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„Endlich in Ruhe Rasen mähen“

„Endlich in Ruhe Rasen mähen“

Noch 133 Tage bekleidet Michael Philippi das Amt des Bürgermeisters von Saarwellingen. Ab dem 1. Juli ist er der neue EVS-Geschäftsführer. Der Entschluss zum Wechsel sei ihm schwergefallen, sagt er, und erinnert sich an Höhepunkte seiner Amtszeit, an weniger schöne Momente und erzählt vom Rasenmähen unter Zeitdruck.

Erst 2019 hätte die Amtszeit von Michael Philippi als Bürgermeister von Saarwellingen enden sollen. Mehr als 92 Prozent der Wähler sprachen sich 2011 dafür aus. Aber nun ist schon früher Schluss. Am 30. Juni räumt er seinen Schreibtisch im Rathaus und zieht weiter zum Entsorgungsverband Saar (EVS), wo Philippi ab 1. Juli als Geschäftsführer tätig ist.

Was hat ihn zu diesem Schritt bewogen? "Den einen Grund für diese Entscheidung, die mir wirklich schwergefallen ist, gibt es nicht. Aber niemand ist so froh darüber wie meine Frau", sagt Philippi. Denn nach zwölf Jahren, in denen nicht nur viele Abende in der Woche, sondern auch die Wochenenden mit Terminen versehen waren, verspricht der Job beim EVS geregeltere Arbeitszeiten. "Runter von der zeitlichen Überholspur", nennt Philippi das, merkt aber an, dass es zu den Aufgaben eines Bürgermeisters gehöre, bei vielen Anlässen zugegen zu sein. Aber das erfordert auch im Privatleben ein straffes Zeit-Management. "Ich habe in den letzen zwölf Jahren nicht einmal den Rasen gemäht, ohne dass ich davor und danach einen Termin hatte. Künftig kann ich endlich mal in Ruhe Rasen mähen", sagt der 58-Jährige und lacht. Natürlich sei die Aufgabe beim EVS, mit 500 Mitarbeitern, reizvoll, gibt er zu, wenngleich Geld - 1220 Euro brutto mehr beträgt das Gehalt künftig - keine Rolle gespielt hätte.

Wenn Philippi auf seine Amtszeit zurückblickt, fällt der Fokus immer wieder auf den Bergbau. "Der Bergbau war natürlich prägend. Vor allem nach dem Beben 2008. Das war eine schwierige Zeit, weil niemand wusste, wie es weitergehen sollte. Viele haben vom Bergbau gelebt, aber die Schäden waren einfach nicht mehr zu akzeptieren", sagt Philippi. Aber mit Besonnenheit, Vernunft und Realitätssinn habe die Gemeinde diese Zeit gut überstanden. "Das zielorientierte Handeln des Gemeinderates, der immer in Sinne der Bürger, und nicht parteiideologisch gehandelt hat, war fast ein Segen in all den Jahren", sagt Philippi. "Beknackte Beschlüsse" habe es selten gegeben.

Der emotionalste Moment seiner Amtszeit hängt ebenfalls mit dem Bergbau zusammen. 50 Jahre nach dem Grubenunglück in Luisenthal, bei dem auch viele Saarwellinger ums Leben kamen, verlas Philippi 2012 bei einer Feierstunde auf dem Friedhof in Reisbach die Namen der Opfer. "Als ich da auf dem Friedhof stand und die Namen verlas, blickte ich in die Gesichter der Angehörigen, die ich fast alle kenne. Da hatte ich mehrmals einen dicken Kloß im Hals. Ein solches Gefühl habe hatte ich weder davor noch danach noch einmal."

Die Gemeinde Saarwellingen hat den 18. September als Termin für die Bürgermeisterwahl vorgesehen. Bewilligt das Ministerium diesen Termin, müssen die Wahlvorschläge bis Mitte Juli eingereicht sein.

Viel Puste in der Politik, wenig Puste am Saxophon


Michael Philippi vor seinem Wechsel zum EVS


Zwar ist Amtszeit von Michael Philippi mit vielen guten Erinnerungen gespickt, aber ein Vorwurf lässt im keine Ruhe. Der Bürgermeister erzählt von Tiefpunkten, Plänen und seiner Leidenschaft fürs Saxophon.Von SZ-RedakteurMarc Prams

Saarwellingen. Angesprochen auf Rückschläge oder Enttäuschungen kommt Michael Philippi sofort der Vorwurf der Mauschelei beim geplanten Verkauf der ehemaligen Grundschule in Schwarzenholz in den Sinn. Ein Vorwurf, den er gerne noch aus dem Weg räumen möchte, denn das sei der "emotionale Tiefpunkt" seine Amtszeit gewesen.

Erreicht und auf den Weg gebracht habe Philippi, der stets von "wir" spricht, einiges. "Saarwellingen ist als familien- und kinderfreundliche Gemeinde gut aufgestellt", sagt er. "Wir haben die Infrastruktur dafür auf Vordermann gebracht und viel in Sachen Barrierefreiheit erreicht." Dass die Kita Kinderland ihren Standort in Saarwellingen hat, sei in diesem Zusammenhang "ein echtes Highlight".

Auch große Projekte, wie die Neugestaltung der Bahnhofstraße, konnten umgesetzt werden. Andere, wie etwa der Bau des Einkaufszentrums auf der Breitwies, stehen kurz vor der Vollendung. Seit zehn Jahren beschäftigt die Breitwies den Bürgermeister schon, weshalb er den städtebaulichen Vertrag dafür unbedingt noch in seiner Amtszeit unter Dach und Fach bringen möchte. 133 Tage verbleiben ihm noch dazu.

Danach, ab dem 1. Juli, erhofft sich Philippi etwas mehr Freizeit. "Ein Schritt zurück ins normale Leben", sagt er. In der freien Zeit, die er mit seiner Frau nutzen will und in der er auch wieder mehr Sport treiben möchte - vor allem Rad fahren -, soll auch wieder Platz für eine Leidenschaft sein, die in den letzten Jahren etwas eingerostet ist: das Saxophonspiel. 2003 hat er zum letzen Mal mit seiner damaligen Band Sunshine auf einer Bühne gestanden.

Comeback beim JazzworkshopGastauftritte, wie kürzlich an Fastnacht, bringen Philippi "an den Rand der körperlichen Erschöpfung". Noch, aber das soll sich wieder ändern. Und ein Comeback beim International Jazzworkshop in Saarwellingen will der baldige Bürgermeister a. D. nicht ausschließen.Welchen Rat er seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin mit auf den Weg geben möchte? "Keinen." Es sei denn, er werde danach gefragt. "Wenn ich nicht mehr im Amt bin, steht es mir auch nicht zu, Ratschläge zu erteilen. Das wäre nicht richtig." Und ein Tipp, wer künftig seinen Platz einnimmt? "Ich habe keine Ahnung, wer antreten wird. Aber ich bin sehr gespannt."