Die Vor-Schul-Betreuung

Saarwellingen. Montagmorgen, 7.10 Uhr. Stockdunkel ist es, aber im Erdgeschoss der Saarwellinger Gutbergschule brennt schon ein Licht. Drinnen sitzen vier Kinder am Tisch und spielen ein Brettspiel, daneben dröselt Betreuerin Monika Pfingstmann mit ihrer Tochter Carina Wolle auf. Ganz normale Szenen in der Nachmittagsbetreuung - nur hat jetzt der Unterricht noch nicht einmal begonnen

Saarwellingen. Montagmorgen, 7.10 Uhr. Stockdunkel ist es, aber im Erdgeschoss der Saarwellinger Gutbergschule brennt schon ein Licht. Drinnen sitzen vier Kinder am Tisch und spielen ein Brettspiel, daneben dröselt Betreuerin Monika Pfingstmann mit ihrer Tochter Carina Wolle auf. Ganz normale Szenen in der Nachmittagsbetreuung - nur hat jetzt der Unterricht noch nicht einmal begonnen.Seit Anfang des Schuljahres 2010/11 bietet die Gemeinde Saarwellingen in ihren beiden Grundschulen eine zusätzliche Betreuung ab sieben Uhr morgens an. Zur Zeit nehmen acht bis zwölf Kinder an der Saarwellinger Gutbergschule und vier bis sechs Kindern an der Reisbacher Grundschule das Angebot in Anspruch. Die Eltern zahlen für den hilfreichen Service einen symbolischen Preis von fünf Euro - im Monat.

"Wir haben die Erziehungssysteme besser aufeinander abgestimmt", erklärte der Leiter des Amtes für Jugend und Soziales, Roland Steffen. Die Kindergärten der Gemeinde haben Betreuungszeiten von sieben bis 17 Uhr. So standen Saarwellinger Eltern vor einer Betreuungslücke, wenn die Kinder in die Grundschule wechselten. Nach mehreren Anfragen startete die Gemeinde die Ergänzung zu der üblichen Schulbetreuung im vergangenen Sommer. "Das war das Anliegen der Eltern, die nicht wollten, dass die Kinder draußen im Dunkeln stehen, bis die Schule beginnt", erklärt Betreuerin Pfingstmann.

Von sieben bis 7.45 Uhr werden in den Grundschulen die Kinder von Eltern, die früh arbeiten müssen, von Erziehern betreut. "Ein oder zwei Kinder kommen gleich um sieben Uhr, der größte Schwung kommt so gegen halb acht", schildert Pfingstmann. Manche werden gebracht, andere kommen zu Fuß - die Eltern rufen dann an, ob die Kinder angekommen sind. Frühstück essen die Kinder normalerweise zu Hause, aber wenn die Zeit morgens knapp ist, können sie auch etwas mitbringen. So wie der kleine Hendrik heute. Der Siebenjährige ist immer einer der Ersten. "Und oft noch müde", wie er erzählt.

Die Zahl der teilnehmenden Kinder schwankt, dadurch, dass viele Eltern im Schichtdienst arbeiten. Aber: "Wir haben das nicht von der Zahl der Kinder abhängig gemacht", sagt Amtsleiter Steffen. Die Betreuung wird übrigens auch in den Ferien angeboten.

Fast alle Schüler sind auch in der Nachmittagsbetreuung, die bis 16.30 Uhr dauert. "Die genießen, dass ich morgens mehr Zeit habe, und dass es nicht so laut ist wie am Nachmittag", lacht Pfingstmann. Die Kinder nutzen in der Vor-Schul-Betreuung auch dieselben Angebote, zum Beispiel Spiele oder Basteln.

Träger ist in Saarwellingen das Sozialwerk Saar-Mosel und in Reisbach der DRK-Kreisverband, das heißt, sie stellen jeweils die Erzieher. Finanziert wird das im Landkreis wohl einmalige Angebot komplett von der Gemeinde Saarwellingen. Durch das zusätzliche Angebot entstehen der Gemeinde jährlich Kosten von rund 4000 Euro pro Schule, gibt Steffen an.

Meinung

Ein vorbildliches Selbstverständnis

Von SZ-RedakteurinNicole Bastong

 Draußen wird es langsam hell, drinnen wird schon gespielt: Betreuerin Monika Pfingstmann ist ab sieben Uhr morgens für die Kinder in der Saarwellinger Grundschule da. Foto: Seeber
Draußen wird es langsam hell, drinnen wird schon gespielt: Betreuerin Monika Pfingstmann ist ab sieben Uhr morgens für die Kinder in der Saarwellinger Grundschule da. Foto: Seeber

In Saarwellingen ist Familienfreundlichkeit nicht nur eine Worthülse. Die Kommune zeigt sich wirklich kooperativ, wenn es um Bedürfnisse von Kindern und Eltern geht. Es ist nicht selbstverständlich und wohl auch im Landkreis einmalig, dass die Gemeinde die Betreuungslücke vor dem Schulbeginn schließt - und zwar auf eigene Kosten. Denn Kinderbetreuung endet nicht mit dem Kindergarten: Auch die Eltern von Schulkindern müssen arbeiten, viele auch im Schichtdienst oder schon sehr früh. Und auch ein sechs- oder neunjähriges Kind muss nicht unbedingt morgens alleine im Dunkeln warten, bis das Schultor öffnet. Diese Probleme aufzugreifen, zeugt von echtem Willen, Familien den Alltag zu erleichtern.