weiter zu verfolgen - mögliche Regressforderungen bei Rücknahme der Ausschreibung mit eingerechnet. Außerdem würden so gleich zwei vorzeigbare und vor allem realisierbare Projekte in Saarwellingen umgesetzt.

Der FWG-Vorschlag ist natürlich auch Bürgermeister Manfred Schwinn bekannt. Der verspricht im SZ-Gespräch, auch diesen für die Vorstandssitzung am 9. Februar zu prüfen. Welches Ergebnis er sich wünscht, will er nicht verraten: "Klar weiß ich, wo ich die Feuerwehr gerne hätte", sagt er. Der Entscheidung des Gremiums wolle er aber nicht vorgreifen. "Auf jeden Fall müssen wir die Kosten im Auge behalten."