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Eine Saarländerin sorgt in Spanien für Furore

Reisbach. Vor elf Jahren erfüllte sich Monika Schröder einen Traum. Die Reisbacherin eröffnete ein Hotel in Jerez, im Süden Spaniens. Auch heute noch, mit 70 Jahren, ist sie mit einer ansteckenden Begeisterung bei der Arbeit – und ihr Hotel mittlerweile die Nummer eins der Stadt. Peter Wilhelm

In der Calle Larga, der Einkaufsstraße von Jerez , pulsiert das Leben. Menschen flanieren gut gekleidet durch die Fußgängerzone oder sitzen draußen vor den Bodegas und trinken ihren Fino, wie der trockene Sherry genannt wird. Die Abendsonne taucht die Stadt in ein warmes Licht. Der leichte Wind hat die Hitze des Tages aus den Straßen vertrieben. Angenehm ist es jetzt.

"Ob ich es mal bereut habe? Nein, nie", sagt Monika Schröder gut gelaunt. Seit elf Jahren lebt die gebürtige Reisbacherin jetzt in Jerez . 2004 erfüllte sie sich hier einen lang gehegten Traum: ein eigenes kleines Hotel - an einem der schönsten Plätze der Stadt. Drei Sterne, 15 Zimmer, drei, vier Angestellte.
Ein Zufall wird zum Glücksfall


Jerez ist bekannt für seinen Sherry , seine edlen Pferde und den Flamenco. Es ist die Region, wo Spanien am spanischsten ist. Eigentlich hatte Schröder hier ein Landhotel gesucht. Doch dann fand sie durch Zufall Casa Grande - und der Zufall wurde zum Glücksfall.

In den 20er Jahren war das Haus für eine Aristokraten-Familie gebaut worden, samt Dienstboten wohnten einmal 30 Menschen hier. Dann aber verfiel das Haus irgendwann. Schröder erweckte es aus dem Dornröschenschlaf, ließ es liebevoll restaurieren. Viele Kacheln und Teile des Marmorbodens konnten gerettet werden. Der Aufwand lohnte sich. Heraus kam: ein kleines, aber feines Hotel mit ganz viel Flair.

"Eigentlich war es ja eine verrückte Idee, sich auf so etwas einzulassen", sagt Schröder. Außer als Gast hatte sie vorher nie etwas mit Hotels zu tun. Und sie war damals 59. Da denkt mancher eher über den Ruhestand nach, als darüber, eine neue Karriere einzuschlagen. Noch dazu in einem fremden Land. Doch Schröder hatte genaue Vorstellungen und Pläne - und ließ sich nicht aufhalten. Die Reisbacherin, die zuvor lange Jahre in Wien für Coca Cola gearbeitet hatte, ist viel herumgekommen in der Welt: London, Paris und Wien , zwei Jahre Mauretanien und Kamerun. "Was ich dabei immer vermisst habe, war das Persönliche in den Hotels", sagt sie. Und deshalb ist das Besondere des Hotels nicht das Gebäude, sondern die Herzlichkeit des Personals.

Vor anderthalb Jahren bildete das Hotel die Kulisse für den ZDF-Film "Beste Freundinnen". Der Titel passt zum Hotel. Ein Engländer schrieb kürzlich ins Gästebuch: "Hier fühlt man sich zu Hause." Eine Frau aus Deutschland fand: "Ich war das erste Mal hier und hatte doch gleich das Gefühl, eine alte Freundin des Hauses zu sein."

"Ich möchte nicht nur Zimmer vermitteln", sagt Schröder, "sondern auch die lokale Kultur." Sie kennt die Geschichte der Stadt, weiß, wo es den besten Sherry gibt, was man mit Kindern unternehmen kann, bucht Reitausflüge am Strand und verrät, wo man die besten Tapas der Stadt essen kann.


Dieser Tage 70 geworden

Die familiäre Atmosphäre liegt vielleicht ein bisschen auch daran, dass sie noch immer selbst im Hotel wohnt. Eigentlich war das nur für die Anfangsphase geplant. Danach wollte sie in eine Wohnung ziehen. Doch dieses Vorhaben hat sie mittlerweile aufgegeben: "Ich bin ja eh immer im Hotel", sagt Schröder und lacht.

Dieser Tage ist sie 70 geworden. Doch der Enthusiasmus, mit dem sie arbeitet, ist immer noch der gleiche. Tag für Tag. Nahezu rund um die Uhr. Und ihre Philosophie hat Erfolg, die Gäste sind begeistert. Beim Hotelbewertungssystem Tripadvisor ist Casa Grande die Nummer 1 von 34 Hotels der Stadt, bei Holidaycheck liegt die Weiterempfehlungs-Quote bei 100 Prozent. Und auch bei Trivago, das die Bewertungen verschiedenster Internetseiten sammelt, ist das Haus an der Spitze. Anders als einige andere Hotels überlebte Casa Grande auch die Krise nach 2008. Und das, obwohl es Jerez ziemlich hart traf. Die 200 000-Einwohner-Stadt ist hoch verschuldet. 2012 war das Geld sogar so knapp, dass die Polizei nicht einmal mehr das Benzin für ihre Streifenwagen bezahlen konnte. "Doch seit letztem Jahr ist es wieder besser geworden", sagt Schröder.

Ihre Gäste kommen aus der ganzen Welt. "Das Faszinierende und Schöne an meinem Beruf ist der Kontakt mit den Menschen", sagt sie. "Und wenn ich etwas bedauere, dann nur eines: dass ich das alles nicht schon zehn Jahre früher gemacht habe." Und vielleicht, dass sie sich nicht oft genug die Zeit nimmt, um mal in der Calle Larga einen Fino zu trinken.