Ein Fotograf mit Verständnis und Empfindsamkeit

Ein Fotograf mit Verständnis und Empfindsamkeit

Der Luxemburger Fred Bisenius hat Menschen beim Jazz und in ihrem Alltag fotografiert. Anlässlich der Saarwellinger Jazzwochen zeigt er 70 Schwarzweiß- und Farbfotografien aus den letzten 40 Jahren. Seine Bilder fangen Situationen im öffentlichen Raum spontan ein.

Jazz lebt von der Improvisation. Ein Motiv oder auch mehrere Themen werden immer wieder variiert. Das macht auch der Luxemburger Fred Bisenius. Sein Instrument ist die Fotokamera. Jetzt zeigt er im Kulturtreff Altes Rathaus parallel zu den aktuellen Saarwellinger Jazzwochen "40 Jahre Sozial- und Jazz-Fotografie".

70 Fotos hat er zusammengetragen. Wie bei einer Jam-Session ereignen sich gleichfalls die Verschiedenheit und das Zusammenspiel. Zu sehen sind Bilder, die wie der Jazz vom Gespür für die Atmosphäre, vom "Groove" und vom richtigen Augenblick leben. Bisenius hat mit seiner Kamera Freunde aus Luxemburg, die seit Jahr und Tag an der "Internationalen Jazzwerkstatt" im Sommer in Saarwellingen teilnehmen, begleitet. Dadurch sind reportageartige Zeugnisse des Unterrichts und der Auftritte der Teilnehmer entstanden.

Die Bilder von den Amateuren befinden sich wie selbstverständlich in der Gesellschaft zu den Aufnahmen internationaler Jazz-Größen wie Dizzy Gillespie, Ornette Colemann und Albert Mangelsdorff, die alle im Großherzogtum aufgetreten sind. Bisenius hat dort selbst Jazz-Konzerte organisiert. Und er engagierte sich bereits in den 70er und 80er-Jahren in Kollektiven, die sich sozialen und kulturellen Themen widmeten.

Im von der Schwerindustrie geprägten Schilwingen ist Bisenius aufgewachsen. Den Schmutz der Hütte und die Kargheit der Arbeitersiedlungen hat er schon in jungen Jahren auf seinen Bildern festgehalten. Aus ihnen spricht in erster Linie nicht Kritik an Lebensverhältnissen, sondern die Sympathie für die Menschen, die hier wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen - Arbeiterfotografie in bester Tradition. "Das sind Fotos mit den Leuten für die Leute", sagt Bisenius.

Die großen Themen der vergangenen vier Jahrzehnte dokumentiert er auf eigene, verständnisvolle und empfindsame Manier, insbesondere den Kampf der Gewerkschaften für den Erhalt der Arbeitsplätze in den Stahlwerken und die Proteste gegen das Atomkraftwerk Cattenom. Dennoch sind diese Bilder nicht vordergründig politisch; sie sind es auf eine subtile Art.

Bisenius kennt die Sorgen und Freuden der Menschen, die er fotografiert. Deshalb sind - ganz besonders die 30 und 40 Jahre alten Schwarzweiß-Fotos - so atmosphärisch dicht. Das ist im eigentlichen Sinn Straßenfotografie: spontan eingefangene Situationen im öffentlichen Raum, Passanten im Vorübergehen. Beispielhaft sind die Aufnahmen aus dem "Grund" in der Stadt Luxemburg, die daran erinnern, wie heruntergekommen, aber trotzdem liebenswert das heute schicke Viertel war. Dazu kommen Schnappschüsse, Impressionen am damals neuen Centre Pompidou in Paris, Aufnahmen von spielenden Kindern und immer wieder allein und in der Gruppe musizierende Menschen. Fred Bisenius selbst ist mal mehr, mal weniger beteiligt. Aber er ist nie der besserwisserische Über-den-Dingen-Stehende. Vor allem hat er - das sieht man seinen Bildern an - die Menschen gern. Besonders die, welche wie er nach künstlerischem Ausdruck suchen.

Die Ausstellung ist bis 2. April geöffnet, und zwar dienstags bis samstags von 18 bis 22 Uhr und während der Jazzkonzerte.

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