Greesen feiern in Saarwellingen

"Eine Greese ist eine ganz feine Frau." Im Sonntagsstaat wie vor 100 Jahren steht Tina Fery-Daub am Fetten Donnerstag im Saarwellinger Zentrum. Vom Hütchen bis zu den Schuhen ist nahezu alles in Grau gehalten.



Eingehakt hat sie ihren Partner Michael Sieger. "Das geht relativ schnell, eine Greese zu werden", sagt der. "So etwa eine halbe Stunde." Für die beiden im 40. Lebensjahrzehnt gehört das Greesentum zur Tradition. Um die weiter zu bewahren, sind sie selbst seit drei Jahren an der Faasend verkleidet unterwegs.

"393 Jahre gibt es die Greesen", weiß der Wellinger Karnevalist Norbert Müller-Adams. "Seit 1624." Zurück gehe dieser Brauch auf Schmuggler im 16./17. Jahrhundert in der damals Freien Reichsherrschaft Saarwellingen. Um nicht von den Zöllnern erwischt zu werden, verkleideten sich Schmuggler oft als alte Frauen, die im Wald nach Brennholz suchten. In Wellinger Mundart waren das die Greesen.

Dies kam den Faasendfreunden in Saarwellingen wieder in Erinnerung, als etwa um 1850 zunehmend die Faasend gefeiert wurde. Was bei vielen im Schrank hing, wurde dann zum Kostüm für Umzüge und Maskenbälle. "Mir gehen jedes Johr", versichert ein Greesen-Quartett älterer Damen. "Mir senn seit 20 Johr dabei." Und dann zeigen sie, was eine Greese mit sich trägt. "Enn Plädsch, de Fratz onn et Schmiesett." Ersteres ist eine Art langer Fächer, mit dem auch mal ein Klaps ausgeteilt wird. Das Lieblingsobjekt dafür sind natürlich die Männer. Die "Fratz" ist eine Gesichtsmaske, und das "Schmiesett" ein weißes Spitzentuch vor der Brust.

Gegen 11.11 Uhr präsentierten sich die Greesen vor dem Saarwellinger Rathaus. Insgesamt gebe es noch so um die 100, sagt Müller-Adams. Der Rathaussturm am Abend war bei vielen schon seit Monaten vorgemerkt, ebenso der Einsatz an den tollen Tage bis Faschingsdienstag.

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