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Faszination Pferd
Die elegante Seite der robusten Kaltblüter

Eine Kutschfahrt mit zwei Pferdestärken konnten die Besucher genießen.
Eine Kutschfahrt mit zwei Pferdestärken konnten die Besucher genießen. FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarwellingen. Bei „Faszination Pferd“ beim Reit- und Fahrverein Saarwellingen kamen die Pferdefreunde auf ihre Kosten. Von Johannes Bodwing

„Kaltblüter waren Pferde für den Krieg“, erklärte Solveig Mittelhäußer-Brown. „Die mussten stark sein auf den Hinterbeinen, um hochgehen zu können und auch auszukeilen.“ Andererseits seien sie so „menschenbezogen, die würden sich auf die Couch setzen“. Am Sonntag zeigten Tochter Vivian Brown und Reitpartnerin Ellen Rapp in einer musikunterlegten Darbietung die elegante Seite der kräftigen Tiere. Den Rahmen dazu bot die Veranstaltung „Faszination Pferd“.


Sie kehrte am Sonntag zurück zum Ursprung auf der Anlage des Reit- und Fahrvereins Saarwellingen „Auf der Höh“. Dort hatte 2001 die erste dieser Veranstaltungen begonnen, sagte der Vorsitzende Norbert Keusch. „Jetzt ist es die Vierte hier.“ Von 10 Uhr an sahen hunderte von Besuchern eine breite Palette des Pferdesports. Vom Stilspringen, bei dem Reiter und Pferde erste Turniererfahrungen sammelten, über Showreiten, Kutschfahrten und verschiedene Gangarten. Zu Letzterem fegte Katrin Reinert auf ihrem Noi über die Bahn. Dabei zeigte der Islandhengst als Besonderheit den Rennpass. Dabei sind jeweils die Hufe einer Seite auf dem Boden. „Das ist schon nicht einfach, sein Pferd zu einem anderen zu schicken“, sagte Sarah Mathieu bei der Freiheitsdressur. Zusammen mit ihrer Mutter führte sie zwei Pferde ohne Leine und Zügel, einfach durch Zurufe und Zuwendung. „Wie Winnetou, das machen wir auch so.“ Aber es brauche seine Zeit, bis die Tiere sich hinlegten und bei einem kompletten Showablauf mitmachten. „Wir machen das jetzt seit etwa zehn Jahren. Vor 15 Jahren haben wir das bei einer Pferdemesse gesehen und Blut geleckt.“

Heiß war es am Sonntag. Die Besucher machten es sich unter Bäumen bequem oder im Biergarten der Reitanlage. Sandige Plätze wurden für die Pferde mit dem Sprengwagen befeuchtet. Die verschiedenen Turniere waren nicht auf Hochleistung angelegt, sagte Uta Rosenau, Vorsitzende des Ausschusses Breitensport im Pferdesportverband Saarland. „Am Ende sind alle Sieger und werden ausgezeichnet.“



Etwa 30 Pferde seien den Tag über im Einsatz, darunter schwere Kaltblüter, die Arbeitsmaschinen, bevor die Technik sie vielfach verdrängte. „Das Pferd versteht, was von ihm verlangt wird.“ Ernst Winkmann stand neben Prinz, einem schweren Belgier, der etwa 900 Kilogramm auf die Waage bringt. Nur mit einer langen Leine dirigierte er den sensiblen Hengst so, dass ein Baumstamm sicher über einen Parcours geschoben wurde. Behutsam stieg Prinz über den Stamm und zog von der anderen Seite. So etwas macht noch kein Harvester im Wald. Bis zu 15 Pfund Hafer und acht Pfund Kraftfutter pro Tag brauche sein vierbeiniger Kollege, erklärte Winkmann. Mit Zweien solcher Tiere ist er im Saarforst und in Rheinland-Pfalz im Einsatz.

Ernst Winkmann mit seinem belgischen Kaltblüter Prinz beim Baumrücken.
Ernst Winkmann mit seinem belgischen Kaltblüter Prinz beim Baumrücken. FOTO: Johannes A. Bodwing