Ein Blick zurück durch die Brille unserer Zeit

Ein Blick zurück durch die Brille unserer Zeit

Saarwellingen. Im Mittelalter war das Papier teuer. Deshalb schrieb man mehrere Schriften übereinander. Daran erinnern die Bilder von Gaetano Gross. Da liegen an steinzeitliche Felszeichnungen gemahnende Zeichen wie Sedimente unter einer Küstenlandschaft. Oder die Industriebauten der von Gross so genannten "Eisenzeit" vermengen sich mit vorgeschichtlichen Versteinerungen

Saarwellingen. Im Mittelalter war das Papier teuer. Deshalb schrieb man mehrere Schriften übereinander. Daran erinnern die Bilder von Gaetano Gross. Da liegen an steinzeitliche Felszeichnungen gemahnende Zeichen wie Sedimente unter einer Küstenlandschaft. Oder die Industriebauten der von Gross so genannten "Eisenzeit" vermengen sich mit vorgeschichtlichen Versteinerungen. Die heute nur noch selten beherrschte Ei-Tempera-Technik ist dabei hilfreich. Gross rührt nach Art der alten Meister Farbpigmente mit Hühnerei an und trägt eine Öllasur darüber auf. Es ergeben sich transparente, übereinander liegende Darstellungsebenen, die wie Vexier- oder Umschlagbilder verschieden hervorgehoben werden können. Der Maler aus Saarbrücken (Jahrgang 1956) stellt Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Er macht deutlich, dass wir im Blick auf Vergangenes immer quasi durch die Brille unserer Zeit blicken. Beim Bild vom Hunnenring montiert er eine farbige Schablone ein, um zu symbolisieren, wie das Urteil über vergangene Zustände durch unsere aktuellen Auffassungen gefärbt ist. Der Betrachter baut sich sein eigenes Bild. Ganz besonders augenfällig ist dies an dem Rembrandt, den Gross vom ersten Stock auf die Ausstellungsbesucher herabblicken lässt. Dieses Bild besteht aus lauter kleinen, in Farbnuancen gemalten Quadraten ("Pixeln"). Unser Auge verbindet sie großzügig zu einem stimmigen Ganzen. Ein Hinweis darauf, dass wir nicht sicher sein können, dass die Welt (die vergangene zumal) so ist, wie wir sie sehen. Wir interpretieren sie. Dabei kann es vorkommen, dass sich Menschen und Dinge unserer Festlegung entziehen. Gross lässt seinen "Wayne" aus New York sinnbildlich aus dem zu engen Interpretationsrahmen fallen. So ähnlich funktionieren auch die Serigraphien. Gross hat wie die Impressionisten eine Landschaft - hier: Küsten Sardiniens - zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichem Licht gemalt, aber nicht mehrere Bilder, sondern Streifen und diese aneinander gereiht. Die Übergänge kaschiert er sachte. Der Betrachter sieht einerseits den Wechsel zusammen, kann sich andererseits klarmachen, dass es sich um einzelne Impressionen handelt. Angesichts eines Strandes, auf den das Meer zuwogt und sich die Wellen brechen, denkt man an ein Wort aus der Sprache der nordamerikanischen Hopi-Indianer: "Walalalata". Das heißt so viel wie "mehrmaliges Wellen ereignet sich". Wir können das mit unser Sprache nicht sagen. Gross malt es. Günter Nestor der Künstlergruppe Untere Saar, deren Vorsitzender Gaetano Gross ist, hat bei seiner Einführung in die Ausstellung größten Wert auf das "Können und Künden" bei Gaetano Gross gelegt. Künstlerkollege Roland Schmitt, der Gross für die Ausstellung gewonnen hatte und für den Förderverein Altes Rathaus die Vernissage-Gäste begrüßte, sagte: "Das ist ein Highlight fürs Alte Rathaus und für Saarwellingen."Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 16 bis 19 Uhr, Sonntag elf bis 13 Uhr sowie nach Absprache, Telefon (06838) 9007128. Finissage am 28. September, elf Uhr. "Das ist ein Highlight fürs Alte Rathaus und Saarwellingen."Roland Schmitt, Förderverein