Eine Basis für die Zukunftsarbeit

Eine Basis für die Zukunftsarbeit

Die Gemeinde Saarwellingen führt eine groß angelegte Seniorenbefragung durch. Wie die Wohnorte seniorengerechter gestaltet werden können und wo noch was fehlt, sollen rund 5000 Fragebögen ermitteln.

Saarwellingen. Fragen kostet nichts. Und am besten fragt man die, die es wissen müssen. Die Gemeinde Saarwellingen führt deshalb eine Seniorenbefragung durch, um herauszufinden, wie die Wohnorte seniorengerechter gestaltet werden können. In Kooperation mit dem Institut für Gesundheitsforschung und -technologie (IGFT) der HTW Saarbrücken ist ein detaillierter Fragebogen erstellt worden, den die Gemeinde an genau 4988 (zukünftige) Senioren verschickt hat. Den sollen die Bürger möglichst genau ausfüllen und portofrei zurückschicken - Antworten kostet also ebenfalls nichts. Der Fragebogen ist anonym und soll ausschließlich Aufschluss darüber geben, wie und wo Maßnahmen zur Unterstützung der Senioren in der Gemeinde gebraucht werden.Der Fragebogen umfasst zehn Bereiche, zum Beispiel Mobilität, Wohnqualität, soziale Dienste, Nahversorgung oder auch Kulturangebote. Die Bürger sollen einzelne Angebote bewerten, zusätzlich gibt es offene Antwortmöglichkeiten.

Dr. Dagmar Renaud koordiniert das Projekt auf wissenschaftlicher Ebene an der HTW Saarbrücken. Eine solche Befragung hat es im Saarland noch nicht gegeben. "Die Gemeinde Saarwellingen ist ein Vorreiter", betont Renaud, "vor allem mit diesem enormen Engagement." Etwa 50 Prozent der Kommunen im Saarland hätten sich mit Seniorenarbeit noch gar nicht befasst, sagt sie. Für sie ist Saarwellingen ein "Best-Practice-Beispiel", also quasi der Idealfall.

Gemeinsam mit Roland Steffen, der das Saarwellinger Amt für Senioren leitet, hat Renaud die Fragebögen erstellt und immer wieder überarbeitet. Dabei wurde an das kleinste Detail gedacht, zum Beispiel daran, die Umschläge etwas größer zu wählen, damit der dicke Bogen sich auch mit motorischen Einschränkungen leicht in den Rückumschlag einlegen lässt.

"Nach einem Pre-Test an einer kleineren Gruppe waren wieder viele kleine Änderungen notwendig, die die Tester angeregt hatten", schildert Renaud.

Die Fragebögen können bis 1. Juni ausgefüllt in den Ortsteilen an neun Stellen eingeworfen werden: Im Rathaus, in den vier Kirchen sowie in der Verwaltungsnebenstelle Schwarzenholz und im Dorfgemeinschaftshaus Reisbach stehen die Boxen. "Wir haben hier Kosten gespart und bestehende Strukturen genutzt", erklärt Steffen. 30 Prozent Rücklauf erhofft er sich. "Wir haben viel getrommelt und werden es auch weiter tun", ergänzt Philippi. So wurden zum Beispiel auch jüngere Leute, in der Verwaltung oder im Jugendrat, gebeten, ihre Angehörigen auf die Befragung aufmerksam zu machen.

Ab Juni werden die Bögen dann wissenschaftlich ausgewertet, "Antworttendenzen und Zusammenhangsanalysen" sollen Rückschlüsse auf Versorgungslücken zulassen, erklärt Renaud. Davon ausgehend will die Gemeinde Pläne entwickeln, die in Zukunftswerkstätten mit den Bürgern erarbeitet werden sollen. "Wir erhoffen uns konkrete Handlungsempfehlungen von der Studie", betont Philippi. "Es wird nicht alles sofort eins zu eins umsetzbar sein, aber wir haben eine Basis für die Zukunftsarbeit."

Meinung

Bürger, nutzt diese Chance!

Von SZ-RedakteurinNicole Bastong

Aktiv älter werden: Solche Seniorenspielplätze könnte es auch in Saarwellingen geben, wenn der Bedarf da ist. Das wird die Befragung von rund 5000 älteren Bürgern zeigen. Foto: dpa/Jochen Lübke.

Der demografische Wandel ist weder aufzuhalten noch umzukehren. Gemeinden müssen deshalb besonders für ältere Bürger attraktiv bleiben. Mit einer Seniorenpolitik, die Bürger miteinbezieht, und sich an ihren Bedürfnissen orientiert, geht Saarwellingen neue Wege. Eine solche Befragung gab es bisher nicht im Saarland, deshalb gibt es auch keine Erfahrungswerte - es ist ein Versuch. Der Aufwand, auch finanzieller Art, ist überschaubar, der Mehrwert für die Gemeinde allerdings von unschätzbarem Nutzen. Bleibt zu hoffen, dass die (zukünftigen) Senioren ihre Chance nutzen.