| 21:14 Uhr

Rathausstürme in Saarwellingen und Siersburg
Die Rathäuser waren nicht zu halten

Die letzten Worte des Saarwellinger Bürgermeisters, dann fiel der Schlüssel in die Hand der Narren.
Die letzten Worte des Saarwellinger Bürgermeisters, dann fiel der Schlüssel in die Hand der Narren. FOTO: Carolin Merkel / Merkel Carolin
Saarwellingen/Siersburg. In Saarwellingen und Siersburg hatten die Verwaltungschefs keine Chance. Am Ende gaben sie ihre Schlüssel an die Narren ab. Von Carolin Merkel und Johannes Bodwing

Zwei Fanfarenzüge, drei Karnevalsvereine mit Tollitäten, dazu das Prinzenpaar des Jahres aus Kutzhof und nicht zuletzt der Greesenclub – sie alle machten am Donnerstagabend in Saarwellingen mobil und hatten dabei nur ein Ziel: Die Kapitulation von Bürgermeister Manfred Schwinn.



Doch bevor es am Ende eines ausgelassenen Greesentags zum Rathaussturm ging, hatten die Barmherzigen Plateausohlen zwei Stunden lang auf dem Schlossplatz dem Narrenvolk mächtig eingeheizt. In Feierlaune galt es dann am Ende nur noch, den Schlüssel zum Rathaus an sich zu nehmen. Doch Schwinn hatte sich mit seinem Gefolge wieder einmal gut bewacht und mit allerlei süßen Wurfgeschossen bewaffnet, in der oberen Etage des Schlosses verbarrikadiert. Ob kampferprobte Truppe oder jämmerlicher Haufen, der sich an der Treppe zum Rathaus positioniert hatte – das schien die entscheidende Frage.

Zwar hoffte Schwinn, dass er in diesem Jahr endlich einmal die Tradition brechen könnte, doch am Ende war die Übermacht der Narren einfach zu groß. Gerne gab er den Schlüssel zum Rathaus an die Narrenschar ab. „Das Rathaus zu regieren ist alles andere als schön“, gab er ihnen mit auf den Weg und feierte kräftig mit.

Kinder an die Macht hieß es in Siersburg. Geldscheine hingen am Freitagnachmittag vor dem Siersburger Rathaus und dicke Säcke mit dem Euro-Zeichen. Am Fuß der Eingangstreppe stand ein mannshoher Tresor mit dem Vermögen der Gemeinde Rehlingen-Siersburg. Ob der stellvertretende Bürgermeister, Joshua Pawlak, das auch verwalten könne, bezweifelte das Narrenvolk lautstark.

An die 200 Kinder, Eltern und Schaulustige waren für „Kinder an die Macht“ auf den Bouzonviller Platz gekommen. Daraus wurde nicht der klassische Rathaussturm mit Wortgefechten, sondern ein Wettstreit zwischen Pawlak und Kindern. Bündelweise „Niedtaler“ hatte Pawlak im Panzerknacker-Kostüm vor Beginn im Foyer gezeigt.



Auf den Dollar-Scheinen sein Konterfei und die Aufschrift „The United States of Rehlingen-Siersburg“. Unterstützt wurde er von Assistentin Chantalle Christin Lehnert und angefeuert von Ortsvorsteher Reinhold Jost. Aber ihnen standen unter anderen zwei Kindergärten gegenüber, die Freiwillige Ganztagsschule sowie der Kultur- und Karnevalsverein mit Prinz Ben I. und Prinzessin Svenja I. Der Musikverein spielte mit Stimmungsliedern gegen die Kälte an, die Moderation übernahm der „Sheriff von Siersburg“, Nicola Bläs. Nach Goldtalersuche in einem Kinderplanschbecken, Luftballon-Weitwurf und dem Schätzen von Talern in einem Glas lag Pawlak rettungslos zurück. Da half auch nicht mehr, dass er den großen Tresor öffnete um mit Popcorn und Geldscheinen zu bestechen.

In Handschellen und Ketten führten ihn Kinder im Umzug zur Niedtalhalle. Dort wurde die Machtübernahme beim Kindermaskenball des Vereins für Kultur und Karneval gefeiert.

Kinder der Freiwilligen Ganztagsschule tanzten vor dem Siersburger Rathaus.
Kinder der Freiwilligen Ganztagsschule tanzten vor dem Siersburger Rathaus. FOTO: Johannes A. Bodwing